Selenskyj kündigt Schließung des Haushaltsdefizits bis Jahresende an
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit Reuters, das über seine Social-Media-Kanäle verbreitet wurde, dass die Ukraine ihr derzeitiges Haushaltsdefizit bis Ende 2026 schließen werde. Teil der Mittel aus einem für das nächste Jahr vorgesehenen Kredit solle vorgezogen werden, um Drohnenbestellungen für Januar und Februar 2027 zu finanzieren. Die Erklärung erfolgt vor dem Hintergrund eines von ukrainischer Seite angegebenen Verteidigungsdefizits von 27 Milliarden US-Dollar, das die Europäische Kommission öffentlich bestreitet.
Das Wichtigste
- Präsident Selenskyj erklärte, das derzeitige Haushaltsdefizit werde bis Jahresende geschlossen.
- Die Ukraine will Mittel aus einem für 2027 vorgesehenen Kredit vorziehen, um Drohnen für Januar und Februar 2027 zu bestellen.
- Premierminister Serhij Korezkyj nennt als Ursachen des Defizits die steigenden technologischen Kosten des Krieges, eine Finanzierung von H1-2026-Ausgaben aus H2-Mitteln durch das Verteidigungsministerium und nicht eingelöste Partnerverpflichtungen.
- Finanzminister Serhij Martschenko erklärte, wegen des Defizits könnten sich einige nichtmilitärische Zahlungen verzögern; die Lage sei mit der von 2022 vergleichbar.
- Am 1. Oktober einigten sich ukrainische und EU-Vertreter darauf, die Bearbeitung von Anfragen zu beschleunigen; am 2. Oktober erhielt die Ukraine 2,9 Mrd. Euro aus der Ukraine-Fazilität.
- Nach Angaben von Martschenko wurden durch staatliche Einsparungen 7 Mrd. Dollar des 27-Mrd.-Defizits gedeckt, rund 12 Mrd. sollen durch gemeinsame Anstrengungen gefunden werden.
- Die EU-Kommission (Sprecherin Paula Pinho, 2. Oktober) vertritt die Auffassung, die Ukraine habe 2026 kein Haushaltsdefizit – im Widerspruch zur ukrainischen Regierung, die ein Verteidigungsdefizit von 27 Mrd. Dollar benennt.
Warum es wichtig ist
Die Fähigkeit der Ukraine, ihre Verteidigung zu finanzieren, hängt davon ab, ob die erklärte Lücke von 27 Mrd. Dollar im Verteidigungshaushalt geschlossen werden kann – einschließlich von Vorauszahlungen für Drohnen, die Anfang 2027 geliefert werden sollen. Die Frage, ob ein Defizit besteht, bestimmt, wie viel zusätzliche externe Finanzierung Kyjiw von der EU und anderen Partnern erhalten kann. Mögliche Verzögerungen bei nichtmilitärischen Zahlungen und Risiken für die Winter-Drohnenbeschaffung deuten auf Druck sowohl auf den zivilen Haushalt als auch auf die Frontfähigkeiten hin. Dass ukrainische und EU-Vertreter öffentlich unterschiedlicher Auffassung sind, ob 2026 ein Defizit besteht, ist eine ungewöhnlich offene Auseinandersetzung über die Finanzierung zwischen Kyjiw und Brüssel.
Was geschehen ist
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Reuters-Interview, dessen Auszüge er in seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte, dass die Ukraine ihr derzeitiges Haushaltsdefizit bis Ende 2026 schließen werde. Einige Fragen seien noch zu klären, das Defizit werde aber geschlossen. Zugleich kündigte er an, einen Teil der Mittel aus einem für 2027 vorgesehenen Kredit vorzuziehen, um Drohnenbestellungen für Januar und Februar 2027 zu finanzieren, und bezeichnete die Schließung des Defizits als großen Erfolg für die Ukraine, sein Team und die Europäische Union.
