Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Ukraine griff Moskauer Ölraffinerie während der Staatsduma-Wahl an – Russland unterdrückte Warnungen an die Bevölkerung

Ukrainische Streitkräfte führten am 20. September einen großangelegten Drohnen- und Raketenangriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet durch und trafen dabei die Gazpromneft-Moskauer Raffinerie. Russische Behörden lösten nach Angaben des ISW keine Luftalarmsirenen aus und schränkten die Mobilkommunikation ein – offenbar, um die Wahlbeteiligung bei der Staatsduma-Wahl nicht zu gefährden.

Das Wichtigste

  • Am 20. September führten ukrainische Streitkräfte einen großangelegten Drohnen- und Raketenangriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet durch.
  • Die Gazpromneft-Moskauer Raffinerie (Moskauer NPZ) im Stadtteil Kapotnja wurde getroffen und geriet nach OSINT-Analysen in Brand.
  • Der Generalstab der Ukraine meldete Treffer auf die AVT-6-Primärverarbeitungsanlage, eine komplexe Verarbeitungsanlage und eine Isomerisierungsanlage.
  • Das ukrainische Verteidigungsunternehmen Fire Point gab an, FP-1-Drohnen eingesetzt zu haben; Aufnahmen von FP-5-Flamingo-Marschflugkörpern wurden auf Telegram veröffentlicht.
  • Im Moskauer Gebiet wurden keine Luftalarmsirenen aktiviert und keine SMS-Warnungen an die Bevölkerung versandt.
  • Der ISW wertete dies als Priorisierung einer hohen Wahlbeteiligung bei der Staatsduma-Wahl gegenüber der öffentlichen Sicherheit.
  • Moskaus Bürgermeister Sobyanin behauptete, der „größte je dagewesene“ Drohnenangriff sei abgewehrt und über 1.600 Drohnen zerstört worden.
  • Die Moskauer Raffinerie verarbeitet rund 12 Millionen Tonnen Öl pro Jahr zu Benzin, Diesel, Flugkraftstoff und anderen Erdölprodukten.

Warum es wichtig ist

Der Angriff auf eine der größten Ölraffinerien Russlands mitten in Moskau zeigt, dass ukrainische Langstreckenangriffe strategische Energieinfrastruktur tief im Landesinneren erreichen können. Die Analyse des ISW, Russland habe Warnungen unterdrückt, um die Fassade eines normalen Wahlbetriebs bei der Staatsduma-Wahl aufrechtzuerhalten, wirft Fragen zur Zivilverteidigungspolitik und zur Prioritätensetzung auf. Der Vorgang offenbart zudem Kritik selbst aus dem pro-kremlnahen Lager, wo „Kriegskorrespondenten" die offizielle Reaktion und den Mobilfunk-Blackout beanstandeten.

Was geschehen ist

In der Nacht des 20. September führten ukrainische Streitkräfte einen großangelegten Drohnen- und Raketenangriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet durch. Dabei wurde die Gazpromneft-Moskauer Raffinerie (Moskauer NPZ) im Stadtteil Kapotnja getroffen. Nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte wurden die AVT-6-Primärverarbeitungsanlage, eine komplexe Verarbeitungsanlage und eine Isomerisierungsanlage getroffen. Das ukrainische Verteidigungsunternehmen Fire Point erklärte, die Anlage sei mit FP-1-Drohnen angegriffen worden; auf Telegram wurden Aufnahmen von Starts der FP-5-Flamingo-Marschflugkörper veröffentlicht. OSINT-Analysen von Astra zeigten, dass die Raffinerie in Brand geriet. Moskaus Bürgermeister Sobyanin erklärte dagegen, der „größte je dagewesene" Drohnenangriff sei abgewehrt und über 1.600 Drohnen zerstört worden, von denen sich 450 im Anflug auf die Hauptstadt befunden hätten. Während des Angriffs lösten die russischen Behörden im Moskauer Gebiet keine Luftalarmsirenen aus und versandten keine SMS-Warnungen an die Bevölkerung; gleichzeitig wurde die Mobilkommunikation eingeschränkt.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Beide ukrainischsprachigen Quellen stellen den Vorgang im Rahmen der ISW-Deutung dar, wonach die russischen Behörden Warnungen bewusst unterdrückten, um die Wahlbeteiligung bei der in Anführungszeichen gesetzten „Wahl" zur Staatsduma nicht zu gefährden – ein politisch motiviertes Verhalten zulasten der öffentlichen Sicherheit. Zugleich wird der militärische Erfolg der Ukraine hervorgehoben: die Bestätigung des Generalstabs zu Treffern auf konkrete Verarbeitungseinheiten der Moskauer Raffinerie sowie die Identifizierung der FP-1-Drohnen und FP-5-Flamingo-Marschflugkörper als eingesetzte Waffen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Bürgermeister Sobyanin erklärte, der Angriff sei vollständig abgewehrt und mehr als 1.600 Drohnen zerstört worden. OSINT-Analysen von Astra sowie Meldungen des ukrainischen Generalstabs weisen dagegen darauf hin, dass Drohnen die Moskauer Raffinerie erreichten und in Brand setzten.

Hintergrund

Die Gazpromneft-Moskauer NPZ zählt zu den größten Ölraffinerien Russlands mit einer Kapazität von rund 12 Millionen Tonnen Öl pro Jahr; sie produziert Benzin, Diesel, Flugkraftstoff, Heizöl und weitere Erdölerzeugnisse. Der 20. September 2025 war der Wahltag zur russischen Staatsduma. Das ukrainische Unternehmen Fire Point erklärte, für den Angriff FP-1-Drohnen geliefert zu haben; Aufnahmen von Starts der FP-5-Flamingo-Marschflugkörper in derselben Nacht wurden über Telegram verbreitet.