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Selenskyj: Russland will ballistische Waffen in Belarus stationieren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 17. Oktober erklärt, Russland wolle ballistische Waffen auf belarussischem Territorium stationieren. Dies bedrohe vor allem die Westukraine und bedeute eine direkte Beteiligung Belarus' am Krieg. Selenskyj kündigte verstärkte Luftabwehr und mehr Produktion von Drohnenabwehrtürmen an.

Das Wichtigste

  • Selenskyj erklärte am 17. Oktober, Russland wolle ballistische Waffen in Belarus stationieren
  • Nach Selenskyjs Worten braucht Russland dafür die Unterstützung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko
  • Die Stationierung würde nach Selenskyj vor allem die westlichen Gebiete der Ukraine bedrohen
  • Laut Selenskyj würde dies Belarus direkt in den Krieg hineinziehen und sei auch für Belarus selbst gefährlich
  • Die Ukraine verstärkt die Luftabwehr in den am stärksten betroffenen Gebieten und steigert die Produktion von Türmen zur Abwehr von Drohnen
  • Der stellvertretende Leiter des Militärgeheimdiensts HUR, Wadym Skibizkyj, warnte im September, Russland befinde sich bei einer neuen ballistischen Rakete mit bis zu 800 km Reichweite in der Endphase der Erprobung
  • Zwischen dem 13. und 16. Oktober schlugen russische Drohnen unter anderem in Luzk ein; sechs Menschen kamen ums Leben, 13 wurden verletzt

Warum es wichtig ist

Russland könnte mit ballistischen Raketen auf belarussischem Boden die Vorwarnzeit für die Westukraine und grenznahe NATO-Staaten drastisch verkürzen. Eine solche Stationierung würde Belarus formell in den Krieg hineinziehen und das Eskalationsrisiko erhöhen. Die Häufung russischer Drohnenangriffe auf Luzk und Umgebung in den Tagen vor Selenskyjs Erklärung deutet darauf hin, dass die Bedrohung bereits real wird. Zugleich warnt der ukrainische Militärgeheimdienst, Russland erprobe eine neue ballistische Rakete mit bis zu 800 km Reichweite. Die Ukraine reagiert mit verstärkter Luftabwehr und höherer Produktion von Drohnenabwehrtürmen.

Was geschehen ist

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 17. Oktober in einem Audiokommentar gegenüber Journalisten, Russland wolle ballistische Waffen, darunter ballistische Raketen, auf belarussischem Territorium stationieren. Dafür brauche Russland die Unterstützung des selbsternannten belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Die Stationierung würde nach Selenskyjs Einschätzung vor allem den Westen der Ukraine bedrohen und eine direkte Beteiligung Belarus' am Krieg bedeuten, was auch für Belarus selbst gefährlich sei. Selenskyj zeigte sich überzeugt, dass Putin solche Absichten hat.

Selenskyj wies zugleich darauf hin, dass Russland bereits Signalverstärker in Belarus platziere, um das Land als Korridor für Kampfdrohnen zu nutzen und Angriffe auf die Westukraine zu verstärken. Die Ukraine verstärke deshalb die Luftabwehr in den am stärksten betroffenen Gebieten und steigere die Produktion von Türmen zur Abwehr von Drohnen; die Verteilung erfolge nach Bedrohungsgrad. Hintergrund sind Drohnenangriffe zwischen dem 13. und 16. Oktober auf Luzk und Umgebung: Am 13. Oktober verursachten Drohnentrümmer einen Brand auf dem Dach des Unterhaltungszentrums Adrenalin City, das das Korsakow-Museum für zeitgenössische Kunst beherbergt; am 14. Oktober zerstörten Drohnen das Großhandelslager Yevrohurt in Luzk, wobei sechs Menschen starben und 13 verletzt wurden; am 15. Oktober schoss die Luftabwehr drei Drohnen über Wolyn ab, Trümmer beschädigten jedoch Stromleitungen; am 16. Oktober schlugen Drohnen erneut in ein Unternehmen mit ausländischen Investitionen in Luzk und einen Zollterminal in Kowel ein, Schäden gab es auch in Riwne, Winnyzja und im Gebiet Iwano-Frankiwsk, mindestens ein Mensch kam ums Leben.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle acht vorliegenden Quellen sind ukrainischsprachige Medien mit Sitz in der Ukraine. Sie stellen Selenskyjs Warnung als zentralen Aufhänger der Berichterstattung heraus. Die Schlagzeilen betonen die Bedrohung für die westlichen Gebiete der Ukraine und rahmen eine russische Stationierung in Belarus als direkte Beteiligung Belarus' am Krieg. Die Berichte verbinden Selenskyjs Stellungnahme mit den jüngsten Angriffen auf Luzk und Wolyn und unterstreichen so die Unmittelbarkeit der Bedrohung. Als Hauptstimmen werden ukrainische Amtsträger zitiert – Selenskyj, der Vizechef des Militärgeheimdiensts HUR, Wadym Skibizkyj, und der Sprecher des Grenzdienstes, Andrij Demtschenko –; russische oder belarussische Vertreter kommen nicht zu Wort.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die vorliegenden Fakten beschreiben Russlands Pläne für eine Stationierung ballistischer Waffen in Belarus durchweg in der Zukunftsform. Sie bestätigen weder, dass solche Waffen bereits stationiert wurden, noch dass Belarus formell zugestimmt hat. Einige Fakten formulieren die Stationierung als russische Absicht, andere verweisen darauf, dass die Einsatzbereitschaft der bereits in Belarus befindlichen russischen Einheiten öffentlich nicht bestätigt ist.

Hintergrund

Russische Raketensysteme und Militäreinheiten sind bereits auf belarussischem Territorium präsent, ihre Einsatzbereitschaft gegen die Ukraine ist jedoch nicht öffentlich bestätigt. Belarusisches Gebiet wird nach Angaben des Grenzdienstes zudem für Signalverstärker genutzt, die russischen Kampfdrohnen Angriffe auf die westukrainischen Gebiete Lwiw, Wolyn und Riwne ermöglichen. Zwischen dem 13. und 16. Oktober trafen russische Drohnenangriffe unter anderem Luzk und Umgebung: beschädigt wurden das Korsakow-Museum für zeitgenössische Kunst und das Großhandelslager Yevrohurt (sechs Tote, 13 Verletzte), Trümmer einer abgeschossenen Drohnensalve kappten Strom- und Wasserversorgung, und es gab weitere Angriffe auf Unternehmen mit ausländischen Investitionen sowie einen Zollterminal in Kowel.