Russischer Angriff auf Busse in Kramatorsk: mindestens 12 Tote, später bis zu 33
Am 8. Oktober schlugen russische Streitkräfte in Kramatorsk in der Oblast Donezk zwei Passagierbusse (Marschrutkas) mit Fahrgästen an Bord. Erste Berichte gegen 11:00 Uhr nannten mindestens 12 Tote; spätere Updates durch den Leiter der Oblast-Militärverwaltung Donezk, Vadym Filashkin, hoben die Zahl auf 30 Tote und 18 Verletzte, einige spätere Berichte nannten 33 Tote. Die Donezker Staatsanwaltschaft leitete eine Voruntersuchung wegen Kriegsverbrechen ein, und der öffentliche Nahverkehr in Kramatorsk und dem benachbarten Slovjansk wurde ausgesetzt.
Das Wichtigste
- Russische Streitkräfte schlugen am 8. Oktober in Kramatorsk (Oblast Donezk) zwei Personennahverkehrsbusse (Marschrutkas) mit Fahrgästen an Bord.
- Erste Bilanz gegen 11:00–11:10 Uhr: mindestens 12 Tote und 13–14 Verletzte.
- Gegen 12:15 Uhr hob Filashkin die Zahl auf 30 Tote und 18 Verletzte an; spätere Berichte sprachen von 33 Toten.
- Die genaue Waffenangabe ist umstritten: Die Generalstaatsanwaltschaft nannte ein Mehrfachraketenwerfersystem (RSZO/RSZW), die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk vermutet einen UMPB D-30 SN, andere Quellen sprechen von einem Gleitbomben-Angriff (KAB).
- Gouverneur Vadym Filashkin ordnete die Aussetzung des öffentlichen Nahverkehrs in Kramatorsk und Slovjansk ab dem 9. Oktober an und rief die Bewohner der Oblast Donezk zur Evakuierung auf.
- Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach den Angehörigen sein Beileid aus und forderte von den Partnern „konkrete Maßnahmen“ in Form neuer Verteidigungspakete.
- Die Staatsanwaltschaft der Oblast Donezk eröffnete ein Vorverfahren wegen Kriegsverbrechen gemäß Teil 2 des Artikels 438 des ukrainischen Strafgesetzbuchs.
Warum es wichtig ist
Der Angriff in Kramatorsk zeigt, wie Russland gezielt zivile Infrastruktur in einer frontnahen Stadt der Oblast Donezk trifft: zwei Marschrutkas mit Fahrgästen wurden mitten in der Stadt getroffen, die Opferzahl stieg im Tagesverlauf von 12 auf 30 und in späteren Berichten auf 33 Tote. Er löste eine Kriegsverbrecher-Ermittlung nach ukrainischem Recht, eine Aussetzung des öffentlichen Nahverkehrs und neue Evakuierungsaufrufe aus. International sorgte der Fall als Symbol für die hohe Zahl ziviler Opfer durch russische Angriffe auf ukrainische Städte für Aufmerksamkeit.
Was geschehen ist
Am 8. Oktober 2026 schlugen russische Streitkräfte in Kramatorsk in der Oblast Donezk zwei Personennahverkehrsbusse (Marschrutkas), die zum Zeitpunkt des Angriffs Fahrgäste beförderten. Nach Angaben des Leiters der Oblast-Militärverwaltung Donezk, Vadym Filashkin, wurden bei dem Angriff zunächst mindestens 12 Menschen getötet; die Zahl der Verwundeten wurde zunächst mit 13 bis 14 angegeben. Im weiteren Tagesverlauf revidierte Filashkin die Bilanz auf 30 Tote und 18 Verletzte; einzelne spätere Berichte nannten 33 Tote. Gebietsstaatsanwaltschaft und Nationalpolizei bestätigten Schäden an zwei Passagierbussen und einem Wohnhaus. Die Generalstaatsanwaltschaft stufte den Angriff als Beschuss mit einem Mehrfachraketenwerfer (RSZO/RSZW) gegen 10:00 Uhr ein, während die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk die eingesetzte Munition vorläufig als UMPB D-30 SN bewertete; andere Quellen sprachen von einer Gleitbombe (KAB). Gegen 09:46 Uhr hatte die ukrainische Luftwaffe zuvor Gleitbomben Richtung Oblast Donezk gemeldet. Die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk eröffnete ein Vorverfahren wegen Kriegsverbrechen gemäß Teil 2 des Artikels 438 des ukrainischen Strafgesetzbuchs. Filashkin ordnete die Aussetzung des öffentlichen Nahverkehrs in Kramatorsk und im benachbarten Slovjansk ab dem 9. Oktober an und forderte die verbliebenen Bewohner der Oblast Donezk zur Evakuierung in sicherere Landesteile auf. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und forderte von den internationalen Partnern „konkrete Maßnahmen“ in Form neuer Verteidigungspakete. Russland äußerte sich zu dem Angriff zunächst nicht. Am selben Tag wurden bei einem separaten russischen Angriff auf das Dorf Bilenke in der Gemeinde Kramatorsk drei Menschen getötet; am Morgen des 8. Oktober hatte Russland zudem Kiew angegriffen und mindestens einen Menschen getötet.