Russische Drohne trifft SBU-Zentrale in Kyjiw – Gericht lässt Verdächtige im HUR-SBU-Schusswechsel frei
Am 4. September schlug eine russische Drohne in das zentrale Gebäude des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) auf der Wolodymyrska-Straße in Kyjiw ein, gegenüber der Sophienkathedrale. Dabei wurden auch ein Gebäude des Nationalreservats „Sofia Kyivska“ und das Café „Zavertaylo“ beschädigt. Am selben Tag entschied das Pekersker Gericht, die beiden Verdächtigen im Schusswechsel zwischen Militärgeheimdienst HUR und SBU unter persönlicher Bürgschaft freizulassen.
Das Wichtigste
- Am 4. September traf eine russische Drohne das zentrale SBU-Gebäude auf der Wolodymyrska-Straße in Kyjiw gegenüber der Sophienkathedrale.
- Auch ein Gebäude des Nationalreservats „Sofia Kyivska“ und das Café „Zavertaylo“ wurden beschädigt; nach unterschiedlichen Angaben wurden 9 oder 12 Menschen verletzt, 7 davon hospitalisiert.
- Der amtierende SBU-Chef Oleksandr Poklad wurde nicht verletzt; zur Frage, ob sein Büro direkt getroffen wurde, gibt es widersprüchliche Angaben.
- Präsident Wolodymyr Selenskyj wies Poklad an, „adäquat, spürbar und wenn möglich spiegelbildlich“ auf den Angriff zu reagieren.
- Das Pekersker Gericht in Kyjiw wählte für den SBU-Mitarbeiter Nazar Verkhola und den HUR-Soldaten Serhij Iwanow Präventivmaßnahmen; beide kamen unter persönliche Bürgschaft frei.
- US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner planten ein Wochenendbesuch in Moskau und Kyjiw für Gespräche zur Beendigung des Krieges.
- Selenskyj sagte zu, den „normalen Funktionieren des russischen Luftraums“ zu sichern, damit die Unterhändler sicher anreisen können, und erwartete „Spiegelstillstand“ von Russland.
Warum es wichtig ist
Ein direkter Treffer der Zentrale des wichtigsten ukrainischen Sicherheitsdienstes in der Hauptstadt ist ein äußerst symbolischer Schlag gegen eine staatliche Sicherheitsinstitution. Der Einschlag erfolgte in unmittelbarer Nähe eines UNESCO-Weltkulturerbes und beschädigte ein Gebäude des Nationalreservats „Sofia Kyivska“ sowie ein ziviles Café. Der Angriff fällt zeitlich mit den geplanten Besuchen der US-Sondergesandten Witkoff und Kushner in Moskau und Kyjiw zusammen, was die diplomatischen Risiken jeder weiteren russischen Eskalation erhöht. Die Freilassung der beiden Verdächtigen im HUR-SBU-Schusswechsel lässt die zugrundeliegende Spannung zwischen den beiden führenden Geheimdienst- und Sicherheitsbehörden der Ukraine ungelöst, und die öffentliche Anordnung einer spiegelbildlichen Antwort durch Präsident Selenskyj signalisiert eine Verschärfung der ukrainischen Haltung gegenüber russischen Angriffen auf Kyjiw.
