MI5-Chef McCallum nennt Russland „Aggressor Nummer eins“ für Großbritannien
Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Ken McCallum, hat am 13. Oktober in seiner jährlichen Bedrohungsrede Russland als „Aggressor Nummer eins" für Großbritannien bezeichnet und vor einer Intensivierung der russischen hybriden Kriegsführung gegen Staaten gewarnt, die die Ukraine unterstützen. Er ordnete zudem den mutmaßlichen Anschlagsplan auf den Stützel RAF Fairford in einen größeren Zusammenhang iranischer Aktivitäten auf britischem Boden ein und warnte vor dem Missbrauch künstlicher Intelligenz durch Extremisten.
Das Wichtigste
- MI5-Chef Ken McCallum hielt seine jährliche Bedrohungsrede am Dienstag, dem 13. Oktober.
- McCallum bezeichnete Russland als „Aggressor Nummer eins" für Großbritannien.
- McCallum erklärte, die Zahl der staatlichen Bedrohungen habe sich in zehn Jahren vervierfacht; MI5 wende dafür heute mehr Ressourcen auf als im Kalten Krieg.
- Er warnte vor einer Intensivierung russischer hybrider Kriegsführung – Sabotage, Cyberangriffe, Bombendrohungen – gegen Unterstützerstaaten der Ukraine.
- McCallum sagte, Iran verlagere seine Ziele in Großbritannien auf schwerer zugängliche Objekte wie Militäreinrichtungen; im Zusammenhang mit Iran-Operationen habe es im letzten Jahr mehr als 50 Festnahmen gegeben.
- Er verwies auf mögliche Folgen des KI-Missbrauchs durch Extremisten, einschließlich der Sorge vor KI-gestützter Biowaffenentwicklung; MI5 hat ein eigenes Zentrum zur Bewertung von KI-Risiken eingerichtet.
- Am 12. Oktober hatte Premierminister Andy Burnham erklärt, der Anschlagsplan auf RAF Fairford sei höchstwahrscheinlich aus dem Iran und so gut wie sicher vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) gesteuert worden; fünf Festgenommene wurden ohne Anklage auf Kaution entlassen.
Warum es wichtig ist
McCallums Rede ist die höchstrangige öffentliche Bedrohungsbewertung Großbritanniens im Jahresrhythmus. Sie stellt Russland als wichtigsten staatlichen Angreifer dar und verknüpft russische hybride Operationen direkt mit der Unterstützung der Ukraine durch europäische Staaten. Zugleich ordnet sie den jüngsten mutmaßlichen Anschlagsplan auf den Militärstützpunkt RAF Fairford in ein breiteres Muster iranischer Aktivitäten auf britischem Boden ein – bei zugleich begrenzten iranischen Fähigkeiten im Land. Mit der Aussage, staatliche Bedrohungen hätten sich binnen zehn Jahren vervierfacht, beziffert sie die Dimension der Herausforderung für MI5; die explizite Warnung vor möglichem KI-Missbrauch durch Extremisten, einschließlich biologischer Waffen, markiert zudem ein neues Risikofeld.
