Selenskyj nennt Putin „Patient Zero“ des Krieges und kündigt auf der UN-Vollversammlung Anti-Raketen-Programm an
Bei seinem Auftritt vor der 81. UN-Generalversammlung in New York am 23. September hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Patient Zero“ bezeichnet, von dem die Idee des Krieges weltweit ausgehe. Er kündigte die Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener an Südkorea an, legte dar, dass Russland Bürger aus 47 Staaten in seinem Krieg einsetze, und präsentierte das neue Anti-Raketen-Programm FREYJA mit zehn Partnerländern.
Das Wichtigste
- Wolodymyr Selenskyj sprach am 23. September auf der 81. UN-Generalversammlung in New York.
- Er bezeichnete Wladimir Putin als „Patient Zero“, von dem die Idee des Krieges weltweit ausgehe, und sagte, Russland verfüge bereits über 17 Millionen Quadratkilometer eigenes Territorium.
- Selenskyj bezifferte die russischen Verluste von Januar bis August auf 248.964 getötete und schwer verwundete Soldaten – bei nur etwas mehr als 1.000 Quadratkilometer eroberter ukrainischer Fläche, von der ein Großteil bereits zurückerobert worden sei.
- Die Ukraine hat nach Angaben Selenskyjs zwei nordkoreanische Kriegsgefangene an Südkorea übergeben; einer der beiden habe bei der Gefangennahme einen Suizidversuch unternommen.
- Selenskyj erklärte, Russland setze in seinem Krieg gegen die Ukraine Bürger aus 47 Ländern ein, darunter Ghana, Nepal, Tadschikistan, Indien, Jemen, Kenia, Simbabwe, Kuba, Belarus, Sudan und Südafrika.
- Er kündigte das Anti-Raketen-Programm FREYJA an, dem bereits zehn Länder beigetreten sind: Ukraine, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und die Niederlande.
- Selenskyj warnte, der kommende Winter werde für Russland „schmerzhaft“ werden, sollte Moskau die Angriffe auf die ukrainische Energie- und Wärmeinfrastruktur fortsetzen, und forderte Schritte zur Deeskalation vor dem Winter.
Warum es wichtig ist
Selenskyj nutzte die Weltbühne der UN-Generalversammlung, um den Konflikt über den bilateralen Rahmen hinaus als globale Bedrohung zu rahmen – mit Putin als „Patient Zero“ des Krieges. Er präsentierte konkrete Zahlen zu russischen Verlusten und Geländegewinnen, um die militärische Bilanz Russlands zu entkräften, kündigte eine diplomatische Initiative – die Übergabe nordkoreanischer Kriegsgefangener an Südkorea – an und warnte vor einer möglichen Eskalation im Energiesektor in den Wintermonaten. Mit dem Programm FREYJA stellte er zudem ein multilaterales Luftverteundungsprojekt vor, an dem zehn Staaten beteiligt sind.
Was geschehen ist
Am 23. September 2026 sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der 81. UN-Generalversammlung in New York. In seiner Rede bezeichnete er Wladimir Putin als „Patient Zero“, von dem die Idee des Krieges weltweit ausgehe, und erklärte, Russland habe bereits 17 Millionen Quadratkilometer eigenes Territorium, was Putin dennoch nicht genüge. Selenskyj bezifferte die russischen Verluste von Januar bis August auf 248.964 getötete und schwer verwundete Soldaten, während Russland im selben Zeitraum nur etwas mehr als 1.000 Quadratkilometer ukrainisches Territorium erobert habe – ein Großteil davon bereits wieder befreit. Pro zusätzlichem Kilometer habe Russland 248 Soldatenleben verloren.
Selenskyj kündigte an, die Ukraine habe zwei nordkoreanische Kriegsgefangene, die im Januar 2025 in der Region Kursk gefangen genommen worden seien, an Südkorea übergeben. Einer der beiden habe bei der Gefangennahme einen Suizidversuch unternommen. Zudem erklärte Selenskyj, Russland setze in seinem Krieg gegen die Ukraine Bürger aus 47 Ländern ein, darunter Ghana, Nepal, Tadschikistan, Indien, Jemen, Kenia, Simbabwe, Kuba, Belarus, Sudan und Südafrika. Kim Jong-un nutze seine Soldaten als „Währung“ im Austausch gegen Militärtechnologie aus Russland.
