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IWF schätzt ukrainischen Finanzierungsbedarf bis 2029 auf 54 Mrd. Dollar

Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert den kumulierten ukrainischen Finanzierungsbedarf bis 2029 auf 54 Mrd. Dollar. Am 29. September trafen sich die Geber des Landes in Brüssel, um über weitere finanzielle Unterstützung zu beraten. Die EU hatte zu Jahresbeginn ein Kreditpaket über 90 Mrd. Euro genehmigt und drängt auf zusätzliche 30 Mrd. Euro.

Das Wichtigste

  • IWF schätzt den kumulierten Finanzierungsbedarf der Ukraine bis 2029 auf 54 Mrd. Dollar.
  • Mögliche Finanzierungslücke: 30–35 Mrd. Dollar 2027, 17 Mrd. Dollar 2028, 2 Mrd. Dollar 2029.
  • Die IWF-Schätzungen gelten als vorläufig; der IWF lehnte eine Stellungnahme ab.
  • Am 29. September trafen sich Geber in Brüssel, um über weitere Finanzhilfen zu verhandeln.
  • Die EU hatte zu Jahresbeginn ein Kreditpaket über 90 Mrd. Euro (102 Mrd. Dollar) genehmigt und fordert zusätzliche 30 Mrb. Euro.
  • EU-Mitgliedstaaten diskutieren die Nutzung der in Europa eingefrorenen 210 Mrd. Euro an russischen Zentralbankaktiva oder neue gemeinsame EU-Schulden.
  • Selenskyj erklärte am 24. August, die Ukraine benötige 27 Mrd. Dollar für die Armee, davon 8–10 Mrd. Dollar für Waffenkäufe im Januar–Februar 2027.

Warum es wichtig ist

Die IWF-Schätzung beziffert erstmals konkret den externen Finanzierungsbedarf der Ukraine bis 2029. Sie bildet den Rahmen für die laufenden Geberverhandlungen in Brüssel und unterstreicht, dass weitere IWF- und EU-Hilfen an die Umsetzung eines Reformplans geknüpft sind. Gleichzeitig macht sie auf innenpolitische Risiken aufmerksam: Verzögerungen im Parlament könnten Teile der 29,5 Mrd. Dollar internationaler Mittel gefährden. Zudem sind die EU-Staaten in der Frage, wie zusätzliche Mittel aufgebracht werden sollen – über eingefrorene russische Vermögenswerte oder neue gemeinsame EU-Schulden – weiterhin gespalten.

Was geschehen ist

Der IWF schätzt den kumulierten ukrainischen Finanzierungsbedarf bis 2029 auf 54 Mrd. Dollar. Davon entfallen nach den vorläufigen IWF-Zahlen 30–35 Mrd. Dollar auf 2027, 17 Mrd. Dollar auf 2028 und 2 Mrd. Dollar auf 2029. Der IWF erklärte die Schätzungen als vorläufig und lehnte eine Stellungnahme ab.

Am 29. September kamen die Geber in Brüssel zusammen, um über weitere finanzielle Unterstützung zu beraten. Hintergrund ist das zu Jahresbeginn von der EU genehmigte Kreditpaket über 90 Mrd. Euro (102 Mrd. Dollar). Die EU ruft die Partner zudem auf, die Zusagen für zusätzliche 30 Mrb. Euro für dieses und das kommende Jahr zu erfüllen. Die Europäische Kommission und der IWF erwarten von der ukrainischen Regierung die Umsetzung eines Reformplans, um weitere internationale Hilfe zu erhalten und die Verwaltung der bereitgestellten Mittel zu verbessern.

Bei dem Treffen sollte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis mit dem ukrainischen Finanzminister Serhij Martschenko über Reformen für die nächste EU-Budgethilfe-Tranche sprechen, wie der EU-Sprecher Balazs Ujvari ankündigte.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 24. August bei einem Treffen der „Koalition der Willigen“ erklärt, die Ukraine benötige 27 Mrd. Dollar zur Finanzierung der Armee, davon 8–10 Mrd. Dollar für Waffenkäufe für Januar und Februar 2027, einschließlich Luftverteidigungssystemen. Er bezeichnete das Haushaltsdefizit als „kosmisch". Am 14. September warnte Ministerpräsident Serhij Korezkyj, der Zustand der Staatsfinanzen sei „nahezu kritisch", und Verzögerungen bei der Verabschiedung notwendiger Gesetzentwürfe in der Werchowna Rada – dem ukrainischen Parlament – könnten einen erheblichen Teil der 29,5 Mrd. Dollar internationaler Finanzierung gefährden.

Die EU-Mitgliedstaaten diskutieren weiter, wie zusätzliche Mittel mobilisiert werden können: Einige erwägen erneut den Einsatz der in Europa eingefrorenen 210 Mrd. Euro an Vermögenswerten der russischen Zentralbank, andere schlagen die Emission neuer gemeinsamer EU-Schulden vor.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Beide vorliegenden Quellen – Forbes Ukraine und ZN.UA – sind ukrainisch und rahmen die IWF-Schätzung vor allem als Hintergrund für den innenpolitischen Druck: Ministerpräsident Korezkyjs Warnung vor einem „nahezu kritischen" Zustand der Staatsfinanzen, Selenskyjs Wort vom „kosmischen" Defizit sowie Forbes Ukraines Analyse, wie das Verteidigungsdefizit 2026 durch Umverteilung von Ausgaben auf 6–8 Mrd. Dollar gesenkt werden könnte. Besonders hervorgehoben wird der parlamentarische Reformstau, der 29,5 Mrd. Dollar internationaler Finanzierung gefährden könnte.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die eigene Schätzung Kiews für die ungedeckten Bedürfnisse 2027 von mindestens 32 Mrd. Dollar liegt am unteren Ende der IWF-Spanne von 30–35 Mrd. Dollar. Die Quellen unterscheiden sich zudem darin, ob die Zahl den gesamten Finanzierungsbedarf oder ein engeres Verteidigungs- bzw. Haushaltsdefizit meint.

Hintergrund

Die EU hatte zu Jahresbeginn ein Kreditpaket über 90 Mrb. Euro (102 Mrd. Dollar) für die Ukraine genehmigt. Sie ruft die Partner auf, die Zusagen für zusätzliche 30 Mrb. Euro für dieses und das kommende Jahr einzulösen. Bei einem Treffen der „Koalition der Willigen" am 24. August erklärte Präsident Selenskyj, die Ukraine benötige 27 Mrd. Dollar zur Finanzierung der Armee, davon 8–10 Mrd. Dollar für Waffenkäufe für Januar–Februar 2027. Am 14. September bezeichnete Ministerpräsident Korezkyj den Zustand der Staatsfinanzen als „nahezu kritisch". Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe in den vergangenen Monaten intensiviert. Laut Analyseabteilung von Forbes Ukraine könnte das Verteidigungsdefizit 2026 im Allgemeinen Fonds durch Umverteilung von Ausgaben auf 6–8 Mrd. Dollar gesenkt werden.