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The Guardian berichtet über Evakuierungspläne westlicher Botschaften aus Kyiw – ukrainisches Außenministerium dementiert

The Guardian berichtete am 2. Oktober unter Berufung auf zwei hochrangige westliche Diplomaten, dass westliche Botschaften in Kyiw privat Notfallpläne für einen Umzug nach Lwiw oder Ostpolen ausarbeiten, falls Russland gezielt ausländische diplomatische Vertretungen angreift. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, erklärte, das Ministerium habe keine derartigen Anfragen oder Mitteilungen von ausländischen Missionen erhalten.

Das Wichtigste

  • The Guardian berichtete am 2. Oktober, zwei hochrangige westliche Diplomaten in Kyiw hätten die Erarbeitung von Notfallplänen für einen Botschaftsumzug nach Lwiw oder Ostpolen bestätigt.
  • Die Pläne sollen laut den zitierten Diplomaten nur dann aktiviert werden, wenn Russland gezielt ausländische diplomatische Vertretungen angreift.
  • Westliche Diplomaten bekunden öffentlich die Absicht, in Kyiw zu bleiben, da ein Abzug einen Propagandasieg für Moskau darstellen würde.
  • Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, erklärte, das Ministerium habe bis Freitagabend keine entsprechenden Anfragen oder Mitteilungen von ausländischen Vertretungen erhalten.
  • Tykhyi wies darauf hin, dass diplomatische Missionen das Außenministerium bei geplanten Umzügen informieren müssten.
  • Einer der anonymen westlichen Diplomaten sagte laut The Guardian, „Russland plant, Kyiw einzufrieren, es zurück in die Steinzeit zu drängen“; die Lage „verschlechtert sich eindeutig rapide“.

Warum es wichtig ist

Der Vorgang macht eine Glaubwürdigkeitslücke zwischen einem großen westlichen Medium, das sich auf anonyme hochrangige Diplomaten beruft, und der offiziellen ukrainischen Regierungslinie zu Botschaftsbewegungen in Kriegszeiten sichtbar. Sollten die gemeldeten Notfallpläne – ein Umzug nach Lwiw oder Ostpolen – tatsächlich umgesetzt werden, wäre dies ein schwerer symbolischer Rückschlag für die Ukraine und ein Propagandasieg für Moskau, wie die Diplomaten selbst einräumen. The Guardian verknüpft die Planungen mit einer sich verschlechternden Luftverteidigungslage in Kyiw, einschließlich eines Mangels an Patriot-Abfangraketen und schwerer abzufangender russischer düsengetriebener Drohnen neuerer Generation.

Was geschehen ist

Am 2. Oktober 2026 berichtete The Guardian unter Berufung auf zwei hochrangige westliche Diplomaten in Kyiw, die anonym sprachen, dass westliche Botschaften privat Notfallpläne für einen Umzug nach Lwiw oder Ostpolen ausarbeiten. Diese Pläne seien als Vorsorge für den Fall gedacht, dass Russland gezielt ausländische diplomatische Vertretungen in Kyiw angreift. Gleichzeitig erklärten westliche Diplomaten öffentlich, sie beabsichtigten, in Kyiw zu bleiben, da ein Abzug als Propagandasieg Moskaus und als Signal der Aufgabe der Ukraine gewertet würde. Einer der anonymen Diplomaten sagte gegenüber The Guardian, die Lage „verschlechtere sich eindeutig rapide“ und „Russland plant, Kyiw einzufrieren, es zurück in die Steinzeit zu drängen“. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, wies den Bericht am selben Tag zurück: Das Ministerium habe keine Anfragen oder Mitteilungen von ausländischen Missionen über Umzugspläne erhalten. Tykhyi wies darauf hin, dass diplomatische Vertretungen das Außenministerium nach geltender Verfahrensweise über geplante Umzüge informieren müssten, und sagte, er wisse nicht, woher einige ausländische Medien diese Information bezogen hätten. Das Zentrum für Desinformationsbekämpfung beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine verwies auf Tykhyis Aussage und rief dazu auf, sich nur auf offizielle Quellen zu stützen. Kyiws Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte am Freitag, die Hauptstadt befinde sich in einer „sehr dramatischen Lage“; ein Leben wie in Friedenszeiten sei nicht mehr möglich. Energieminister Denys Shmyhal legte europäischen Kollegen nach Angaben von The Guardian einen abgefangenen russischen Plan für Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur vor, der bis zu 1.000 Raketen, Drohnen und Bomben gegen Umspannwerke, Wasser- und Wärmekraftwerke sowie Heizhäuser vorsieht.

Wo die Berichte auseinandergehen

The Guardian berichtet unter Berufung auf zwei hochrangige westliche Diplomaten in Kyiw, die anonym sprachen, dass Notfallpläne für einen Umzug westlicher Botschaften nach Lwiw oder Ostpolen ausgearbeitet werden. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, widerspricht: Das Ministerium habe keine derartigen Anfragen oder Mitteilungen von ausländischen Missionen erhalten; nach geltender Verfahrensweise müssten Missionen das Außenministerium über geplante Umzüge informieren. Zusätzlich charakterisiert The Guardian die Luftverteidigungslage in Kyiw als „rapid verschlechternd“ mit akutem Mangel an Patriot-Abfangraketen und dem Aufkommen einer neuen Generation russischer düsengetriebener Drohnen, die schwerer abzufangen sind – die Dementierung des Außenministeriums bezieht sich ausschließlich auf die Botschaftsumzüge und äußert sich nicht direkt zur Luftverteidigungssituation.

Hintergrund

Bereits Ende Mai 2025 hatte der russische Außenminister Sergei Lawrow Amerikaner zur Evakuierung der US-Botschaft aus Kyiw aufgerufen; die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte daraufhin, die US-Botschaft habe Kyiw verlassen – was sowohl das ukrainische Außenministerium als auch die US-Botschaft selbst dementierten. Am 14. Februar 2022, vor dem Beginn der großangelegten Invasion, kündigte die USA die Verlagerung ihrer Botschaft nach Lwiw an; Teile des Personals wurden später nach Polen verlegt. Großbritannien nahm die Arbeit seiner Botschaft Ende April 2022 in Kyiw wieder auf, die USA am 18. Mai 2022. Die polnische Botschaft unter Botschafter Bartosz Cichocki blieb in den ersten Kriegsmonaten in Kyiw, ebenso die Apostolische Nuntiatur des Heiligen Stuhls mit dem nötigen Personal.