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Ukrainischer Drohnenangriff legt Moskauer Ölraffinerie lahm

In der Nacht zum 20. September haben ukrainische Streitkräfte mit einem großangelegten Drohnen- und Raketenangriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet die Gazpromneft-Raffinerie (Moskowski NPZ) im Stadtteil Kapotnja getroffen. Beide primären Rohöl-Destillationsanlagen fingen Feuer, die Raffinerie stellte die Rohölverarbeitung vollständig ein. Laut Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sind durch die kumulierten ukrainischen Angriffe inzwischen mehr als 45 Prozent der projektierten russischen Raffineriekapazität außer Betrieb. Der Angriff fiel auf den Tag der Duma-Wahlen; Moskaus Behörden lösten nach ISW-Einschätzung keine Luftalarmsirenen aus und warnten die Bevölkerung nicht per SMS.

Das Wichtigste

  • In der Nacht zum 20. September traf die ukrainische Armee die Gazpromneft-Moskowski-NPZ-Raffinerie im Moskauer Stadtteil Kapotnja mit Drohnen.
  • Die Anlagen AVT-6 und die Kombi-Anlage "Euro+" sowie eine Isomerisierungsanlage wurden getroffen; beide primären Destillationsanlagen fingen Feuer.
  • Die Raffinerie stellte die Rohölverarbeitung vollständig ein; seit dem 21. September wird kein von ihr produziertes Benzin mehr an der St. Petersburger Warenbörse gehandelt.
  • Laut Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sind mehr als 45 Prozent der projektierten russischen Raffineriekapazität außer Betrieb.
  • Bürgermeister Sobyanin sprach vom "größten" Drohnenangriff auf Moskau und erklärte, über 1.600 Drohnen seien abgeschossen worden; das russische Verteidigungsministerium nannte 1.900 abgefangene Zieldrohnen.
  • In der Region Moskau wurden am Wahltag zur Staatsduma keine Sirenen ausgelöst und keine SMS-Warnungen verschickt, obwohl der Mobilfunk eingeschränkt wurde.
  • Präsident Selenskyj bestätigte den Angriff und kündigte ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York an.