Was geschehen ist
Am 4. September schlug eine russische „Shahed“-Drohne in das zentrale Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) auf der Wolodymyrska-Straße in Kyjiw ein, direkt gegenüber der Sophienkathedrale und auf dem Gelände des Nationalreservats „Sofia Kyivska“. Durch den Einschlag brach ein Brand aus, der gelöscht werden konnte; laut dem Kyjiwer Bürgermeister Vitalij Klitschko wurden ein Geschossdeck und die Außenwand des Gebäudes zerstört. Nach unterschiedlichen Angaben wurden 9 oder 12 Menschen verletzt, 7 davon hospitalisiert. Auch ein Gebäude des Nationalreservats und das benachbarte Café „Zavertaylo“ wurden beschädigt. Der amtierende SBU-Chef Oleksandr Poklad blieb unverletzt; ob sein Büro direkt getroffen wurde, ist zwischen den Quellen umstritten. Poklad kündigte die Vorbereitung aktiver Gegenmaßnahmen an, und Präsident Wolodymyr Selenskyj wies ihn an, „adäquat, spürbar und, wenn möglich, spiegelbildlich“ zu reagieren. Der Radartechnik-Experte Serhij „Flash“ Beskrestnov bewertete den Angriff als gezielte russische Operation und erklärte, die Drohne sei online über ein MESH-Funkrelais in der Nähe des Ziels gesteuert worden, da zum Zeitpunkt des Einschlags keine weiteren Shaheds in der Luft gewesen seien. Am selben Tag wählte das Pekersker Gericht in Kyjiw Präventivmaßnahmen für den SBU-Mitarbeiter Nazar Verkhola und den HUR-Soldaten Serhij Iwanow, die im Zusammenhang mit dem Schusswechsel zwischen HUR und SBU in Kyjiw stehen; beide wurden unter persönlicher Bürgschaft freigelassen. Ebenfalls am 4. September kündigten NABU und SAPO eine Sonderoperation gegen eine mutmaßliche kriminelle Organisation unter Beteiligung eines Mitarbeiters der Generalstaatsanwaltschaft an, die mit Callcenter-Betrug und Geldwäsche in Verbindung stehen soll; die Generalstaatsanwaltschaft kündigte die Suspendierung des Mitarbeiters für die Dauer der Ermittlungen an. Der Anwalt Oleksij Shewtschuk, der für seine Verbindungen zu pro-russischen Akteuren bekannt ist, trat aus der Auswahlkommission für Kandidaten der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) zurück.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen deuten den Angriff als gezielte russische Operation gegen eine ukrainische Sicherheitsinstitution und nicht als routinemäßigen Drohnenangriff. Sie verweisen auf die Expertise des Radartechnikers Serhij „Flash“ Beskrestnov, dem zufolge die Shahed-Drohne online über ein lokales MESH-Funkrelais gesteuert wurde, was auf eine nahegelegene Bodenstation und eine bewusste Zielerfassung hindeutet. Die Berichterstattung hebt die symbolische und kulturelle Dimension hervor, indem sie die Schäden am Nationalreservat „Sofia Kyivska“ – einem UNESCO-Weltkulturerbe – und am Café „Zavertaylo“ in den Vordergrund stellt. Ukrainische Medien behandeln die Freilassung der beiden Verdächtigen im HUR-SBU-Schusswechsel als parallele Geschichte und warnen mit Verweis auf politische Beobachter wie Julija Sabelina, dass die zugrundeliegende Ursache der Spannungen zwischen den Behörden nicht beseitigt sei und eine weitere Eskalation möglich bleibe. Präsident Selenskyjs Anordnung einer „spiegelbildlichen“ Antwort und die Bewertung des Angriffs durch Außenminister Andrij Sybiha als ernsthafte Eskalation werden als klares Signal einer verschärften ukrainischen Haltung dargestellt. Im Kontext der geplanten Reise der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und Kyjiw wird Selenskyjs Zusicherung betont, den „normalen Funktionieren des russischen Luftraums“ für eine sichere Anreise der Unterhändler zu gewährleisten – was die Ukraine als kooperative Partei und Russland als möglichen Störenfried erscheinen lässt.
Wo die Berichte auseinandergehen
Zur Zahl der Verletzten gibt es widersprüchliche Angaben: Einige Berichte sprechen von 12 Verletzten durch den russischen Angriff auf Kyjiw, andere konkretisieren 9 Verletzte und 7 Hospitalisierte durch den Drohneneinschlag und herabfallende Trümmer. Auch zur Präzision der Zielwahl gibt es unterschiedliche Darstellungen: Poklad selbst und einige Berichte sagen, die Drohne sei direkt auf seinen Amtsraum gerichtet gewesen, während ZN.UA berichtet, sie habe das Stockwerk getroffen, auf dem er arbeite, aber nicht sein konkretes Büro.
Hintergrund
Beim HUR-SBU-Schusswechsel handelt es sich um eine gewaltsame Konfrontation in Kyjiw zwischen Angehörigen des militärischen Nachrichtendienstes (HUR) und des SBU, an der auch die HUR-Sondereinheit „Tymur“ und Vertreter des Russischen Freiwilligenkorps beteiligt waren. Das Nationalreservat „Sofia Kyivska“ ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, auf dessen Gelände sich das SBU-Gebäude befindet. Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner waren für den 5. September zu Reisen nach Moskau und Kyjiw vorgesehen, um über eine Beendigung des Krieges zu verhandeln.