Die Erklärung steht im Kontext eines von ukrainischer Seite angegebenen Verteidigungsdefizits von 27 Mrd. Dollar. Premierminister Serhij Korezkyj nannte als Ursachen die steigenden technologischen Kosten des Krieges, die Tatsache, dass das Verteidigungsministerium H1-2026-Ausgaben aus H2-Mitteln finanziert habe, sowie nicht eingelöste Verpflichtungen gegenüber Partnern. Finanzminister Serhij Martschenko erklärte auf Facebook, die EU-Kommission könne dieses Defizit in diesem Jahr mangels geeigneter Instrumente nicht decken; die Ukraine benötige 29,5 Mrd. Dollar von Partnern bis Jahresende, wovon am Vortag über 3 Mrd. Dollar eingegangen seien. Durch staatliche Einsparungen seien 7 Mrd. Dollar gedeckt, rund 12 Mrd. weitere sollten durch gemeinsame Anstrengungen gefunden werden. Martschenko warnte, wegen des Defizits könnten sich nichtmilitärische Zahlungen verzögern, und verglich die Lage mit 2022.
Am 2. Oktober erhielt die Ukraine 2,9 Mrd. Euro aus der EU-Ukraine-Fazilität. Am 1. Oktober hatten sich ukrainische und EU-Vertreter darauf geeinigt, die Bearbeitung von Anfragen zu beschleunigen. Am 15. September hatten EU-Kommissare Valdis Dombrovskis und Marta Kos Abgeordneten in einem Schreiben die Gesetze aufgelistet, die die Ukraine verabschieden muss, um bereits zugesagte EU-Mittel freizugeben – als Reaktion auf Kyjiws Bitte um zusätzliche 27 Mrd. Dollar für die Verteidigung. Nach früheren Angaben von Korezkyj hatte das Kabinett bis 30. September 17 von 42 nötigen Beschlüssen zur Freigabe internationaler Mittel gefasst.
Wo die Berichte auseinandergehen
Ob die Ukraine 2026 ein Haushaltsdefizit hat, wird widersprüchlich dargestellt: Der ukrainische Präsident, Premierminister und Finanzminister verweisen auf ein Verteidigungsdefizit von 27 Mrd. Dollar; die Sprecherin der Europäischen Kommission, Paula Pinho, erklärte am 2. Oktober, die Kommission habe nach einem Treffen mit ukrainischen Diplomaten kein Haushaltsdefizit der Ukraine für 2026 festgestellt. Finanzminister Martschenko schrieb, die EU-Kommission könne das Verteidigungsdefizit in diesem Jahr mangels geeigneter Instrumente nicht decken.
Daneben berichten ukrainische Medien unter Berufung auf europäische Gesprächspartner, diese hätten ein so großes Defizit nicht erwartet; einige stellten die Effizienz der ukrainischen Ausgaben infrage oder sprachen von einer möglichen Aufblähung der Bedarfe. Diese Kritik wird von ukrainischen Beamten, die das Defizit als Tatsache darstellen, nicht aufgegriffen.
Hintergrund
Premierminister Serhij Korezkyj führte das Defizit auf die steigenden technologischen Kosten des Krieges, auf die Finanzierung von H1-2026-Ausgaben aus H2-Mitteln durch das Verteidigungsministerium und auf nicht eingelöste Partnerverpflichtungen zurück. EU-Kommissare Valdis Dombrovskis und Marta Kos hatten zuvor in einem Schreiben an ukrainische Abgeordnete die Gesetze aufgelistet, die zur Freigabe bereits zugesagter EU-Mittel verabschiedet werden müssen. Am 2. Oktober erhielt die Ukraine 2,9 Mrd. Euro aus der EU-Ukraine-Fazilität. Martschenko erklärte, durch staatliche Einsparungen seien 7 Mrd. Dollar des 27-Mrd.-Defizits identifiziert worden, rund 12 Mrd. weitere sollten durch gemeinsame Anstrengungen gefunden werden.