US-Indikterung: Anklage gegen fünf Personen im Zusammenhang mit russischem Auftragsmord-Netzwerk
US-Staatsanwälte im Southern District of New York haben eine Anklageschrift veröffentlicht, die fünf Personen – darunter zwei russische Staatsbürger – beschuldigt, im Auftrag russischer Geheimdienste ein weltweites Netzwerk für Auftragsmorde und Sabotage betrieben zu haben. Das Netzwerk soll russische Dissidenten in den USA und Europa ausgespäht und geplante Tötungen sowie Anschläge auf Infrastruktur in Ländern vorbereitet haben, die die Ukraine unterstützen.
Das Wichtigste
- Die Anklage wurde am 16. September 2026 vom US-Justizministerium im Southern District of New York veröffentlicht.
- Angeklagt sind Jurij Chramenjow (63, Ex-Oberst der russischen Geheimdienste), Kirill Chramenjow (27, FSB-Offizier, Sohn von Jurij), der Kubaner Oemis Romagosa Durruti (35), der Kubaner Yaidel Delgado Suárez (35) und der Venezolaner Ángel Eduardo Castro (22).
- Alle fünf sind wegen Verschwörung zur Finanzierung des Terrorismus angeklagt; Chramenjow, Suárez und Castro zusätzlich wegen Verschwörung zum Auftragsmord.
- Im Sommer 2026 rekrutierte das Netzwerk eine in den USA lebende Person, um einen bekannten russischen Dissidenten in Washington (Victim-1) auszuspähen und zu töten – dafür wurden 40.000 Dollar geboten.
- 2025 versuchte das Netzwerk einen weiteren US-Bürger für die Ermordung eines russischen Oppositionellen in Litauen (Victim-2) zu gewinnen; Chramenjow bot dafür 25.000 Dollar.
- Die Anklage verweist auf eine Sabotageoperation in Prag im Juni 2024 (Brandanschlag auf Busse, Täter zu acht Jahren Haft verurteilt) sowie auf einen vereitelten Brandanschlag in Šiauliai (Litauen) auf die Firma TVC Solutions, die Ausrüstung für die Ukraine produziert.
- Alle fünf Beschuldigten befinden sich weiterhin auf freiem Fuß.
Warum es wichtig ist
Der Fall weitet die Geographie mutmaßlicher russischer Geheimdienstoperationen über die Ukraine hinaus aus und benennt gezielte Tötungen sowie Sabotage in den USA, Litauen, Tschechien und weiteren europäischen Ländern. Er verbindet die Anschläge direkt mit ranghohen russischen Offizieren und dem Kreml und macht damit das Ausmaß der angeblichen russischen Auftragsmord- und Sabotagenetzwerke sichtbar. Da sich alle Beschuldigten weiterhin auf freiem Fuß befinden, bleiben Fahndung und diplomatische Folgen offen.
Was geschehen ist
Die US-Staatsanwaltschaft für den Southern District of New York hat am 16. September 2026 eine Anklageschrift gegen fünf Personen veröffentlicht. Demnach betreibt das in der Anklage als „RIS" bezeichnete Netzwerk seit mindestens 2024 die Überwachung russischer Dissidenten in den USA und Europa und bereitet Auftragsmorde sowie Sabotageakte vor. Im Sommer 2026 rekrutierte das Netzwerk eine in den USA lebende Person, um einen prominenten russischen Dissidenten in Washington auszuspähen und zu töten – dafür wurden 40.000 Dollar sowie weitere 1.000 bis 1.500 Dollar für vorbereitende Observation geboten. Im Jahr 2025 versuchte das Netzwerk einen weiteren US-Bürger für die Ermordung eines russischen Oppositionellen in Litauen zu gewinnen, wofür der 63-jährige Jurij Chramenjow 25.000 Dollar bot und alternative Sabotageaufträge (Brandanschläge auf Lager oder Stromverteiler) gegen Länder vorschlug, die die Ukraine unterstützen. Die Anklage verweist zudem auf eine Brandanschlagserie auf Busse in Prag im Juni 2024, deren Täter zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, sowie auf einen vereitelten Brandanschlag in Šiauliai auf das Werk des ukrainischen Ausrüstungsherstellers TVC Solutions.
Wo die Berichte auseinandergehen
Uneinigkeit besteht beim Datum der öffentlichen Ankündigung: Die meisten Quellen sowie Justizminister Todd Blanche nennen den 16. September, eine Quelle datiert die Bekanntgabe der Anklage auf den 15. September. Bei der Frage, von wem die Beschuldigten Befehle erhielten, spricht Justizminister Todd Blanche von der Weisung durch russische Geheimdienste, während der für nationale Sicherheit zuständige Assistant Attorney General John Eisenberg von einer Steuerung durch den Kreml sprach. In der Beschreibung der Führungsriege des Netzwerks nennen die Quellen einheitlich Jurij Chramenjow, Kirill Chramenjow und Oemis Romagosa Durruti als die drei hochrangigen Mitglieder; einzelne Darstellungen verschieben jedoch die Rollen der beiden übrigen Beschuldigten (Suárez, Castro) zwischen Rekrutierung und Angriffskoordinierung.
Hintergrund
Die Anklageschrift zeichnet die Aktivitäten des Netzwerks bis ins Jahr 2024 zurück und verknüpft sie mit früheren Vorfällen, darunter einen Brandanschlag auf Busse in Prag im Juni 2024 (Täter zu acht Jahren Haft verurteilt) sowie einen vereitelten Brandanschlag auf die Anlage von TVC Solutions im litauischen Šiauliai, einem Hersteller von Ausrüstung für die Ukraine. Die Ziele wurden in der Anklage lediglich als „Victim-1" (Dissident in Washington) und „Victim-2" (Dissident in Litauen) bezeichnet; ihre Identitäten wurden nicht öffentlich gemacht.