Hamburger Prozess um Nord-Stream-Sabotage: Kuznetsov-Verteidigung will zwei Militärbefehlshaber als Zeugen vorladen
Im Hamburger Prozess gegen den ukrainischen Staatsbürger Serhii Kuznetsov wegen der Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 plant die Verteidigung, eidesstattliche schriftliche Aussagen von zwei seiner militärischen Vorgesetzten vorzulegen. Einer von ihnen gilt laut BBC-Berichten als mutmaßlicher Organisator der gesamten Operation. Kuznetsov selbst wird nach Angaben seiner Anwälte im Prozess nicht aussagen und verweigert jede Aussage mit der Begründung, als Soldat keine Details seiner Tätigkeit offenlegen zu dürfen.
Das Wichtigste
- Deutschland wirft dem Ukrainer Serhii Kuznetsov die Organisation der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines 2022 vor.
- Die Verteidigung will eidesstattliche schriftliche Aussagen von zwei militärischen Vorgesetzten Kuznetsovs vorlegen.
- Einer dieser beiden Kommandeure gilt als mutmaßlicher Organisator der gesamten Nord-Stream-Operation.
- Kuznetsov ist wegen Herbeiführens einer Explosion und wegen eines Kriegsverbrechens (Angriff auf zivile Infrastruktur) angeklagt.
- Kuznetsov selbst will im Prozess nicht aussagen; seine Verteidigung beruft sich darauf, dass er als Militärangehöriger keine Details preisgeben dürfe.
- Kuznetsov bestreitet jede Beteiligung an der Sabotage; die Ukraine weist die Vorwürfe zurück.
- Kuznetsov wurde im August 2025 in Italien festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert.
Warum es wichtig ist
Der Hamburger Prozess ist das zentrale Gerichtsverfahren zur Verantwortung für die Nord-Stream-Sabotage von 2022, einem schweren Angriff auf Energieinfrastruktur in der Ostsee. Die Verteidigung versucht offenbar, die Verantwortung von Kuznetsov auf höherrangige ukrainische Militärs zu verlagern, darunter einen mutmaßlichen Gesamtorchestrator. Dass die Anklage neben der Explosion auch ein Kriegsverbrechen (Angriff auf zivile Infrastruktur) anführt, wirft Fragen zur rechtlichen Einordnung auf. Die Ukraine weist die Vorwürfe offiziell zurück, während das Verfahren in einem deutschen Gericht läuft und breitere rechtliche sowie politische Bewertungen beeinflussen könnte.
Was geschehen ist
Im Prozess gegen Serhii Kuznetsov in Hamburg will die Verteidigung eidesstattliche schriftliche Aussagen von zwei seiner militärischen Vorgesetzten vorlegen. Einer der beiden Kommandeure wird als mutmaßlicher Organisator der gesamten Nord-Stream-Operation beschrieben. Kuznetsov, dem die deutsche Staatsanwaltschaft vorwirft, die Sabotage der Gasleitungen Nord Stream und Nord Stream 2 im September 2022 geleitet zu haben, ist wegen Herbeiführens einer Explosion und wegen eines Kriegsverbrechens – Angriff auf zivile Infrastruktur – angeklagt. Er wurde im August 2025 in Italien auf Grundlage eines deutschen Haftbefehls festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert. Kuznetsov selbst wird im Prozess nicht aussagen; seine Anwälte argumentieren, dass er als Militärangehöriger nicht befugt sei, Einzelheiten seiner Tätigkeit offenzulegen. Kuznetsov bestreitet jede Beteiligung an der Sabotage. Die Vorwürfe gegen ihn werden zudem von ukrainischer Seite zurückgewiesen.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Die ukrainische Berichterstattung stützt sich vor allem auf Recherchen der BBC und rückt die Verteidigungsstrategie – die Vorladung zweier militärischer Vorgesetzter – in den Vordergrund. Alle drei erfassten ukrainischen Medien weisen darauf hin, dass Kyiw die Vorwürfe offiziell zurückweist, und zitieren den Sprecher des Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, mit dem Argument, der Bau von Nord Stream habe Russland den Krieg erst ermöglicht. Berichtet wird zudem über einen BBC-Befund, wonach Kuznetsov zum Zeitpunkt der Explosionen aktiver Militärangehöriger war; ein in den Beiträgen genannter ukrainischer Anwalt erwartet den Verhandlungsbeginn in Hamburg um den 26. Oktober.
Wo die Berichte auseinandergehen
Umstritten ist, ob Kuznetsov die Operation persönlich geleitet hat: Die deutsche Staatsanwaltschaft geht davon aus, seine Verteidigung stellt ihn hingegen als untergebenen Soldaten dar und will aussagekräftige Aussagen seiner Vorgesetzten – darunter eines mutmaßlichen Gesamtorchestrators – vorlegen, um die Verantwortung nach oben zu verlagern. Ebenfalls uneinheitlich ist die Frage einer staatlichen ukrainischen Beteiligung: Deutsche Ermittler sehen Hinweise auf eine mögliche Verbindung zu ukrainischen staatlichen Strukturen, während das ukrainische Büro der Generalstaatsanwaltschaft am 9. Juli (2026) mitteilte, eigene Ermittlungen hätten keine Belege für eine Beteiligung der Ukraine, ihrer Behörden oder Amtsträger ergeben. Die Ukraine weist die Vorwürfe offiziell zurück.
Hintergrund
In der Nacht zum 26. September 2022 beschädigten Explosionen in der Ostsee drei der vier Stränge der Pipelines Nord Stream und Nord Stream 2. Zum Zeitpunkt der Explosionen waren beide Pipelines zwar nicht in Betrieb, aber mit technischem Gas befüllt. Deutsche Ermittler gehen davon aus, dass die Sprengladungen von einer Gruppe von Tauchern mit Hilfe der gecharterten Jacht Andromeda platziert wurden. Nach Erkenntnissen deutscher Medien identifizierten die Ermittler sieben beteiligte Personen: vier Taucher (darunter eine Frau), einen Sprengstoffspezialisten, einen Skipper und einen Koordinator. Kuznetsov wurde im August 2025 in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Russland beschuldigte Großbritannien, die Sprengungen ausgeführt zu haben; London wies dies zurück. Die Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf Quellen, die Operation sei von mehreren hochrangigen ukrainischen Militärs und Geschäftsleuten geplant worden. Dänemark und Schweden hatten ihre jeweiligen Ermittlungen bereits im Februar 2024 mangels ausreichender Grundlage für ein Strafverfahren eingestellt.