Selenskyj stellte das neue Anti-Raketen-Programm FREYJA vor, dem bereits zehn Länder beigetreten sind: Ukraine, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und die Niederlande. Polen sei in der Vorwoche zur Teilnahme eingeladen worden. Er warnte, der kommende Winter werde „schmerzhaft“ für Russland werden, falls Moskau die Angriffe auf die ukrainische Energie- und Wärmeinfrastruktur fortsetze, und bezeichnete es als historische Wendung, dass sich „General Winter“ gegen Russland wenden könne. Ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen zielten nach seinen Worten auf Russlands Fähigkeit, den Krieg zu finanzieren – nicht auf Treibstoff, Fabriken oder Häfen selbst.
Nach Selenskyjs Angaben hat Russland seit Jahresbeginn mehr als 2.100 Raketen verschiedener Typen – darunter über 950 ballistische Raketen – sowie 63.000 Angriffsdrohnen, darunter mehr als 7.700 reaktive „Schaheds“, eingesetzt. Er warnte zudem, dass bereits im nächsten Jahr künstliche Intelligenz beginnen könnte, Entscheidungen auf dem Schlachtfeld zu treffen, und rief dazu auf, den Krieg noch davor zu beenden.
Am Vortag (22. September) hatte Selenskyj am Rande der UN-Generalversammlung ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump, bei dem es um Schritte zur Beendigung des Krieges, die Lizenzierung der Produktion von Patriot-Raketen und ein ukrainisches Unterstützungspaket für den Winter ging. Trump hatte zu Beginn des Treffens gesagt, er glaube, Putin sei bereit zu einem Treffen auf höchster Ebene und „wolle, dass der Krieg endet“. Am 23. September erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow, Putin sei angeblich zu einem Treffen mit Trump und Selenskyj bereit, jedoch nur zu seinen eigenen Bedingungen. US-Außenminister Marco Rubio traf am selben Tag am Rande der UN-Generalversammlung den russischen Außenminister Sergej Lawrow und erklärte anschließend, Russland und die Ukraine seien an einer vorübergehenden Aussetzung gegenseitiger Angriffe auf Energieinfrastruktur und Objekte im Zusammenhang mit Agrarexporten interessiert. Lawrow sagte am selben Tag vor dem UN-Sicherheitsrat, Russland werde seine sogenannte „militärische Sonderoperation“ für Verhandlungen „in keinem Format“ unterbrechen. Über 50 Staaten und die EU veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie Russland zu einer vollständigen, sofortigen und bedingungslosen Waffenruhe aufriefen; die USA schlossen sich dieser Erklärung nicht an.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Medien stellen Selenskyjs „Patient-Zero“-Rahmen für Putin in den Mittelpunkt und verstehen die Rede als moralische Anklage Russlands als Quelle globaler Instabilität. Die Berichte listen ausführlich die russischen Verluste von Januar bis August 2025 (248.964 getötete und schwer verwundete Soldaten) sowie das Verhältnis von 248 Menschenleben pro erobertem Kilometer auf und kontrastieren diese Zahlen mit den geringen Geländegewinnen Russlands. Breiten Raum nehmen die Übergabe der beiden nordkoreanischen Kriegsgefangenen an Südkorea, der Suizidversuch eines der Gefangenen und die Aussage ein, Kim Jong-un nutze seine Soldaten als „Währung“. Hervorgehoben wird zudem der Einsatz von Bürgern aus 47 Staaten durch Russland, namentlich aus Ghana, Nepal, Tadschikistan, Indien, Jemen, Kenia, Simbabwe, Kuba, Belarus, Sudan und Südafrika. Die ukrainische Berichterstattung unterstreicht Selenskyjs Warnung, der Winter werde für Russland „schmerzhaft“, und stellt das FREYJA-Programm mit zehn Partnerländern als multilaterale Verteidigungsinitiative dar. Auch die Warnung vor KI-gestützter Kriegführung und die Betonung, die Ukraine verteidige sich lediglich, finden starke Beachtung.