Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Russland nimmt Diesellieferungen in die Türkei und nach Brasilien wieder auf – mit US-Lizenz

Nach einem Telefongespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Machthaber Wladimir Putin am 9. Oktober hat das US-Finanzministerium über OFAC eine zeitlich bis April 2027 befristete Generallizenz erteilt, die russische Diesellieferungen auf den Weltmarkt erlaubt. Russlands Vizepremier Alexander Nowak kündigte daraufhin die sofortige Aufhebung des im Zuge ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien verhängten Exportverbots an. Die Datenanbieter Kpler und LSEG registrierten in den Folgetagen mindestens zwei Tanker mit Kurs auf die Türkei und Brasilien.

Das Wichtigste

  • 9. Oktober: OFAC erteilt nach Trump-Putin-Telefonat eine bis April 2027 gültige Generallizenz für russisches Diesel auf dem Weltmarkt.
  • Russischer Vizepremier Alexander Nowak kündigt die sofortige Aufhebung des Exportverbots wegen Engpässen nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien an.
  • Tanker Dolunay lief am 14. Oktober aus Primorsk Richtung Alanya (Türkei) aus; Tanker Leruo am 16. Oktober Richtung Manaus (Brasilien).
  • 17. Oktober: Trump setzt die Anwendung von Zöllen und Sanktionen gegen Käufer russischer Energieträger aus dem Graham-Gesetz aus.
  • Die Türkei (rund 34 %, ca. 95.000 Barrel/Tag) und Brasilien (24 %, ca. 66.000 Barrel/Tag) sind 2025 die größten Abnehmer russischen Diesels.
  • Selenskyj nannte die US-Entscheidung „schwach" und warnte vor weiterer Eskalation.
  • Russland ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Dieselexporteur.

Warum es wichtig ist

Russland ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Dieselexporteur. Die Aufhebung des Exportverbots und die US-Lizenz verändern die Sanktionsarchitektur gegenüber Moskau substanziell und haben direkte Auswirkungen auf globale Treibstoffmärkte. Da die Türkei und Brasilien den Großteil des russischen Diesels aufnehmen, sind beide Länder unmittelbare Indikatoren für die wiederaufgenommenen Lieferungen. Die ukrainische Kritik an der US-Entscheidung signalisiert einen wachsenden Konflikt zwischen Kiew und seinem wichtigsten westlichen Unterstützer in der Frage der Russland-Sanktionen.

Was geschehen ist

Am 9. Oktober telefonierten US-Präsident Donald Trump und der russische Machthaber Wladimir Putin. Im Anschluss erteilte die US-Finanzbehörde OFAC eine bis April 2027 befristete Generallizenz, die russische Diesellieferungen auf den Weltmarkt erlaubt. Noch am selben Tag kündigte Russlands Vizepremier Alexander Nowak an, dass die Exportbeschränkungen für Diesel, die wegen Versorgungsengpässen nach ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien verhängt worden waren, sofort aufgehoben würden. Am 14. Oktober verließ der Tanker Dolunay mit Diesel den Hafen Primorsk und signalisierte Alanya in der Türkei als Ziel. Am 16. Oktober lief der Tanker Leruo mit Kurs auf Manaus in Brasilien aus. Am 17. Oktober setzte Trump die Anwendung der Zölle und Sanktionen gegen Käufer russischer Energieträger aus, die im sogenannten Graham-Gesetz vorgesehen waren. Nach Angaben von Kpler und LSEG registrierten die beiden Tanker mindestens zwei Fahrten in die Türkei und nach Brasilien. Auch nach Marokko begannen Lieferungen russischen Diesels zu fließen. Selenskyj kritisierte die US-Entscheidung scharf.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainischen Medien ordnen die Wiederaufnahme der russischen Dieselexporte in den Kontext der US-Entscheidung über die OFAC-Lizenz und der Aussetzung des Graham-Gesetzes durch Trump ein. Sie betonen die Rolle ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien als Auslöser des ursprünglichen Exportverbots. Selenskyjs Kritik an der US-Entscheidung als „Schwäche" und seine Warnung, dies werde Putin zur Fortsetzung des Krieges ermutigen, wird als zentrales Element der Erzählung hervorgehoben. Trumps Sanktionsaussetzung wird nicht als technische Anpassung, sondern als politische Eskalation behandelt.

Hintergrund

Russland hatte seine Diesellieferungen bereits im Sommer reduziert und anschließend nach ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien ein vollständiges Exportverbot verhängt. Am 30. September verlängerte die russische Regierung das Verbot für Diesel und Schiffstreibstoff bis Ende Oktober. Die westlichen Sanktionen als Reaktion auf Russlands Vollinvasion der Ukraine hatten die russischen Exportrouten neu geordnet, sodass die Türkei und Brasilien ab 2023 zu den beiden größten Abnehmern aufstiegen. Die USA sind ihrerseits normalerweise der weltweit größte Dieselexporteur – die OFAC-Lizenz eröffnet nun einen russischen Marktzugang im eigenen Land.