Selenskyj nennt Gastgeber und Zeitfenster für mögliche trilaterale Gespräche mit den USA und Russland
Wolodymyr Selenskyj hat am 8. September erklärt, die nächste trilaterale Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine, den USA und Russland könne noch in diesem Herbst stattfinden – möglicherweise bereits im September. Als mögliche Gastgeber nannte er die VAE, die Schweiz oder die Türkei. Auf der Agenda sollen Energie, Getreide und der Austausch von Kriegsgefangenen stehen.
Das Wichtigste
- Selenskyj nennt die VAE, die Schweiz und die Türkei als mögliche Gastgeberländer für die nächsten trilateralen Gespräche.
- Ein trilaterales Treffen könnte nach Selenskyjs Worten noch im Herbst 2026 stattfinden, möglicherweise bereits im September.
- Themen sollen Energie, Getreideexporte und der Austausch von Kriegsgefangenen sein.
- Selenskyj erklärte, die Ukraine sei zu Kompromissen bei der als „schmerzhaft" bezeichneten Energiefrage bereit – diese betreffe nicht nur Kiew, sondern auch Russland, Indien, Saudi-Arabien und die VAE.
- Die USA entsandten Steve Witkoff und Jared Kushner am 5. September nach Moskau und am 6. September nach Kiew; sie sprachen von „ substanziellen Fortschritten" bei der Vorbereitung weiterer trilateraler Gespräche.
- Der Kreml bezeichnete das Treffen mit Witkoff und Kushner als „äußerst wichtig" und „nützlich", meldete jedoch keinen konkreten Durchbruch.
- Russland fordert den Abzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Donbass; Kiew lehnt Gebietsabtretungen und Truppenrückzüge kategorisch ab.
Warum es wichtig ist
Das trilaterale Format ist der wichtigste diplomatische Kanal zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Mit der öffentlichen Nennung von Gastgeberländern und eines möglichen Herbst-Fensters hat Selenskyj erstmals einen konkreten Rahmen für die nächste Verhandlungsrunde skizziert. Dass er Kompromissbereitschaft bei der Energiefrage signalisierte, zeigt, was die Ukraine auf den Tisch zu legen bereit ist – während Russlands Forderung nach einem vollständigen Rückzug aus dem Donbass und der US-Vorschlag einer freien Wirtschaftszone dort die zentralen ungelösten Streitpunkte bleiben. Die Bedingung, dass Verhandlungen konkrete Ergebnisse liefern müssen, setzt eine explizite Messlatte.
Was geschehen ist
Wolodymyr Selenskyj sagte am 8. September gegenüber Journalisten, die nächste trilaterale Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine, den USA und Russland könne in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz, der Türkei oder einem anderen Land stattfinden. Wenn alle Seiten zustimmten, sei ein Termin noch in diesem Herbst möglich – möglicherweise bereits im September. Zuvor sei für September ein Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Donald Trump geplant, nach dem die Vorbereitung der trilateralen Gespräche vorangetrieben werden solle.
Als Themen nannte Selenskyj Energie, Getreide und humanitäre Fragen, allen voran den Austausch von Kriegsgefangenen. Die Austausche müssten ausgeweitet und beschleunigt werden. Die Energiefrage bezeichnete er als „schmerzhaft" – nicht nur für Kiew, sondern auch für Russland, Indien, Saudi-Arabien und die VAE. Die Ukraine habe bereits viele Kompromisse gemacht und sei auch bei der Energiefrage zu weiteren Kompromissen bereit. Er stellte zugleich klar, dass Verhandlungen konkrete Ergebnisse liefern müssten, nicht nur Diskussionen.
Hintergrund ist eine diplomatische Offensive der USA: Die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner hatten sich am 5. September in Moskau mit Wladimir Putin getroffen und am 6. September Kiew besucht – ihre erste Reise in die Ukraine im Rahmen der Kriegsbeendigungsverhandlungen. Sie sprachen anschließend von „substanziellen Fortschritten". Der Kreml bezeichnete das Moskauer Treffen als „äußerst wichtig" und „nützlich", meldete jedoch keinen konkreten Durchbruch.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien stellen Selenskyjs Erklärungen in den Mittelpunkt und sind sich einig in der Nennung der VAE, der Schweiz und der Türkei als mögliche Gastgeber; mehrere nennen explizit einen Herbst- oder September-Termin. Die Schlagzeilen betonen die Bereitschaft Kiews zu Energie-Kompromissen als „schmerzhafte" Frage und die Erwartung, dass das Treffen konkrete Ergebnisse liefern müsse. Den humanitären Track – Ausweitung und Beschleunigung des Gefangenenaustauschs – stellen sie neben Energie und Getreide als dritte Säule der Tagesordnung heraus.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige englischsprachige Quelle aus Aserbaidschan berichtet knapper und betont die Haltung Moskaus, das auf eine Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche hofft. Die in ukrainischen Beiträgen dominierenden Punkte – namentlich die genannten Gastgeberländer, der Herbst-/September-Zeitrahmen und die Bereitschaft zu Energie-Kompromissen – fehlen in der internationalen Berichterstattung des vorliegenden Materials.
Wo die Berichte auseinandergehen
Selenskyjs Aussage zu einem möglichen Herbst- oder September-Termin ist noch nicht durch eine bestätigte Entscheidung gedeckt: Der Kreml bezeichnete das Treffen mit Witkoff und Kushner als „äußerst wichtig" und „nützlich", meldete jedoch keinen konkreten Durchbruch, und Selenskyj selbst sagte, eine Entscheidung über die Abhaltung der trilateralen Gespräche sei noch nicht getroffen.
Hintergrund
Die trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland waren nach Beginn der US-israelischen Operation gegen den Iran im Februar ausgesetzt worden. US-Präsident Donald Trump hatte die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu einer Priorität seiner im Januar 2025 angetretenen Amtszeit gemacht, doch wurde bislang keine Einigung erzielt. Russland fordert den Abzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Donbass; Kiew lehnt Gebietsabtretungen und Truppenrückzüge kategorisch ab. Die USA haben die Einrichtung einer freien Wirtschaftszone im Donbass vorgeschlagen, deren Verwaltung und Sicherheitsgarantien jedoch unklar sind. Während der Besuche der US-Gesandten einigten sich die Ukraine und Russland darauf, bis zum 7. September keine Angriffe auf die Hauptstädte des jeweils anderen Landes zu unternehmen. Nach Informationen aus dem Umfeld von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagten Witkoff und Kushner, Moskau könne nach den Wahlen zur russischen Staatsduma eine „neue Bereitschaft" zu Verhandlungen zeigen. Laut Kyiv Independent könnte Trump nach Vorlage der Ergebnisse ein Telefongespräch mit Putin führen.