US-Gesandte in Kiew: drei Gesprächsrunden ohne Durchbruch, Hoffnung auf trilaterales Format
Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am 6. September 2026 in Kiew mit Präsident Wolodymyr Selenskyj zusammen – einen Tag nach über dreistündigen Gesprächen mit Wladimir Putin in Moskau. Es war ihr erster Besuch in der Ukraine seit Beginn der Verhandlungen im Februar 2025. In drei Gesprächsrunden, an denen in der zweiten Runde auch nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens teilnahmen, wurden mögliche Parameter für ein Kriegsende und kurzfristige Unterstützung der Ukraine erörtert. Ein konkreter Durchbruch wurde nicht verkündet.
Das Wichtigste
- Witkoff und Kushner trafen am 6. September 2026 in Kiew ein – ihr erster Ukraine-Besuch seit Verhandlungsbeginn im Februar 2025.
- Am Vortag, dem 5. September, hatten sie über drei Stunden mit Putin in Moskau verhandelt.
- In Kiew fanden drei Gesprächsrunden statt; in der zweiten nahmen E3-Sicherheitsberater (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) teil.
- Die Amerikaner sprachen sich für eine Rückkehr zum trilateralen Format Ukraine–USA–Russland aus.
- Trotz der Gespräche wurde kein konkreter Durchbruch bekannt; Inhalt des US-Vorschlags blieb unklar.
- Selenskyj bezeichnete alle drei Runden als „sehr substanziell“; Peskov nannte die Bemühungen „einen kleinen Schritt zum Frieden“.
- Witkoff und Kushner reisten mit dem Zug an; die ukrainische Bahn nannte den Zug auf der Anzeigetafel „Peace Express“.
Warum es wichtig ist
Der Besuch markierte die erste Ukraine-Reise der US-Verhandlungsführer seit Verhandlungsbeginn im Februar 2025, nachdem Witkoff allein bereits acht Mal in Moskau gewesen war. Mit der persönlichen Teilnahme von E3-Sicherheitsberatern weitete sich das Format erstmals über bilaterale US-Russland-Kontakte hinaus. Der öffentliche amerikanische Aufruf zur Rückkehr zum trilateralen Format signalisiert eine Verschiebung der Verhandlungsstruktur. Trotz dreier Runden und der Charakterisierung als „sehr substanziell“ blieb ein konkreter Durchbruch aus und der Inhalt des US-Vorschlags unveröffentlicht. Quellen, die in die Gespräche eingeweiht waren, schätzten, dass der Krieg kaum vor dem Winter enden werde – einer Phase, in der Russland seine Angriffe auf die ukrainische Kritische Infrastruktur voraussichtlich verstärken wird.
Was geschehen ist
Am 5. September 2026 hielten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau über drei Stunden lang Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Tags darauf, am 6. September, reisten sie mit dem Zug nach Kiew – Selenskyj erklärte, die Ukraine habe die Flughäfen vorbereitet, russische Angriffe hätten jedoch die Nutzung des Luftwegs verhindert. Treffpunkt war schließlich der Sophienplatz an der Sophienkathedrale; ursprünglich war der Marienpalast angekündigt gewesen, der Termin wurde zudem ohne Erklärung um zwei Stunden verschoben. Vor den Gesprächen gab es einen kurzen Rundgang durch die Kathedrale. In Kiew fanden drei Gesprächsrunde statt: zwei bilaterale Runden mit Selenskyj und eine multilaterale Runde, an der nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens (E3) teilnahmen. Auf ukrainischer Seite waren Kyrylo Budanov, Rustem Umerow, Dawyd Arachamija und Serhij Kyslyzja zugegen. Witkoff sagte, die Delegation habe in Moskau „neue Ideen gehört, die früher nicht funktioniert hatten“, und diese in Kiew vorgebracht; man strebe eine Rückkehr zum trilateralen Format Ukraine–USA–Russland an, das bald angekündigt werden könne. Kushner erklärte, Trump wolle nicht nur den Krieg beenden, sondern Bedingungen für dauerhaften Frieden und Investitionen in der Ukraine schaffen. Selenskyj bezeichnete alle drei Runden als „sehr substanziell“; Themen waren mögliche Parameter für ein Kriegsende und kurzfristige Unterstützung der Ukraine. Die ukrainische Bahn „Ukrzaliznyzja“ zeigte bei der Abfahrt des Zuges den Namen „Peace Express“ auf der Anzeigetafel. Am 7. September erklärte Kremlsprecher Dmitrij Peskow, Russland schließe die Wiederaufnahme trilateraler Gespräche nicht aus; es sei jedoch verfrüht, über Ort und Zeit zu sprechen.