US-Unterhändler Witkoff und Kushner zu Gesprächen in Moskau und Kiew – Kreml signalisiert mögliche trilaterale Verhandlungen
Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am 5. September in Moskau mit Wladimir Putin zusammen und führten am 6. September in Kiew Gespräche mit Präsident Wolodymyr Selenskyj – ihre erste Ukraine-Reise seit Beginn der Trump-Verhandlungen. Drei Gesprächsrunden, an denen in der zweiten Runde auch Sicherheitsberater aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien teilnahmen, wurden als „gehaltvoll" beschrieben. Witkoff sprach von „wesentlichen Fortschritten" bei der Planung weiterer trilateraler Verhandlungen; der Kreml schloss eine Rückkehr zum Format Ukraine–USA–Russland nicht aus, nannte Zeitpunkt und Ort jedoch verfrüht.
Das Wichtigste
- Witkoff und Kushner trafen am 5. September in Moskau mehr als drei Stunden lang Putin; am 6. September reisten sie per Zug nach Kiew – ihre erste Ukraine-Visite in dieser Funktion seit Verhandlungsbeginn im Februar 2025.
- In Kiew fanden drei Gesprächsrunden statt; an der zweiten nahmen die nationalen Sicherheitsberater Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens (Emmanuel Bonne, Günter Sautter, Jonathan Powell) teil.
- Witkoff erklärte auf X, es seien „wesentliche Fortschritte" erzielt worden, auch bei der Planung weiterer trilateraler Ukraine–USA–Russland-Gespräche.
- Kreml-Sprecher Dmitri Peskow schloss am 7. September die Wiederaufnahme des trilateralen Formats nicht aus, bezeichnete Zeitpunkt und Ort aber als verfrüht.
- Die Themen umfassten ein „Winterpaket" mit Luftverteidigung, Energiehilfe, LNG und Deeskalationsschritten sowie den Donbas als zentralen Streitpunkt; Gespräche über territoriale Fragen müssten laut Selenskyj auf Ebene der Staatschefs geführt werden.
- Berichte von ISW und Bloomberg werteten die Moskauer Gespräche als ohne substanziellen Durchbruch; Putins Berater Juri Uschakow bekräftigte Russlands Maximalforderungen und sogenannte „Grundursachen" des Krieges.
- Ukrzaliznytsia nannte den Rückzugszug der Gesandten auf der Anzeigetafel „Peace Express".
Warum es wichtig ist
Es ist das erste Mal, dass das US-Verhandlungsteam der Trump-Ära in die Ukraine reiste, nachdem Witkoff zuvor mehrfach in Moskau gewesen war. Mit der Einbeziehung der E3-Sicherheitsberater entstand ein neuer US–Ukraine–E3-Koordinationsrahmen, der die europäische Beteiligung am Verhandlungsprozess erweitert. Beide Seiten signalisieren Offenheit für eine Rückkehr zum trilateralen Ukraine–USA–Russland-Format, doch fehlen Datum, Ort und Ebene eines möglichen Gipfeltreffens. Zugleich klaffen die US-Rhetorik von „wesentlichen Fortschritten" und die Einschätzungen von ISW und Bloomberg, wonach Putin keine substanziellen Kompromisse eingeht, deutlich auseinander.
Was geschehen ist
Am 5. September 2026 reisten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und sprachen dort mehr als drei Stunden mit dem russ Präsidenten Wladimir Putin. Am nächsten Tag trafen sie per Zug in Kiew ein – es war ihre erste Ukraine-Visite in dieser Rolle seit Beginn der Verhandlungen im Februar 2025. Nach einer kurzen Führung durch die Sophienkathedrale auf dem Sophienplatz fanden drei Gesprächsrunden mit Präsident Wolodymyr Selenskyj statt; an der zweiten Runde nahmen auch die nationalen Sicherheitsberater Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens teil. Beide Seiten bezeichneten die Gespräche als „gehaltvoll". Witkoff erklärte auf X, es seien „wesentliche Fortschritte" erzielt worden, auch bei der Planung weiterer trilateraler Ukraine–USA–Russland-Gespräche. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow schloss am 7. September die Wiederaufnahme des trilateralen Formats nicht aus, nannte Zeitpunkt und Ort jedoch verfrüht. Themen waren neben möglichen Parametern für ein Kriegsende ein „Winterpaket" mit Luftverteidigung, Energiehilfe, LNG und Deeskalationsschritten sowie die Lage im Donezbecken. Selenskyj erklärte in einem Axios-Interview, die USA hätten ihn informiert, dass „die Russen bereit sind zu verhandeln", äußerte aber Skepsis angesichts der russischen Angriffe. Die Reise fiel zeitlich mit einer dreitägigen Vereinbarung zusammen, wonach beide Seiten die Hauptstädte des anderen bis zum 7. September nicht angreifen würden; am Abend des 7. September griff die russische Armee erneut Kiew und die Oblast Kiew an.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
In der ukrainischen Berichterstattung wurde der Besuch als diplomatische Inszenierung mit symbolischen Details hervorgehoben: das Treffen auf dem Sophienplatz, die kurze Führung durch die Sophienkathedrale, gegen die sich laut BBC Ukraine die russische Seite ausgesprochen hatte, sowie die Anzeige „Peace Express" auf dem Bahnsteig der Ukrzaliznytsia bei der Abreise der Gesandten. Im Zentrum standen das angekündigte „Winterpaket" mit Luftverteidigung, Energiehilfe, LNG und Deeskalationsmaßnahmen und die Selenskyj-Botschaft, „die Russen seien bereit zu verhandeln", bei gleichzeitiger Skepsis angesichts der Lage an der Front. Der neue US–Ukraine–E3-Koordinationsrahmen wurde als Erfolg europäisch-ukrainischer Abstimmung dargestellt; die E3-Berater präsentierten eine gemeinsame Forderungsliste zu Sicherheitsgarantien, territorialen Fragen, Sanktionen und Reparationen. Einige ukrainische Kommentare betonten zugleich, die US-Gesandten hätten protokollarische Punkte wie den Besuch von Einschlagstellen und das Ablegen von Blumen an der Gedenkwand auf dem Michaelsplatz ausgelassen, während sie die scherzhaften T-Shirts mit der Aufschrift „Kyiv Regime" annahmen – interpretiert als Signal einer gewissen Distanz zur menschlichen Dimension des Krieges.
