Veröffentlicht am · Aktualisiert:

Russland greift Kiew und Oblast mit Drohnenschwarm an – zwei Tote, Dutzende Verletzte

In der Nacht zum 23. September hat Russland die Hauptstadt Kiew und die Oblast Kiew mit einer massiven Drohnenattacke überzogen. Nach ukrainischen Angaben wurden mindestens zwei Menschen getötet und 43 verletzt. Die Einschläge trafen mehrere Stadtteile, darunter zwei Tankstellen, das Pharmaunternehmen Darnytsia, das Kongresszentrum Parkowyj sowie Bahninfrastruktur. Die ukrainische Luftabwehr schoss nach eigenen Angaben 119 der 161 Drohnen ab.

Das Wichtigste

  • In der Nacht zum 23. September startete Russland laut Luftwaffe 161 Drohnen Richtung Ukraine; 119 davon sowie drei sogenannte „Banderole"-Zielkörper wurden abgefangen.
  • In Kiew schlugen Drohnen in den Stadtteilen Holosiivskyj, Darnyzkyj und Solomjanskyj ein; die bilanzierten Schäden umfassen zwei Tankstellen (Ukrnafta und UPG), den Pharmakonzern Darnytsia, ein vierstöckiges Geschäftszentrum, das Kongresszentrum Parkowyj, Lagerhallen und Bahninfrastruktur.
  • Bürgermeister Vitalij Klitschko bezifferte die Zahl der Toten auf zwei und der Verletzten zuletzt auf 43; die Kiewer Stadtanwaltschaft meldete bis 15:30 Uhr 36 Verletzte mit Aufteilung nach Stadtteilen (Solomjanskyj 20, Holosiivskyj 7, Darnyzkyj 5, Swjatoschynskyj 4).
  • In der Oblast Kiew wurden nach Angaben von OVA-Chef Timur Tkatschenko in den vier Bezirken Butscha, Obuchiw, Fastiw und Wyschhorod 18 zivile Infrastrukturobjekte beschädigt; drei Männer erlitten Splitterverletzungen.
  • Das Pharmaunternehmen Darnytsia bestätigte den Treffer; nach Darstellung des Aufsichtsratsmitglieds Kateryna Sahorij kamen keine Mitarbeiter ums Leben; die genaue Schadenshöhe wurde noch ermittelt.
  • Beschädigte Rechenzentren der Internetanbieter Utels und Pawutyna führten nach Angaben des Ministeriums für digitale Transformation zu Ausfällen bei rund 100 000 Haushalten in Kiew und der Oblast.
  • Die Kiewer Stadtanwaltschaft stufte die Angriffe als Kriegsverbrechen nach Artikel 438 Absätze 1 und 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs ein.
  • Der Kyiver Personennahverkehr Kyiv City Express wurde in beiden Richtungen unterbrochen; Ukrzaliznyzja zufolge blieben die Bahnhöfe Hauptbahnhof und Darnyzja unbeschädigt, ein Mitarbeiter wurde auf dem Heimweg von einer Schicht verletzt.

Warum es wichtig ist

Der Angriff zählt mit 161 gestarteten Drohnen zu den größeren Drohnenoperationen des Krieges; er traf gleichzeitig multiple Kategorien ziviler Infrastruktur – Tankstellen, ein größeres Pharmaunternehmen, ein Kongresszentrum, ein Rechenzentrum und Bahnanlagen.

Was geschehen ist

In der Nacht zum 23. September flogen russische Drohnen in Wellen Kiew und Teile der Oblast an. In Kiew schlugen Drohnen in den Stadtteilen Holosiivskyj, Darnyzkyj und Solomjanskyj ein: Eine Drohne traf eine Ukrnafta-Tankstelle in Holosiivskyj, eine weitere eine UPG-Tankstelle in Darnyzkyj, wo jeweils Brände ausbrachen. In Holosiivskyj gerieten zudem Lagerhallen in Brand, eine Drohne traf ein vierstöckiges Geschäftszentrum sowie ein Transportinfrastrukturobjekt. In Solomjanskyj schlug eine Drohne in ein neunstöckiges Nichtwohngebäude auf Höhe des vierten Stocks ein (das Gebäude des Instituts Diproswjazok), eine weitere traf ein Geschäftsgebäude; in der Nähe des Hauptbahnhofs geriet die ehemalige Markthalle „Schajba" in Brand. Tagsüber wurde zudem das Kongresszentrum Parkowyj getroffen, während dort Veranstaltungen stattfanden. Die Drohne traf unter anderem die Terrasse und den Park-Saal, mehrere Besucher wurden durch Glassplitter verletzt. Im Stadtteil Darnyzkyj wurde außerdem die Pharmafabrik Darnytsia getroffen; nach Angaben des Unternehmens gab es keine Toten unter den Mitarbeitern. In der Oblast Kiew beschädigten Drohnen in vier Bezirken 18 Objekte und verletzten drei Männer in Butscha. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe 119 der 161 Drohnen sowie drei „Banderole"-Zielkörper abgefangen. Bürgermeister Klitschko bezifferte die Opferzahlen im Lauf des Tages zunächst auf 3 Verletzte, dann auf 1 Toten und 7 Verletzte, am Nachmittag auf 2 Tote und 25 Verletzte (17 im Krankenhaus) und am Abend auf 2 Tote und 43 Verletzte. Die Kiewer Stadtanwaltschaft meldete bis 15:30 Uhr 36 Verletzte. Die Behörde stufte den Angriff als Kriegsverbrechen gemäß Artikel 438 Absätze 1 und 2 des ukrainischen Strafgesetzbuchs ein.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Opferzahlen für den 23. September variierten je nach Quelle und Tageszeit erheblich. Bürgermeister Klitschko nannte am Morgen zunächst 3 Verletzte, um 10:00 Uhr 1 Toten und 7 Verletzte, gegen 13:30 Uhr 2 Tote und 25 Verletzte (17 davon hospitalisiert) und am Abend 2 Tote und 43 Verletzte. Die Kiewer Stadtanwaltschaft bezifferte die Verletzten bis 15:30 Uhr auf 36 und schlüsselte nach Stadtteilen auf: Holosiivskyj 7, Darnyzkyj 5, Solomjanskyj 20, Swjatoschynskyj 4.

Hintergrund

Russland greift Kiew und die Oblast seit dem 27. August nahezu täglich mit kleinen Gruppen von Drohnen an. Am Vorabend (22. September) hatten Drohnen in Kiew Treibstofftanks im Stadtteil Obolon sowie ein Wohngebäude im Stadtteil Dnipro getroffen. Nach Angaben von Energieminister Denys Schmyhal hat Russland im vergangenen halben Jahr mehr als 300 Tankstellen in der Ukraine zerstört oder beschädigt; in Kiew wurden seit Jahresbeginn mehr als 15 Tankstellen getroffen, wobei Ukrnafta-Stationen besonders häufig Ziel waren. Ukrnafta hat begonnen, Gabionen (Drahtschotterkörbe) um Kiewer Tankstellen aufzustellen, um Drohnentrümmer aufzufangen.