Ukraine beziffert Verteidigungslücke 2026 auf 27 Milliarden Dollar und verhandelt mit Partnern über die restlichen 20 Milliarden
Die ukrainische Regierung geht für 2026 von einer Lücke von 27 Milliarden Dollar in der Verteidigungsfinanzierung aus. Rund 7 Milliarden sollen durch Einsparungen, Optimierung und Umschichtung im Inland gedeckt werden, die übrigen 20 Milliarden sind Gegenstand von Verhandlungen mit internationalen Partnern. Ministerpräsident Serhij Korezkyj bezeichnete den Zustand der Staatsfinanzen als „nahe an der Kritikalität".
Das Wichtigste
- Gesamtbedarf für die Kriegsfinanzierung 2026 laut Schätzung: 155 Mrd. US-Dollar.
- Verteidigungsdefizit 2026: 27 Mrd. US-Dollar; davon sollen ~7 Mrd. im Inland, ~20 Mrd. bei Partnern gedeckt werden.
- Die 7 Mrd. US-Dollar an Inlandsmitteln sollen durch Sparmaßnahmen, Optimierung und Umschichtung – darunter Kürzungen bei Kulturprogrammen, Straßensanierungsschulden und „Resilience Plan"-Projekten – aufgebracht werden.
- Die 20 Mrd. US-Dollar von Partnern seien entscheidend für die Kampffähigkeit, auch im ersten Quartal 2027, da Produktion – insbesondere von weitreichender Waffentechnik und Luftverteidigungsmitteln – vorfinanziert werden müsse.
- Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 24. August 27 Mrd. US-Dollar als Bedarf genannt; Ministerpräsident Korezkyj sprach am 14. September von „nahezu kritischem" Zustand der Staatsfinanzen.
- Bei Nichterfüllung internationaler Verpflichtungen droht Verlust von 29,5 Mrd. US-Dollar an Budgetfinanzierung von Partnern; Frist ist der 15. Oktober, die Werchowna Rada soll am 12. Oktober über nötige Gesetzentwürfe abstimmen.
- Die Ukraine verhandelt über ein zinsgünstiges Darlehen der EU über 90 Mrd. Euro (Ukraine Support Loan) und hat die EU-Kommission um Vorziehung der zweiten Tranche gebeten.
Warum es wichtig ist
Die Lücke betrifft unmittelbar Soldatenzahlungen und Waffenbeschaffung – einschließlich weitreichender Fähigkeiten und Luftverteidigung – und damit die Fähigkeit der Ukraine, den Krieg bis ins erste Quartal 2027 hinein zu führen. Bleiben die 20 Mrd. Dollar von Partnern aus, entspräche das etwa 13 Prozent des gesamten ukrainischen Kriegsfinanzierungsbedarfs für 2026. Im Inland sind bereits Sparmaßnahmen bei Kulturprogrammen, Straßensanierungsschulden und „Resilience Plan"-Projekten in Kraft, was den fiskalischen Druck auf zivile Ausgaben unterstreicht.
Was geschehen ist
Die ukrainische Regierung beziffert das Verteidigungsdefizit für 2026 auf 27 Mrd. US-Dollar. Etwa 7 Mrd. US-Dollar sollen im Inland durch Einsparungen, Optimierung und Umschichtung aufgebracht werden – inklusive eines „strengen Regimes staatlicher Finanzsparsamkeit" und der Verschiebung nicht prioritärer Ausgaben, um Soldatenzahlungen und Unterstützung für Familien sicherzustellen. Die übrigen 20 Mrd. US-Dollar sind Gegenstand laufender Verhandlungen mit internationalen Partnern. Ministerpräsident Korezkyj bezeichnete den Zustand der Staatsfinanzen als „nahe an der Kritikalität" und verwies darauf, dass Teile der Produktion – insbesondere weitreichender Waffen und Luftverteidigungsmittel – vorab bezahlt werden müssten, um die Kampffähigkeit auch im ersten Quartal 2027 zu sichern. Präsident Selenskyj hatte bereits am 24. August in der „Koalition der Willigen" 27 Mrd. US-Dollar als Bedarf genannt. Die Regierung arbeitet darauf hin, alle Voraussetzungen bis zum 15. Oktober zu erfüllen; die Werchowna Rada soll am 12. Oktober als Sitzungstag über die erforderlichen Gesetzentwürfe abstimmen. Eine Nichterfüllung internationaler Verpflichtungen würde laut Regierung 29,5 Mrd. US-Dollar an Budgetfinanzierung von Partnern gefährden. Parallel verhandelt die Ukraine über ein zinsgünstiges EU-Darlehen über 90 Mrd. Euro (Ukraine Support Loan) und hat die EU-Kommission gebeten, die zweite Tranche vorzuziehen; der IWF kann Rüstungsausgaben nicht finanzieren. Teile der Mittel sollen zudem über neue „Drone Deals" mit Partnern kommen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Wie viel der 27 Mrd. US-Dollar durch innerukrainische Umschichtung geschlossen werden kann, ist zwischen Regierung und Analytikern umstritten: Ministerpräsident Korezkyj beziffert das inlandfinanzierte Volumen auf rund 7 Mrd. US-Dollar durch Sparmaßnahmen, Optimierung und Umschichtung; das Analystenteam von Forbes Ukraine schätzt dagegen, dass das Defizit des allgemeinen Verteidigungshaushalts 2026 durch Umschichtungen aus anderen Haushaltsposten auf 6 bis 8 Mrd. US-Dollar reduziert werden könnte.
Hintergrund
Die Gesamtgröße von 155 Mrd. US-Dollar für den ukrainischen Kriegsfinanzierungsbedarf 2026 wurde zuerst von der damaligen Führung des Verteidigungsministeriums beim Ramstein-Treffen im Februar 2026 präsentiert und im März 2026 im „Financial Strategy"-Dokument gegenüber der EU im Rahmen der Verhandlungen über die Ukraine Support Loan bestätigt. Die Ukraine verhandelt mit der EU über ein zinsgünstiges Darlehen von 90 Mrd. Euro; der IWF kann keine militärischen Ausgaben finanzieren, weshalb Kyjiw die EU-Kommission um eine Vorziehung der zweiten Tranche gebeten hat. Bei Nichterfüllung internationaler Verpflichtungen riskiert die Ukraine den Verlust von 29,5 Mrd. US-Dollar an Budgetfinanzierung von Partnern; Fristen sind der 15. Oktober und eine Reihe von Gesetzentwürfen, über die die Werchowna Rada am 12. Oktober abstimmen soll. Teile des Defizits sollen zudem über neue „Drone Deal"-Vereinbarungen mit Partnern gedeckt werden.