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Behörden und Medien stellten den Angriff einhellig als gezielte russische Attacke auf die Zivilbevölkerung dar. Der Leiter der Oblast-Militärverwaltung Donezk, Vadym Filashkin, erklärte, Russland müsse für jedes genommene Leben Rechenschaft ablegen, und verwies darauf, dass ein voll besetzter Passagierbus für die russische Seite ein „attraktives Ziel“ sei, um möglichst viele Zivilisten zu töten. Der Stadtrat von Kramatorsk sprach von einem „abscheulichen Verbrechen“ der russischen Armee an der Zivilbevölkerung, da sich an der Einschlagstelle keinerlei militärische Ziele befunden hätten. Präsident Selenskyj forderte internationale Partner zu „konkretem Handeln“ durch neue Verteidigungspakete auf. Die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk eröffnete ein Vorverfahren wegen Kriegsverbrechen, und Filashkin ordnete die Aussetzung des öffentlichen Nahverkehrs in Kramatorsk und Slovjansk an, um die Menschen nicht weiter dem ständigen Beschuss auszusetzen, und rief die verbliebenen Bewohner zur Evakuierung auf.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Internationale Medien wie BBC, Der Spiegel, ABC España, APA und South China Morning Post berichteten über den Angriff und stellten ihn in den Kontext des russischen Einmarschs in die Ukraine und der seit Monaten intensiveren russischen Luftangriffe auf ukrainische Städte. Mehrere Beiträge betonten Kramatorsks Rolle als eine der letzten Großstädte unter ukrainischer Kontrolle in der Oblast Donezk und als Logistik- und Versorgungszentrum der ukrainischen Streitkräfte, das nahezu täglich russischen Angriffen ausgesetzt sei. Die rasch steigende Opferzahl sowie die Tatsache, dass russische Gleitbomben in jüngster Zeit vermehrt gegen zivile Ziele eingesetzt würden, wurden als Beleg für die hohe Zahl ziviler Opfer im laufenden Krieg angeführt; einzelne Berichte verwiesen auf UN-Angaben, wonach in der Ukraine bis August dieses Jahres mehr Zivilisten getötet worden seien als im gesamten Jahr 2025.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen sind sich über die eingesetzte Waffe uneins: Die Generalstaatsanwaltschaft sprach von einem Mehrfachraketenwerfer (RSZO/RSZW) um 10:00 Uhr, die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk hielt einen UMPB D-30 SN für wahrscheinlich, und andere ukrainische wie internationale Beiträge beschrieben den Angriff als Gleitbomben-Angriff (KAB); die Luftwaffe hatte zuvor um 09:46 Uhr Gleitbomben Richtung Oblast Donezk registriert. Bei den Opferzahlen divergierten die Angaben im Tagesverlauf: anfangs 12 Tote und 13–14 Verletzte, später 30 Tote und 18 Verletzte (Filashkin gegen 12:15 Uhr), und einzelne spätere Berichte gingen von 33 Toten aus. Auch die Verwundetenzahl der ersten Stunden schwankte: Die Stadtverwaltung Kramatorsk und ein erster OVA-Bericht nannten 13 Verwundete, die Gebietsstaatsanwaltschaft Donezk und ein späterer OVA-Bericht nannten 14 Verwundete.
Hintergrund
Kramatorsk ist eine frontnahe Stadt in der Oblast Donezk und eines der letzten großen städtischen Zentren der Region unter ukrainischer Kontrolle. Die Stadt dient den ukrainischen Streitkräften als wichtiger Logistik- und Versorgungsknoten und ist nahezu täglichem russischen Beschuss ausgesetzt, seit die russischen Truppen sich von Osten her nähern. Schon vor dem Busangriff vom 8. Oktober hatte Gouverneur Vadym Filashkin die verbliebenen Bewohner der Oblast Donechk aufgerufen, sich in sicherere Landesteile evakuieren zu lassen. Am 6. Oktober, zwei Tage vor dem Angriff, hatte ein russischer FPV-Drohnenangriff auf einen Streifenwagen der Patrouillenpolizei in Kramatorsk drei Beamte verletzt und den 40-jährigen Polizisten Artem Kowtun getötet. Bereits Ende August sollen an einem einzigen Tag bis zu neun Gleitbomben auf Kramatorsk abgefeuert worden sein.