Ukrainische Antikorruptionsermittler durchsuchen hochrangige Sicherheitsbeamte
Ukrainische Antikorruptionsermittler haben im Rahmen der Spezialoperation „Karthago“ hochrangige Beamte des Geheimdienstes SBU und der Nationalpolizei durchsucht. Einer der Festgenommenen, Serhii Duka, soll die Detectives mit einer Pistole bedroht und elektronische Geräte zerstört haben. Die Ermittler erfuhren zudem von vier Kryptowährungs-Geldbörsen mit einem Gesamtwert von rund drei Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Duka.
Das Wichtigste
- 4. November: NAБU und SAP führten im Rahmen der Operation „Karthago“ Durchsuchungen bei hochrangigen Beamten von SBU und Nationalpolizei durch.
- Serhii Duka wurde am 4. November 2026 in Roslawytsch in der Oblast Kiew festgenommen.
- Duka soll die NAБU-Ermittler während der Durchsuchung mit einer Pistole bedroht haben.
- Duka zerstörte mindestens zwei Mobiltelefone und eine Festplatte.
- Die Ermittler registrierten vier Kryptowährungs-Geldbörsen mit einem Gesamtwert von rund drei Millionen US-Dollar.
- Laut Ermittlern sollte Duka den Arrest auf Vermögen des Drogensyndikats „Chimprom“ über das Amt des Generalstaatsanwalts aufheben lassen.
- Am 5. November wurde für Wolodymyr Zенов eine Haft mit der Möglichkeit der Stellung einer Kaution von 15 Millionen Hrywnja angeordnet.
Warum es wichtig ist
Die Durchsuchung eines hochrangigen SBU-Beamten verdeckt einen weiteren Fall mutmaßlicher Obstruktion eines rechtmäßigen Ermittlungsverfahrens. Die Vorwürfe zeigen nach Angaben der Ermittler Verbindungen zwischen Bestechungsgeldern, криптовалютen, High-Ranking-Beamten und einem Drogensyndikat. Zudem führten die Festnahmen zu personellen Konsequenzen in SBU und Nationalpolizei sowie zum Rücktritt und zur Entlassung des Generalstaatsanwalts.
Was geschehen ist
Die NAБU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft führten am 4. November im Rahmen der Operation „Karthago“ Durchsuchungen bei hochrangigen Beamten des SBU und der Nationalpolizei durch. Bei der Durchsuchung des Privatlands von SBU-Generalmajor Serhii Duka in Roslawytsch sollen zwei bewaffnete Mitglieder des SBU-Sonderkommandos „Alpha“ sowie weitere Sicherheitskräfte anwesend gewesen sein. Duka hielt laut NAБU-Direktor Olexander Abakumow eine Pistole in der Hand und bedrohte die Ermittler. Er schlug zwei Mobiltelefone und eine Festplatte mit einem Hammer zerstört.
Ein Schusswechsel konnte nach Verhandlungen und der Ankunft von Dukas Anwälten vermieden werden; daraufhin wurde der Beamte festgenommen. Die Ermittler registrierten die Übergabe von vier Kryptowährungs-Geldbörsen mit einem Gesamtwert von nahezu drei Millionen US-Dollar. Nach Darstellung des Ermittlungsamts erhielt Duka das Geld für das Versprechen, über das Amt des Generalstaatsanwalts den Arrest auf Vermögen des Drogensyndikats „Chimprom“ aufheben zu lassen.
Ebenfalls am 4. November wurden die fünf Mitglieder einer mutmaßlichen kriminellen Organisation beschuldigt, darunter Duka, Wolodymyr Zенов, Olexandr Demjanchuk und Witaliy Rybalka. Das Gericht setzte für Zенов und Rybalka am 5. November Haft fest, wobei für Zенov eine Kaution von 15 Millionen Hrywnja möglich ist. SBU-Chef Olexander Poklad entließ zwei hochrangige Beschäftigte, die zu Beschuldigten wurden, während die Nationalpolizei die betroffenen Polizeibeamten vorläufig von ihren duties absetzte.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung richtet den Fokus auf die Konfrontation während der Durchsuchung: die angebliche Waffenbedrohung, die Zerstörung von Geräten, die Präsenz bewaffneter Sicherheitskräfte und den vermiedenen Schusswechsel. Zugleich wird der Fall in den größeren Zusammenhang der Operation „Karthago“ eingeordnet, in der Bestechung, Kryptowährungszahlungen und die Beteiligung von Sicherheitsbehörden eine zentrale Rolle spielen.
Hintergrund
Die Operation „Karthago“ wurde erstmals am 4. September öffentlich bekannt. NAБU und SAP meldeten damals eine kriminelle Organisation, die hochrangige Beschäftigte von SBU, Nationalpolizei und Amt des Generalstaatsanwalts für die Absicherung von Betrugskolzentren und anderer illegaler Geschäfte bestoach und die Einnahmen wäsche. Am 4. September wurde auch gegen Serhii Kropywa, stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationale Rechtszusammenarbeit im Amt des Generalstaatsanwalts, eine Verdachtsmeldung erhoben. Nach der Festnahme von Beschäftigten des Amts reichte Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko seinen Rücktritt ein; Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ ihn am 15. September.