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die deutsche Zeitung Der Spiegel fokussiert auf der UN-Generalversammlung-Debatte und hebt Selenskyjs Bezeichnung Putins als „Patient Zero“ des Krieges hervor, übernimmt damit im Kern die ukrainische Rahmung, stellt sie jedoch in den Kontext der diplomatischen Bühne in New York. Die französische Zeitung Le Monde rahmt Selenskyjs Rede um die Rechtfertigung der ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium – „um nicht zu sterben“ – und stellt die Frage der Eskalation in den Vordergrund. Die in Hongkong ansässige South China Morning Post rückt den Aspekt einer möglichen Energie-Waffenruhe in den Mittelpunkt und betont Selenskyjs Warnung vor einem schmerzhaften Winter für Russland, sollten die Gespräche über Energieangriffe scheitern. Internationale Berichte widmen der Übergabe der nordkoreanischen Kriegsgefangenen und dem FREYJA-Programm vergleichsweise wenig Platz und behandeln sie als zweitrangige Elemente einer umfassenderen diplomatischen Ansprache. Hervorgehoben werden zudem das Treffen Selenskyjs mit Trump am Rande der UN-Generalversammlung und die Gespräche zwischen Rubio und Lawrow als zentrale diplomatische Bewegung in Richtung einer möglichen Energie-Waffenruhe, kontrastiert mit Lawrows Aussage, Russland werde seine „militärische Sonderoperation“ nicht unterbrechen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die von Selenskyj genannten russischen Verlustzahlen von 248.964 Getöteten und schwer Verwundeten werden in mehreren ukrainischen Quellen einmal auf den Zeitraum Januar bis August 2025 und in anderen Beiträgen auf den Zeitraum „seit Beginn des Jahres 2026“ datiert – bei identischer Gesamtzahl. Bei der ukrainischen Quellen Бабель findet sich zudem eine offensichtliche Einheitenverwechslung: Von „etwas mehr als 1.000 Quadratmetern“ eroberter Fläche ist die Rede, während alle übrigen Quellen konsistent „etwas mehr als 1.000 Quadratkilometer“ angeben.
Hintergrund
Die hochrangige Woche der 81. UN-Generalversammlung brachte Staats- und Regierungschefs in New York zusammen und bildete den Rahmen für ein Treffen Selenskyjs mit Putin am Rande der Versammlung. Am 22. September, dem Tag vor Selenskyjs Rede, hatte Selenskyj ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump; Trump erklärte gegenüber Journalisten, Putin sei zu einem Treffen auf höchster Ebene bereit und „wolle, dass der Krieg endet“. Am selben Tag wie die Rede veröffentlichten über 50 Staaten und die EU eine gemeinsame Erklärung, in der sie Russland zu einer vollständigen, sofortigen und bedingungslosen Waffenruhe aufforderten; die USA schlossen sich dieser Erklärung nicht an. Am 23. September traf US-Außenminister Marco Rubio am Rande der UN-Generalversammlung den russischen Außenminister Sergej Lawrow; Rubio erklärte anschließend, Russland und die Ukraine seien an einer vorübergehenden Aussetzung gegenseitiger Angriffe auf Energieinfrastruktur und Objekte im Zusammenhang mit Agrarexporten interessiert. Lawrow erklärte am selben Tag vor dem UN-Sicherheitsrat, Russland werde seine „militärische Sonderoperation“ für Verhandlungen „in keinem Format“ unterbrechen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am 23. September, Putin sei angeblich bereit, Trump und Selenskyj zu treffen, jedoch nur zu seinen eigenen Bedingungen. Frühere Angaben der ukrainischen Militäraufklärung hatten die russischen Verluste für 2025 in den Hunderttausenden verortet und geschätzt, Russland habe über 28.000 ausländische Bürger rekrutiert. Die Ukraine hatte zuvor Angriffe auf russische Öl- und Energieanlagen durchgeführt, die Selenskyj als Angriffe auf Russlands Fähigkeit, den Krieg zu finanzieren, rahmt. Anfang September hatten sich 128 Staaten in Genf auf ein nicht rechtsverbindliches Dokument zu autonomen Waffen geeinigt; die USA und Russland hatten sich gegen strengere Normen ausgesprochen – ein Kontext für Selenskyjs KI-Warnung.