Wie internationale Quellen darüber berichten
International wurde der Besuch vor allem als Schritt einer US-Shuttle-Diplomatie mit dem Ziel eingeordnet, „die Seiten einander näherzubringen" und zum trilateralen Ukraine–USA–Russland-Format zurückzukehren. Hervorgehoben wurden Russlands Maximalforderungen – Rückzug aus vier Oblasten, „Entmilitarisierung" und „Entnazifizierung", Neutralität und Nicht-NATO-Beitritt –, die Putins Berater Juri Uschakow nach dem Moskauer Treffen bekräftigte. Das Institute for the Study of War (ISW) und Bloomberg schrieben, beim Kreml-Treffen sei kein wesentlicher Durchbruch erzielt worden; Putin habe seine Kriegsziele und sogenannten „Grundursachen" bekräftigt. Die Financial Times berichtete, die Gesandten hätten aktualisierte, aber weitgehend bekannte Versionen früherer Friedensdokumente mitgebracht, und verwies auf den noch von der Ukraine kontrollierten Teil des Donbas als zentralen Streitpunkt sowie auf die Einschätzung, der Krieg werde voraussichtlich nicht vor dem Winter enden. Auf europäischer Seite begrüßte die Élysée-Präsidentschaft das neue US–Ukraine–E3-Format und verwies darauf, dass die „3+2 / Anchorage-Formel" für die Amerikaner nicht mehr relevant sei; EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezweifelte öffentlich Russlands Friedensbereitschaft; der Sprecher der Europäischen Kommission, Christian Wigand, begrüßte die diplomatischen Bemühungen, betonte jedoch Russlands anhaltende Eskalation und die Bereitschaft der EU, den Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten.
Wo die Berichte auseinandergehen
Über die Substanz der Gespräche gehen die Darstellungen auseinander: US-Gesandter Witkoff sprach von „wesentlichen Fortschritten" und der Planung weiterer trilateraler Verhandlungen, Selenskyj sagte, die Amerikaner hätten die Botschaft überbracht, „die Russen seien bereit zu verhandeln"; der Kreml hingegen bezeichnete jede Friedensbemühung lediglich als „einen kleinen Schritt in Richtung Frieden" und erklärte, noch keine detaillierten Informationen zu den Kiewer Ergebnissen zu haben. ISW- und Bloomberg-Analysen kamen zum Schluss, beim Moskauer Treffen sei kein Durchbruch erzielt worden, und Putin habe seine maximalistischen Kriegsziele bekräftigt. Zur tatsächlichen Verhandlungsbereitschaft Russlands stehen Selenskyjs optimistische Lesart und Kaja Kallas' öffentliche Skepsis, wonach Russland kein Interesse an Frieden zeige und keine Konzessionen gemacht habe, nebeneinander. Beim Status des früheren 20-Punkte-Plans und der „Anchorage-Formel" erklärte die Élysée-Präsidentschaft, diese seien für die Amerikaner nicht mehr relevant, während die russische Seite weiter „Grundursachen" und Maximalforderungen im Sinne des Anchorage-Schemas vorträgt; der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte dazu, der „Geist von Anchorage" sei, wenn es ihn je gegeben habe, „jetzt eindeutig tot".
Hintergrund
Die Verhandlungen über einen möglichen Frieden in der Ukraine laufen seit Februar 2025. Witkoff hatte nach eigenen Angaben vor dieser Reise bereits acht Mal Moskau besucht; die Kiewer Visite war der erste Besuch des US-Verhandlungsteams in der Ukraine in dieser Rolle. Zuvor hatte die US-Seite einen 28-Punkte-Plan vorgelegt, der nach ukrainischen und europäischen Änderungen zu einem 20-Punkte-Plan wurde; nach Angaben der Élysée-Präsidentschaft ist dieser Plan möglicherweise nicht mehr Grundlage des neuen Prozesses, und die „3+2 / Anchorage-Formel" gilt für die Amerikaner als nicht mehr relevant. Für den 18.–20. September waren Wahlen zur russischen Staatsduma angesetzt; US-Gesandte und eine französische Quelle äußerten, Russland könne danach eine „neue Bereitschaft" zu Verhandlungen zeigen. Die Kiewer Gespräche befassten sich auch mit einem „Winterpaket" für die Ukraine – Luftverteidigung, Energiehilfe, LNG und Deeskalationsmaßnahmen – während Kushner ein Kriegsende vor dem Winter als „nicht garantiert" bezeichnete.