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die internationale Berichterstattung – insbesondere der französische Artikel in Le Monde und die englischsprachige Nachrichtenagentur APA – rahmte den Besuch vor allem als lange erwartete, jedoch ergebnislose Reise. Hervorgehoben wurden das Fehlen eines angekündigten Durchbruchs und die fehlende Offenlegung des Inhalts des US-Vorschlags. Internationale Medien verwiesen zudem auf die Einschätzung von mit den Gesprächen vertrauten Quellen, wonach der Krieg kaum vor dem Winter enden werde, sowie auf die Analyse des Institute for the Study of War (ISW), wonach Putin zu substanziellen Kompromissen nicht bereit sei und seine Forderungen über den gesamten Donbass hinausgingen. Der öffentliche amerikanische Aufruf zur Rückkehr zum trilateralen Format Ukraine–USA–Russland und die Aussicht auf getrennte Telefongespräche Trumps mit Putin und Selenskyj wurden ebenfalls betont.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Quellen bewerten die Substanz der in Kiew vorgebrachten Vorschläge unterschiedlich: Witkoff und Selenskyj sprachen von „neuen Ideen, die früher nicht funktioniert hatten“, die Financial Times berichtete hingegen, die Gesandten hätten lediglich aktualisierte Fassungen früherer Friedensdokumente mitgebracht, ohne grundlegend neue Konzepte vorzuschlagen. Auch hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eines Kriegsendes vor dem Winter gehen die Angaben auseinander: Kushner sagte, die USA arbeiteten auf ein Ende vor dem Winter hin, ohne dies zu garantieren; eingeweihte Quellen kamen zum Schluss, ein Kriegsende vor dem Winter sei unwahrscheinlich. Den Ton der Moskauer Gespräche beschrieben Kushner als „konstruktiv und substantiell“ und Witkoff als „sehr bedeutsam“; Kremlsprecher Peskow antwortete auf die Frage, ob die Gespräche den Frieden näher gebracht hätten, ausweichend und bezeichnete jeden Versuch als „einen kleinen Schritt zum Frieden“. Bezüglich der Zugreise der Gesandten erklärte Selenskyj, die Ukraine habe Flughäfen vorbereitet, russische Angriffe hätten jedoch die Nutzung des Luftwegs verhindert, während die US-Delegation diese Darstellung weder öffentlich bestätigte noch bestritt und keine Quelle auf eine US-seitige Entscheidung zur Zugreise hinwies.
Hintergrund
Witkoff und Kushner reisten mit dem Zug nach Kiew und zurück; Selenskyj erklärte, Flughäfen seien vorbereitet gewesen, russische Angriffe hätten jedoch die Luftnutzung verhindert. Der ursprünglich angesetzte Treffpunkt Marienpalast wurde ohne offizielle Erklärung auf den Sophienplatz verlegt und der Termin um zwei Stunden verschoben. Beim Verlassen des Zuges zeigte die ukrainische Eisenbahn „Ukrzaliznyzja“ den Namen „Peace Express“ auf der Anzeigetafel; zuvor hatte es einen kurzen Rundgang durch die Sophienkathedrale gegeben. Auf ukrainischer Seite nahmen Kyrylo Budanov (Leiter des Präsidialamts), Rustem Umerow (Leiter des Auslandsnachrichtendienstes), Dawyd Arachamija (Fraktionsvorsitzender „Diener des Volkes“) und Serhij Kyslyzja (Erster stellvertretender Leiter des Präsidialamts) teil. Selenskyj zeigte Arachamija ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kyiv Regime“ und sagte, entsprechende Exemplare seien auch für Witkoff und Kushner vorbereitet worden, die laut Sprecher Serhij Nykyforow lächelnd reagierten. Während des Besuchs pausierten die Luftalarme in Kiew, was in sozialen Medien zu Witzen über einen „amerikanischen Schirm über Kiew“ und den „ruhigsten Wochenendtag seit Langem“ führte. Nach den Gesprächen erörterte Selenskyj mit der Verhandlungsgruppe Themen wie Luftverteidigung, technologische Zusammenarbeit und ein „Winterpaket“ und führte zudem ein Einzelgespräch mit Witkoff und Kushner. Das Institute for the Study of War (ISW) kam nach den Besuchen zum Schluss, dass Putin nicht zu wesentlichen Kompromissen bereit sei und seine Forderungen über den gesamten Donbass hinausgingen; laut Bericht kontrolliert Russland rund 75 % des Donbass.