Ukraine muss bis zur IMF-Prüfung im November 52,6 Mrd. Dollar externe Finanzierung für 2027 sichern
Die Ukraine steht unter Druck, rund 52,6 Mrd. Dollar an externer Finanzierung für das Staatsbudget 2027 zu sichern, bevor die IMF-Mission im November zur zweiten Programmprüfung eintrifft. Etwa 32,6 Mrd. Dollar davon sind noch nicht bestätigt. Finanzminister Serhiy Marchenko erklärte, die Erfüllung der IMF-Auflagen sei Voraussetzung für neue wie bereits zugesagte Mittel.
Das Wichtigste
- Ukraine benötigt laut Finanzminister Serhiy Marchenko 52,6 Mrd. Dollar externe Finanzierung zur Deckung des Haushaltsdefizits 2027.
- Rund 32,6 Mrd. Dollar dieses Bedarfs sind noch nicht bestätigt.
- Die EU soll voraussichtlich zwei Drittel – etwa 17,5 Mrd. Dollar – beitragen, die übrigen rund 15 Mrd. Dollar sollen über bilaterale Finanzierung, Partnergarantien und Programme internationaler Finanzinstitutionen aufgebracht werden.
- Die zweite Prüfung des EFF-Programms durch den IMF ist für November 2026 in Kyjiw geplant; Voraussetzung ist die nachgewiesene Budgetfinanzierung für das Folgejahr.
- Das neue, im Februar 2026 vom IMF genehmigte EFF-Programm hat ein Volumen von 8,1 Mrd. Dollar; nach der ersten Prüfung im Juli 2026 wurden rund 690 Mio. Dollar ausgezahlt, insgesamt 2,2 Mrd. Dollar.
- Premierminister Serhiy Koretsky warnte am 14. September, Verzögerungen der Werchowna Rada bei nötigen Gesetzen könnten der Ukraine einen erheblichen Teil von 29,5 Mrd. Dollar internationaler Finanzierung kosten.
- Präsident Selenskyj bezifferte am 24. August den Armeebedarf auf 27 Mrd. Dollar, davon 8–10 Mrd. Dollar für Waffenkäufe und Luftabwehr im Januar und Februar 2027.
Warum es wichtig ist
Die Sicherung dieser Mittel entscheidet darüber, ob die Ukraine 2027 ihr Staatsbudget – einschließlich Verteidigungsausgaben – überhaupt finanzieren kann. Die IMF-Prüfung im November macht die Bestätigung der externen Finanzierung zur formellen Voraussetzung für weitere IMF-Tranchen. Schon jetzt sind laut Premierminister Koretsky rund 29,5 Mrd. Dollar internationaler Zusagen durch innenpolitische Blockaden gefährdet.
Was geschehen ist
Die ukrainische Regierung muss bis zur zweiten Programmprüfung des IWF im November 2026 nachweisen, dass das Budget 2027 vollständig finanziert ist. Finanzminister Serhiy Marchenko bezifferte den externen Finanzierungsbedarf auf 52,6 Mrd. Dollar, wovon etwa 32,6 Mrd. Dollar noch unbestätigt sind. Erwartet wird, dass die EU rund zwei Drittel – etwa 17,5 Mrd. Dollar – beisteuert; die übrigen rund 15 Mrd. Dollar sollen aus bilateraler Finanzierung, Partnergarantien und Programmen internationaler Finanzinstitutionen kommen. Marchenko betonte, die Erfüllung der IMF-Auflagen sei sowohl für neue Mittel als auch für bereits zugesagte Gelder notwendig. Im Hintergrund laufen Verhandlungen über eine mögliche stärkere Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte, etwa durch Verlagerung aus belgischer in EU-Jurisdiktion und Anlage in höher verzinsliche Instrumente – eine Entscheidung gibt es noch nicht. Die stellvertretende Finanzministerin Olha Zykova sprach unterdessen mit Norwegens stellvertretendem Außenminister Eivind Vad Petersson über mögliche Beiträge zum SPUR-2.0-Mechanismus und weitere Budgethilfe über das PEACE-Projekt; Norwegen hat seit Kriegsbeginn über 1,2 Mrd. Dollar via Weltbank bereitgestellt, davon rund 717 Mio. Dollar direkte Budgethilfe.
Wo die Berichte auseinandergehen
Der externe Finanzierungsbedarf für 2027 wird unterschiedlich beziffert: Finanzminister Marchenko nennt im IMF-Kontext 52,6 Mrd. Dollar, während das Finanzministerium in einer anderen Darstellung 52,5 Mrd. Dollar zur Sicherung der makrofinanziellen Stabilität angibt. Die militärischen Bedarfe werden ebenfalls unterschiedlich gerahmt: Präsident Selenskyj sprach am 24. August von 27 Mrd. Dollar für die Armee (inklusive 8–10 Mrd. Dollar für Waffenkäufe und Luftabwehr im Januar und Februar 2027); die 52,6 Mrd. Dollar Marchenkos beziehen sich dagegen auf das Gesamtdefizit des Staatshaushalts 2027, und Hetmantsev verwies auf 29,5 Mrd. Dollar internationale Finanzierung, die durch Verzögerungen der Werchowna Rada gefährdet seien.
Hintergrund
Der IMF hatte im Februar 2026 ein neues, vierjähriges EFF-Programm über 8,1 Mrd. Dollar für die Ukraine genehmigt. Die erste Prüfung wurde im Juli 2026 abgeschlossen und brachte eine Auszahlung von rund 690 Mio. Dollar; insgesamt wurden im Rahmen des neuen Programms damit etwa 2,2 Mrd. Dollar ausgezahlt. Die Ende August / Anfang September in Kyjiw weilende IMF-Mission beendete ihre Verhandlungsrunde ohne Vereinbarungen; der Vorsitzende des Finanzausschusses der Werchowna Rada, Danylo Hetmantsev, bezeichnete die Gespräche als „äußerst schwierig". Geplant ist, dass die Ukraine nach der zweiten Prüfung rund 700 Mio. Dollar und nach einer für Jahresende vorgesehenen dritten Prüfung etwa 950 Mio. Dollar erhalten könnte. Parallel sondiert Kyjiw eine stärkere Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte. Norwegen hat seit Beginn der Vollinvasion über die Weltbank-Mechanismen mehr als 1,2 Mrd. Dollar bereitgestellt, davon rund 717 Mio. Dollar als direkte Budgethilfe.