Selenskyj verhängt Sanktionen gegen 70 russische Raketenbauarbeiter und Finanznetzwerk A7
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 11. Oktober 2026 drei Dekrete zur Umsetzung von Beschlüssen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates unterzeichnet. Die Sanktionen richten sich gegen 70 russische Staatsbürger, die an der Produktion der Iskander-M- und Zirkon-Raketen beteiligt sind, gegen 28 Personen und 27 juristische Personen, die Russland helfen, Finanzsanktionen zu umgehen, sowie gegen 10 Personen, 21 juristische Personen und zwei Seeschiffe, die auf den vorübergehend besetzten ukrainischen Gebieten im Interesse Russlands handeln.
Das Wichtigste
- Dekrete vom 11. und auf der Präsidentenwebsite als Nr. 1035/2026, 1036/2026 und 1037/2026 veröffentlicht.
- Sanktionsliste 1: 70 russische Staatsbürger aus Betrieben wie Votkinsk-Werk, V.V. Bachirew-Institut, Radar MMS, Granit-Elektron, Anozit, Aviatek, Metafrax Chemicals, Salyut, Strila, Avangard, den Werken Swerdlow und Morosow sowie den Forschungsinstituten Poljus und Submikron.
- Sanktionsliste 2: 28 Personen und 27 juristische Personen aus dem Finanzsektor, darunter Krypto-Börsenbetreiber sowie Manager und Eigentümer des Schattenbankennetzwerks A7 (bereits von den USA sanktioniert).
- Sanktionsliste 3: 10 Personen, 21 juristische Personen und zwei Seeschiffe auf besetzten ukrainischen Gebieten, darunter Kollaborateure aus Kirgisistan, Rumänien und Belarus sowie Anbieter von Internet- und TV-Diensten.
- Berater Wladyslaw Wlasjuk erklärte, die 70 Betroffenen seien Schlüsselkräfte in der Raketen-Produktionskette — von Chemiewerken bis zu den Montagehallen in Wotkinsk.
- EU-Botschafter hatten am 7. Oktober 2026 Sanktionen gegen 743 Personen und 826 Unternehmen des russischen Militär-Industrie-Komplexes vereinbart.
- Laut Präsidialamt tötete Russland in der Vorwoche 153 Menschen und verletzte 723 in der Ukraine, mit rund 1.450 Fliegerbomben, 1.640+ Drohnen und 75 Raketen.
Warum es wichtig ist
Das Paket erweitert die ukrainischen Sanktionen von der Unternehmensebene auf einzelne Ingenieure, Technologen und Produktionsleiter entlang der Raketen-Produktionskette. Im Finanzbereich übernimmt die Ukraine die US-Maßnahmen gegen das Schattenbankennetzwerk A7 und gegen Krypto-Börsen, die Russland zur Umgehung von Sanktionen nutzt. Auf den besetzten Gebieten werden Kollaborateure und Versorgungsunternehmen (Internet, TV, Geologie, Elektronik, Metall) unter Druck gesetzt. Kiew kündigte zudem an, die Listen mit internationalen Partnern zu synchronisieren, insbesondere mit der EU, die am 7. Oktober ein eigenes Paket von 743 Personen und 826 Unternehmen gebilligt hatte.
Was geschehen ist
Am 11. Oktober 2026 unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj drei Dekrete, mit denen er Beschlüsse des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates in Kraft setzte. Die erste Liste umfasst 70 russische Staatsbürger, die an der Produktion der ballistischen Raketen Iskander-M und Zirkon beteiligt sind; darunter Mitarbeiter des Votkinsk-Werks, des V.V.-Bachirew-Instituts für Maschinenbau sowie einer Reihe von Betrieben des russischen Verteidigungs- und Chemie-Industrie-Komplexes. Diese Unternehmen standen bereits unter ukrainischen und teilweise unter Sanktionen der USA, der EU, Großbritanniens, der Schweiz, Australiens, Japans, Kanadas und Neuseelands. Die zweite Liste richtet sich gegen 28 Personen und 27 juristische Personen, die Russland helfen, Finanzsanktionen zu umgehen — darunter Krypto-Börsenbetreiber sowie Manager und Eigentümer im Schattenbankennetzwerk A7, das nach Angaben des Präsidialamts öffentlich Werkzeuge zur Umgehung von Finanzsanktionen anbietet und bereits von den USA sanktioniert wurde. Die dritte Liste erfasst 10 Personen, 21 juristische Personen und zwei Seeschiffe, die auf den vorübergehend besetzten ukrainischen Gebieten im Interesse Russlands handeln, darunter Kollaborateure — auch aus Kirgisistan, Rumänien und Belarus — und Firmen, die Internet- und TV-Dienste anbieten, geologische Erkundung betreiben sowie Elektronik und Metallprodukte herstellen. Die Dekrete wurden auf der Website des Präsidenten unter den Nummern 1035/2026, 1036/2026 und 1037/2026 veröffentlicht.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Alle zwölf herangezogenen Quellen sind ukrainisch. Sie stellen die Sanktionen als souveränen ukrainischen Akt über Präsidialdekrete und RNBO-Beschlüsse dar, mit Präsident Selenskyj als Unterzeichner und seinem Sanktionsberater Wladyslaw Wlasjuk als wichtigstem zitierten Kommentator. Die erste Sanktionsliste wird als Eskalation zur persönlichen Haftung beschrieben, die über bestehende Maßnahmen gegen Unternehmen hinausgeht. Gleichzeitig veröffentlichen die Quellen die wöchentlichen Opfer- und Waffenzahlen des Präsidialamts (153 Tote, 723 Verletzte; etwa 1.450 Bomben, über 1.640 Drohnen, 75 Raketen), um das Paket als Antwort auf die laufenden Angriffe zu rahmen. Das Finanzpaket wird als Synchronisierung mit der früheren US-Maßnahme gegen das A7-Netzwerk dargestellt. Einige Quellen heben hervor, dass die Besatzungsterrrorium-Liste nach Dekret Nr. 1037/2026 auch Bürger mehrerer Länder umfasst, darunter Kirgisistan, Rumänien und Belarus.
Hintergrund
Das aktuelle Sanktionspaket knüpft an eine Reihe ukrainischer Sanktionsrunden im Jahr 2026 an: Am 21. August verhängte Selenskyj Sanktionen gegen einen früheren ukrainischen Abgeordneten, gegen die Macher der russischen Zeichentrickserie «Mascha und der Bär» sowie gegen russische und chinesische Unternehmen, die den russischen Verteidigungs-Industrie-Komplex mit Komponenten beliefern. Am 26. September folgten Sanktionen gegen jene, die an der Durchführung russischer «Wahlen» in den besetzten Gebieten beteiligt waren. Auf EU-Ebene hatten Botschafter der Mitgliedstaaten am 7. Oktober 2026 Sanktionen gegen 743 Personen und 826 Unternehmen im Zusammenhang mit dem russischen Militär-Industrie-Komplex vereinbart — beschrieben als größte EU-Sanktionsliste. Das Paket war Ende August von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas angekündigt worden; der ursprüngliche EEAS-Vorschlag im September hatte eine Person und ein Unternehmen mehr enthalten als die endgültige Liste. Nach Angaben des Präsidialamts tötete Russland in der Woche vor dem jetzigen Sanktionsbeschluss 153 Menschen und verwundete 723 in der Ukraine, wobei rund 1.450 Fliegerbomben, über 1.640 Angriffsdrohnen und 75 Raketen verschiedener Typen einschließlich ballistischer Raketen eingesetzt wurden.