Was geschehen ist
Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Ken McCallum, hielt am Dienstag, dem 13. Oktober, seine jährliche Bedrohungsrede. Er bezeichnete Russland als „Aggressor Nummer eins" für Großbritannien und erklärte, staatliche Bedrohungen hätten sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht; MI5 setze heute mehr Ressourcen zu deren Abwehr ein als während des Kalten Krieges. McCallum warnte, Russland intensiviere hybride Kriegsführung – Sabotage, Cyberangriffe und Bombendrohungen – gegen Länder, die die Ukraine unterstützen. Als Beispiele nannte er einen versuchten Drohnenangriff auf ein Frachtflugzeug an einem deutschen Flughafen und einen Cyberangriff auf polnische Energieinfrastruktur. Er schloss sich der Einschätzung anderer europäischer Geheimdienste an, wonach diese Taktiken „kaum hinter einem konventionellen Konflikt zurückbleiben". Er stellte fest, der russische Vorstoß in der Ukraine bleibe „minimal und schrecklich verlustreich", und es sei kein Zufall, dass Russland gleichzeitig andere europäische Länder zu destabilisieren versuche. McCallum erklärte zudem, Iran verlagere seine Ziele in Großbritannien auf schwierigere Objekte wie Militäreinrichtungen; die iranischen Fähigkeiten im Land seien jedoch durch das Ausbildungsniveau der eingesetzten Kriminellen und Proxy-Agenten begrenzt. In dem Zusammenhang verwies er auf über 50 Festnahmen im Zusammenhang mit iranischen Operationen in Großbritannien im letzten Jahr und darauf, dass der Vorfall in RAF Fairford kein Einzelfall sei. Er warnte, Extremisten setzten bereits KI für Aufklärung und Drohnenangriffsplanung ein; seine größte Sorge sei, KI könne künftig zur Entwicklung biologischer Waffen oder neuer Erreger missbraucht werden. MI5 hat nach eigenen Angaben ein eigenes Zentrum zur Bewertung von KI-Risiken eingerichtet. Am 12. Oktober hatte Premierminister Andy Burnham erklärt, der mutmaßliche Anschlagsplan auf RAF Fairford sei höchstwahrscheinlich aus dem Iran koordiniert und so gut wie sicher vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) angeordnet worden; fünf Festgenommene wurden ohne Anklage unter strengen Auflagen auf Kaution entlassen, zwei weitere Inhaftierte – darunter ein doppelter britisch-iranischer Staatsbürger – ebenfalls freigelassen. Ermittler fanden in sichergestellten Transportern Benzin, aber keine funktionsfähigen Sprengsätze.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die drei vorliegenden ukrainischsprachigen Quellen – Європейська правда, НВ und Бабель – rahmen McCallums Rede als Bestätigung der russischen Bedrohung für den Westen ein und stellen die Bezeichnung Russlands als „Aggressor Nummer eins" sowie die Intensivierung der russischen hybriden Kriegsführung in den Vordergrund. Sie heben McCallums Beobachtung hervor, dass russische Versuche zur Destabilisierung anderer europäischer Länder zeitlich mit geringen und verlustreichen russischen Geländegewinnen in der Ukraine zusammenfallen, und verknüpfen die britische Geheimdiensteinschätzung so unmittelbar mit dem Krieg in der Ukraine. Der mutmaßliche Anschlagsplan auf RAF Fairford wird als Teil eines breiteren iranisch-russischen Musters dargestellt, nicht als eigenständiger Kriminalfall.
Hintergrund
Bereits am 12. Oktober hatte der britische Premierminister Andy Burnham erklärt, der Verdacht gegen die im Umfeld von RAF Fairford Festgenommenen richte sich sehr wahrscheinlich auf eine Steuerung aus dem Iran und auf Anordnung durch das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC); sowohl die Polizei als auch der Premierminister verwiesen auf eine mögliche Beteiligung eines ausländischen Staates. Fünf Männer wurden im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Anschlagsplan ohne Anklage unter strengen Auflagen auf Kaution freigelassen, zwei weitere Festgenommene – darunter ein doppelter britisch-iranischer Staatsbürger – ebenfalls. Ermittler stellten in sichergestellten Transportern Benzin sicher, fanden jedoch keine funktionsfähigen Sprengsätze. McCallum nannte einen versuchten Drohnenangriff auf ein Frachtflugzeug an einem deutschen Flughafen und einen Cyberangriff auf polnische Energieinfrastruktur als Beispiele russischer hybrider Taktik und stellte fest, der Vorfall in RAF Fairford sei kein Einzelfall. Iran-bezogene Operationen in Großbritannien haben im vergangenen Jahr zu mehr als 50 Festnahmen geführt; MI5 sieht iranische Aktivitäten in dem Land zuvor unter anderem gegen jüdische Gemeinden gerichtet.