Kanada verhandelt mit EU über Beteiligung am 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine
Kanada führt Gespräche mit der Europäischen Union über einen möglichen finanziellen Beitrag zum 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine. Beide Seiten wollen die Höhe des kanadischen Beitrags bis zum Kanada-EU-Gipfel Ende Oktober in Montreal festlegen. Derzeit ist das Vereinigte Königreich das einzige Nicht-EU-Land, das sich an dem Kreditprogramm beteiligt.
Das Wichtigste
- Kanada verhandelt mit der EU über einen möglichen Beitrag zum 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine.
- Die Höhe des kanadischen Beitrags soll vor dem Kanada-EU-Gipfel Ende Oktober in Montreal geklärt werden.
- Das Vereinigte Königreich ist derzeit das einzige Nicht-EU-Land, das sich am EU-Kreditprogramm beteiligt.
- Die EU hat den 90-Milliarden-Euro-Kredit am 23. April genehmigt; die Ukraine erhält 2026 und 2027 je 45 Milliarden Euro.
- Carney und Selenskyj unterzeichneten in der Vorwoche eine Erklärung über eine 100-jährige Partnerschaft; die Vereinbarungen haben laut Selenskyj ein Gesamtvolumen von über 2 Milliarden US-Dollar.
- Kanada hat der Ukraine bereits Militärhilfe von rund 6,5 Milliarden kanadischen Dollar (etwa 4,7 Milliarden US-Dollar) geleistet und weitere 270 Millionen US-Dollar für Abfangraketen zugesagt.
Warum es wichtig ist
Mit einer Beteiligung am EU-Kredit wäre Kanada nach dem Vereinigten Königreich erst der zweite Nicht-EU-Staat, der sich an dem 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine beteiligt. Der Schritt unterstreicht Premierminister Mark Carneys Bestreben, die Beziehungen zur EU zu vertiefen und die kanadische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. Die parallelen Kontakte zu EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem britischen Premierminister Andy Burnham verknüpfen die Ukraine-Frage mit einer breiteren Koordination Kanadas mit europäischen Partnern.
Was geschehen ist
Kanada führt Gespräche mit der Europäischen Union über einen möglichen finanziellen Beitrag zum 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine. Beide Seiten wollen die Höhe des kanadischen Beitrags vor dem Kanada-EU-Gipfel Ende Oktober in Montreal festlegen. Derzeit ist das Vereinigte Königreich das einzige Nicht-EU-Land, das sich an dem Kreditprogramm beteiligt. Kanadas Premierminister Mark Carney verfolgt das Ziel, die Unterstützung für Kiew auszubauen und gleichzeitig die Beziehungen Kanadas zu Europa zu vertiefen, während die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten angespannt sind. In der Vorwoche hatten Carney und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Erklärung über eine 100-jährige Partnerschaft zwischen beiden Ländern unterzeichnet.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige nicht-ukrainische Quelle (ein englischsprachiger Agenturtext aus Aserbaidschan) berichtet knapp über die Kreditgespräche und führt Carneys Motiv an, die Unterstützung für Kiew zu stärken und gleichzeitig die Bindungen an Europa auszubauen, da die Beziehungen zu den USA angespannt sind. Die internationale Rahmung ist kürzer und konzentriert sich stärker auf die geopolitische Motivation – die Diversifizierung weg von den USA und den Aufbau einer Koalition "mittlerer Mächte" oder liberaler Staaten – als auf die technische Struktur des EU-Kredits oder die Details der kanadisch-ukrainischen Partnerschaft.
Hintergrund
Die EU hatte den 90-Milliarden-Euro-Kredit am 23. April formell genehmigt, um den Bedarf der Ukraine 2026-2027 zu decken – das allerdings nur etwa zwei Drittel des ukrainischen Finanzierungsbedarfs in diesen Jahren. Pro Jahr sind 45 Milliarden Euro vorgesehen; die ersten Auszahlungen wurden für Mai-Juni erwartet. Eine erste Tranche von 3,2 Milliarden Euro wurde Ende Juni ausgezahlt, gefolgt von 3,9 Milliarden Euro für die Drohnenproduktion. Rund 30 Milliarden Euro des Kredits sind für Budgetunterstützung vorgesehen, 60 Milliarden Euro für Militärhilfe. 2026 sind 16,7 Milliarden Euro für soziale und Budgetunterstützung und 28,3 Milliarden Euro für Verteidigung vorgesehen, darunter 3,2 Milliarden Euro für die Beschaffung von Patriot-Abwehrraketen aus den USA. In der Vorwoche hatten Carney und Selenskyj eine Erklärung über eine 100-jährige kanadisch-ukrainische Partnerschaft unterzeichnet; laut Selenskyj übersteigt das Gesamtvolumen der Vereinbarungen 2 Milliarden US-Dollar, einschließlich eines RegierungsPakets von über 1 Milliarde US-Dollar für Luftverteidigung, Patriot-Raketen, F-16-Munition und gemeinsame Drohnenproduktion. Kanada hat der Ukraine bereits etwa 6,5 Milliarden kanadische Dollar (rund 4,7 Milliarden US-Dollar) an Militärhilfe bereitgestellt; Carney sagte weitere 270 Millionen US-Dollar für Abfangraketen zu. Die kanadisch-amerikanischen Handelsgespräche sind im vergangenen Monat festgefahren, und Ottawa sucht in diesem Streit die Unterstützung der EU; die EU ist gegenüber dem von Kanada vorgeschlagenen Format einer "assoziierten Mitgliedschaft" zurückhaltend und will die Beziehungen zu Ottawa nicht mit ihren Modellen für Norwegen oder die Schweiz gleichsetzen.