Warum es wichtig ist

Die Moskauer Raffinerie gehört mit einer Kapazität von rund elf bis zwölf Millionen Tonnen Öl pro Jahr zu den größten Russlands und versorgt einen erheblichen Teil des Moskauer Kraftstoffmarkts. Ihre Stilllegung wirkt sich unmittelbar auf die Kraftstoffversorgung im Großraum Moskau aus und verstärkt nach Darstellung des ukrainischen Generalstabs einen ohnehin bestehenden Mangel an Benzin und Diesel der Norm Euro-5/K5 in Russland. Dass der Angriff auf den Tag der Staatsduma-Wahlen fiel und die Behörden entgegen ihrer üblichen Praxis weder Luftalarmsirenen noch SMS-Warnungen auslösten, lässt nach Einschätzung des ISW auf eine bewusste Priorisierung der Wahlbeteiligung gegenüber der Sicherheit der Bevölkerung schließen. Präsident Selenskyj verband die Operation zudem mit der parallel laufenden Diplomatie um ein Treffen mit US-Präsident Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 20. September führten ukrainische Streitkräfte einen kombinierten Drohnen- und Raketenangriff auf Moskau und das Moskauer Gebiet durch. Dabei wurde die Raffinerie "Gazpromneft-Moskowski NPZ" im Stadtteil Kapotnja getroffen. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs und von Reuters wurden die Primärverarbeitungsanlage AVT-6, die Kombi-Anlage "Euro+" und eine Isomerisierungsanlage beschädigt. Reuters berief sich auf drei Branchenquellen, denen zufolge beide primären Destillationsanlagen nach dem Einschlag von Drohnen Feuer fingen und die Anlage die Rohölverarbeitung vollständig einstellte. Treibstoff der Raffinerie wird seit dem 21. September nicht mehr an der St. Petersburger Internationalen Warenbörse gehandelt; die Reparaturen könnten laut Reuters-Quellen mehrere Wochen dauern. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien über 1.900 Drohnen und andere Flugkörper abgefangen worden. Bürgermeister Sergei Sobjanin sprach von einer abgewehrten "größten" Drohnenattacke auf Moskau mit angeblich mehr als 1.600 zerstörten Drohnen, von denen 450 im Anflug auf die Stadt gewesen seien. Nach offiziellen russischen Angaben starben in der Region Moskau mindestens zwei Menschen, mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff und kündigte ein geplantes Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung in New York an.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt den Angriff als strategischen Erfolg dar: Im Mittelpunkt stehen die getroffenen Anlagen AVT-6, "Euro+" und die Isomerisierungsanlage, der vollständige Stillstand der Verarbeitung und die Generalstabsmeldung, wonach ukrainische Schläge insgesamt über 45 Prozent der projektierten russischen Raffineriekapazität außer Betrieb gesetzt hätten. Verwiesen wird auf Engpässe bei Benzin und Diesel der Norm Euro-5/K5 in Russland. Ukrainische Medien heben zudem die Bestätigung durch Präsident Selenskyj hervor, der den Angriff mit der Forderung verband, Moskau müsse den Krieg beenden, und das bevorstehende Treffen mit US-Präsident Trump in New York einordnete. Russlands Verzicht auf Sirenen und SMS-Warnungen am Wahltag wird als Beleg für die ISW-Einschätzung aufgegriffen, die Behörden hätten die Wahlbeteiligung über die Sicherheit der Bevölkerung gestellt; gleichzeitig wird betont, dass die ukrainischen Streitkräfte strategische Öl- und Logistikinfrastruktur und nicht Wahllokale angegriffen hätten.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Internationale Berichterstattung, vermittelt vor allem über Reuters und einzelne deutsche Medien, rahmt den Angriff überwiegend operativ: Sie nennt den vollständigen Stillstand der Raffinerie, den Brand an beiden Primär­destillationsanlagen, die mehrwöchige Reparaturdauer und das Fehlen von Moskauer Raffineriebenzin an der St. Petersburger Börse. Russische Eigenaussagen zu abgefangenen Drohnen (1.600+ laut Sobyanin, 1.900+ laut Verteidigungsministerium) werden als solche wiedergegeben, ohne sie zu verifizieren. Die Sobyanin-Behauptung einer "abgewehrten größten" Attacke bleibt als Zitat stehen. Internationale Stücke verorten den Angriff im Kontext des Tags der Staatsduma-Wahlen und übernehmen die russischen Angaben zu mindestens zwei Toten und Gebäudeschäden, während die ISW-Einschätzung, die Ukraine habe keine Wahlinfrastruktur angegriffen, als analytische Einordnung mitgeführt wird.

Hintergrund

Die Raffinerie "Gazpromneft-Moskowski NPZ" verfügt über zwei Primärverarbeitungsanlagen: AVT-6 mit 21.400 Tonnen pro Tag (53 Prozent der Kapazität) und die Kombi-Anlage "Euro+" mit 18.800 Tonnen pro Tag (47 Prozent). Im Jahr 2024 verarbeitete sie 11,6 Millionen Tonnen Rohöl (etwa 230.000 Barrel pro Tag) und produzierte 2,9 Millionen Tonnen Benzin, 3,2 Millionen Tonnen Diesel sowie 1,3 Millionen Tonnen Bitumen. OSINT-Analysten zählten seit Jahresbeginn 91 Angriffe auf verschiedene russische Raffinerien; der Schlag vom 20. September war demnach der siebte im laufenden Monat. Laut Exit Polls führte die Partei "Einiges Russland" von Präsident Wladimir Putin die Duma-Wahl mit rund 49,4 Prozent an.