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Ukraine plant Kriegsrisiko-Versicherungsfonds für Unternehmen – finanziert durch höhere Mehrwertsteuer

Der ukrainische Wirtschafts- und Umweltminister Oleksandr Kravchenko hat Pläne für einen staatlichen Versicherungsfonds vorgestellt, der Unternehmen gegen Kriegsrisiken absichern soll. Der Fonds mit einem Volumen von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar soll unter anderem durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent finanziert werden.

Das Wichtigste

  • Wirtschafts- und Umweltminister Oleksandr Kravchenko kündigte den Plan für einen Sonderfonds zur Versicherung von Unternehmen gegen Kriegsrisiken an.
  • Der Fonds soll Unternehmen pro Unternehmensgruppe bis zu 10 Millionen US-Dollar für den ersten Verlust durch einen russischen Angriff erstatten.
  • Der Versicherungsbeitrag für Unternehmen ist mit 2 Prozent des versicherten Vermögenswerts geplant.
  • Das geplante Gesamtkapital des Fonds beträgt 2 bis 3 Milliarden US-Dollar.
  • Privatversicherer sollen in das Programm einbezogen werden.
  • Die Regierung erwägt, die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent anzuheben, um den Fonds zu finanzieren; alternativ werden ein temporäres Importzoll oder eine Verdopplung der bestehenden Importzölle geprüft.
  • Versicherungsauszahlungen sollen ab dem 1. Januar 2027 beginnen, sofern bis dahin Finanzierungsquellen gefunden sind.

Warum es wichtig ist

Die Initiative würde erstmals einen speziellen Mechanismus zur Absicherung ukrainischer Unternehmen gegen Kriegsrisiken schaffen und damit eine Lücke schließen, die durch die bestehende Schadensentschädigung und das 5-7-9-Prozent-Darlehensprogramm nicht abgedeckt wird. Angesichts geschätzter Geschäftsschäden durch russische Angriffe von rund 10 Milliarden US-Dollar ist der Bedarf erheblich. Gleichzeitig würde die Finanzierung über eine Steuererhöhung die Kosten für Unternehmen und Verbraucher direkt erhöhen. Die geplante Einbindung privater Versicherer könnte den ukrainischen Versicherungsmarkt grundlegend verändern. Mit einem avisierten Start am 1. Januar 2027 handelt es sich um ein mittelfristiges Vorhaben, nicht um eine sofortige Entlastungsmaßnahme.

Was geschehen ist

Der ukrainische Wirtschafts- und Umweltminister Oleksandr Kravchenko stellte vor Journalisten Pläne für einen staatlich gestützten Versicherungsfonds vor, der Unternehmen gegen Schäden durch russische Angriffe absichern soll. Der Fonds mit einem geplanten Kapital von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar soll pro Unternehmensgruppe bis zu 10 Millionen US-Dollar für den ersten Schadensfall erstatten. Unternehmen sollen einen Beitrag von 2 Prozent des versicherten Vermögenswerts innerhalb der festgelegten Entschädigungsgrenze zahlen; private Versicherer sollen in das Programm einbezogen werden. Versicherungsauszahlungen sind ab dem 1. Januar 2027 vorgesehen, sofern die Finanzierung bis dahin gesichert ist. Da im Haushalt keine zusätzlichen freien Mittel zur Verfügung stehen, schlägt das Wirtschaftsministerium unter anderem eine Anhebung der Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozentpunkte vor; als Alternativen werden ein temporärer Importzoll oder eine ungefähre Verdopplung der bestehenden Importzölle geprüft. Ohne solche Maßnahmen müsste der Beitrag nach Angaben des Ministeriums auf über 20 Prozent des Vermögenswerts steigen, was als unerschwinglich gilt. Eine endgültige Entscheidung der Regierung steht noch aus.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Alle drei zentralen Quellen – Суспільне Новини, hromadske und НВ – sind ukrainischsprachige inländische Medien. Im Vordergrund steht die Detailpolitik: die vorgeschlagene Mehrwertsteuer-Mechanik, die Versicherungsparameter und der Zeitplan. Die Berichterstattung stellt den Versicherungsfonds als Antwort des Staates auf das Ausmaß der durch russische Angriffe verursachten Schäden für ukrainische Unternehmen dar und verweist auf Kravchenkos Ankündigungen als Auslöser.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Quellen weichen bei der zeitlichen Einordnung der prognostizierten Geschäftsschäden durch russische Angriffe von rund 10 Milliarden US-Dollar voneinander ab: Eine Quelle verortet sie im Jahr 2025, eine andere im Jahr 2026, eine dritte nennt das Jahr nicht. Beim Ausmaß der vorgeschlagenen Mehrwertsteuererhöhung beschreibt ein Artikel sie pauschal als „um 1 %", ein anderer präzisiert sie als Anstieg um einen Prozentpunkt von 20 auf 21 Prozent.

Hintergrund

Die bestehende staatliche Unterstützung – Schadensentschädigung und das Vorzugsdarlehensprogramm 5-7-9 – konzentriert sich nach Darstellung des Wirtschaftsministeriums auf kleine und mittlere Unternehmen und reicht für große Betriebe nicht aus. Ohne staatliche Subventionen oder steuerliche Änderungen schätzt das Ministerium, dass der erforderliche Versicherungsbeitrag über 20 Prozent des Vermögenswerts liegen müsste und damit für Unternehmen unerschwinglich wäre. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen; die Mehrwertsteuererhöhung und Alternativen wie ein temporärer oder verdoppelter Importzoll werden weiter diskutiert. Am 1. September scheiterte die Werchowna Rada mit der Verabschiedung zweier Gesetzesvorlagen zur Besteuerung internationaler Pakete im Wert von bis zu 150 Euro – einer Voraussetzung, um die dritte IMF-Tranche (0,7 Milliarden US-Dollar) und die zweite EU-Tranche der makrofinanziellen Hilfe (3,7 Milliarden Euro) im Rahmen des Ukraine Support Loan über 90 Milliarden Euro freizugeben. Ministerpräsident Serhij Korezkyj kündigte an, dass die Regierung für nicht für Verteidigungszwecke vorgesehene Haushaltsmittel einen strikten Sparregime einführt.