Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Selenskyj kündigt verstärkte Angriffe auf russische Ölraffinerien an und stellt FP-9-Rakete in Aussicht

In einem Interview mit Reuters erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine werde ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien als Reaktion auf die neue russische Luftangriffskampagne gegen ukrainische Städte und Infrastruktur verstärken. Zugleich kündigte er an, die ballistische Eigenproduktionsrakete FP-9 mit Reichweite bis Moskau solle noch in diesem Herbst einsatzbereit sein. Selenskyj warf Moskau eine „neue Doktrin“ vor, die Angriffe auf ein breiteres Spektrum ziviler Ziele vor dem Winter erlaube, und warnte vor einer Ausweitung der russischen Angriffe auf vier ukrainische Großstädte.

Das Wichtigste

  • Selenskyj kündigte in einem Reuters-Interview an, die Ukraine werde ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien verstärken.
  • Nach Angaben des Präsidenten hat der ukrainische Geheimdienst Dokumente über eine „neue Doktrin“ Putins erhalten, die Angriffe auf ein breiteres Spektrum ziviler Ziele vor dem Winter erlaubt.
  • Die Ukraine hat diese Woche erstmals die eigene ballistische Rakete FP-7 (Reichweite ca. 250 km) im Kampf eingesetzt; die längere FP-9 soll laut Hersteller Fire Point noch in diesem Herbst fertig werden und Moskau erreichen können.
  • In der vergangenen Woche griffen russische Streitkräfte Kiew regelmäßig mit Drohnen und Raketen an, darunter Energie-, Telekommunikations-, Straßen- und Eisenbahninfrastruktur; erstmals wurden Brücken über den Dnipro in Kiew getroffen.
  • Ukrainische F-16- und MiG-Jets fangen nach Selenskyjs Angaben derzeit rund 60 % der neuen, strahlgetriebenen „Schahed“-Drohnen ab; die 20-mm-Munitionsvorräte sind jedoch knapp.
  • Selenskyj zeigte sich bereit, Putin am G20-Gipfel im Dezember in Miami zu treffen, und rief die USA zugleich auf, eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau nicht überhasten.
  • Die ukrainische Operation „Vivaldi“ hat nach Angaben Selenskyjs rund 140 Quadratkilometer Gebiet im östlichen Donbas zurückgewonnen.

Warum es wichtig ist

Die Ankündigung markiert eine mögliche Eskalationsstufe bei weitreichenden ukrainischen Angriffen auf russisches Territorium, einschließlich Energieinfrastruktur, die Moskaus Kriegsführung finanziert. Zugleich zeichnet Selenskyj das Bild eines Winters mit intensivierten russischen Angriffen auf ukrainische Energie-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur, vor allem in vier Großstädten, und macht die Dringlichkeit deutlich, die Luftverteidigung und die Produktion von Abfangdrohnen hochzufahren. Schließlich zeigt seine Doppelbotschaft – Gesprächsbereitschaft am G20-Gipfel bei gleichzeitiger Warnung vor übereilter Normalisierung – die Spannung zwischen ukrainischer Diplomatie und der Sorge vor Konzessionen an Moskau.

Was geschehen ist

In einem Reuters-Interview erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine werde als Reaktion auf die russische Luftangriffskampagne gegen ukrainische Städte ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien verstärken, gleichzeitig aber – anders als Russland – keine zivilen Objekte willkürlich angreifen. Nach seinen Angaben hat der ukrainische Geheimdienst Dokumente über eine „neue Doktrin“ Putins erhalten, die Angriffe auf ein breiteres Spektrum ziviler Ziele – Infrastruktur, Logistik, Straßen, Schulen und Krankenhäuser – vor dem Winter erlaubt; das Ziel sei, Menschen zur Flucht aus Kiew und anderen Städten zu zwingen. Selenskyj begründete die Änderung der russischen Taktik mit Putins Wunsch, Stärke zu zeigen, während russische Truppen im Donbas Positionen verlören und hohe Verluste erlitten. In der vergangenen Woche habe Russland Kiew regelmäßig mit Drohnen und Raketen angegriffen, wobei erstmals Brücken über den Dnipro getroffen wurden. Zugleich stellte Selenskyj den ukrainischen Gegenschlag vor: Die Ukraine habe diese Woche erstmals die eigene ballistische Rakete FP-7 mit etwa 250 km Reichweite eingesetzt; die längere FP-9 solle noch in diesem Herbst fertig werden und nach Angaben des Herstellers Fire Point Moskau erreichen können. Ukrainische F-16- und MiG-Jets schössen derzeit etwa 60 % der neuen strahlgetriebenen „Schahed“-Drohnen ab, allerdings seien die 20-mm-Munitionsvorräte knapp. Die ukrainische Gegenoffensive „Vivaldi“ habe etwa 140 Quadratkilometer im östlichen Donbas zurückgewonnen, und ukrainische Streitkräfte hätten Ölanlagen in den russischen Regionen Samara und Wolgograd getroffen. Selenskyj erklärte sich bereit, Putin am G20-Gipfel im Dezember in Miami zu treffen, forderte Washington aber zugleich auf, eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau nicht zu überstürzen, solange kein Frieden erreicht sei.

Hintergrund

Die Ukraine hat in dieser Woche erstmals ihre ballistische Eigenproduktionsrakete FP-7 mit etwa 250 km Reichweite im Kampf eingesetzt; die längere FP-9, die nach Angaben des Herstellers Fire Point bis nach Moskau reichen kann, soll noch in diesem Herbst einsatzbereit sein. Das russische Außenministerium erklärte, Moskau werde seine systematischen Angriffe auf Kiew als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf Russland fortsetzen; der Kreml äußerte sich gegenüber Reuters nicht zu Selenskyjs Aussagen. Die Trump-Administration hat Putin nach ukrainischen Angaben zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen und mit russischen Vertretern über Geschäftsabsprachen gesprochen. Die Ukraine hat sich nach Verhandlungen mit europäischen Partnern die Finanzierung von Drohnenbeschaffungen bis Anfang 2027 gesichert und arbeitet mit Partnern an einem Plan zur Deckung eines Verteidigungsbudgetdefizits von 27 Milliarden US-Dollar.