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Schröder feiert Putins 74. Geburtstag in Moskau – scharfe Kritik aus Berlin und Brüssel

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 7. Oktober den 74. Geburtstag von Wladimir Putin in dessen Haus in Russland gefeiert. Nach Angaben des Kremls erfuhr Putin aus den Medien von Schröders Ankunft in Moskau und lud ihn ein. Die Reise stand laut Berichten im Zusammenhang mit Schröders neuer Rolle im Aufsichtsrat der russischen Globus-Tochter Hyperglobus. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich "zutiefst empört" und nannte das Treffen "absolut amoralisch". Politiker aus Bundestag und Europaparlament sowie SPD-Co-Chef Lars Klingbeil kritisierten die Reise scharf; einzelne SPD-Vertreter verteidigten Schröder.

Das Wichtigste

  • Putin feierte seinen 74. Geburtstag am 7. Oktober in Gegenwart von Altkanzler Gerhard Schröder (82).
  • Der Kreml veröffentlichte Fotos beider vor einem russischen Holzofen mit Samowar und Walenki auf Telegram und auf der Plattform Max, aber nicht auf Putins offizieller Website.
  • Schröder war als Mitglied des Aufsichtsrats der russischen Globus-Tochter Hyperglobus nach Moskau gereist; das Auswärtige Amt, die Botschaft in Kyjiw und das Bundesinnenministerium waren vorab nicht informiert.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich nach Angaben von Vizeregierungssprecher Steffen Mayer "zutiefst empört" und nannte das Treffen "absolut amoralisch".
  • Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) nannte das Treffen eine "Schande für Deutschland" und einen "Verrat an Europa"; SPD-Co-Chef Lars Klingbeil nannte es "völlig inakzeptabel".
  • Die EVP-Verteidigungsausschussvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) bezeichnete Schröder als "frechsten Rentner Deutschlands" und kritisierte sein Fernbleiben von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen aus gesundheitlichen Gründen.
  • Im Mai hatte Putin Schröder als europäischen Vermittler im Ukraine-Krieg vorgeschlagen; die Ukraine, Berlin und Brüssel lehnten dies ab.

Warum es wichtig ist

Ein ehemaliger Regierungschef eines großen EU-Staates feierte öffentlich den Geburtstag des Verantwortlichen für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bundeskanzler Merz bezeichnete das Verhalten Schröders als "absolut amoralisch"; Politiker aus Bundestag und Europaparlament sprachen von einer "Schande für Deutschland" und einem "Verrat an Europa". Der Fall offenbart Spannungen innerhalb der SPD, deren Co-Chef Lars Klingbeil die Reise scharf verurteilte, während einzelne Genossen Schröder als möglichen Vermittler ins Spiel brachten. Schröders neue Rolle bei der russischen Globus-Tochter wirft zudem Fragen zu fortbestehenden deutschen Wirtschaftsbeziehungen nach Russland während des Krieges auf.

Was geschehen ist

Wladimir Putin beging am Mittwoch, 7. Oktober, seinen 74. Geburtstag in Gegenwart des früheren deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (82). Nach Darstellung des Kremls erfuhr Putin am Morgen aus den Medien, dass Schröder in Moskau sei, und lud ihn in sein Haus ein. Der Kreml veröffentlichte Fotos der beiden vor einem traditionellen russischen Holzofen mit Pferdefiguren, Samowar und Walenki auf offiziellen Telegram-Kanälen und auf der Plattform Max, jedoch nicht auf Putins offizieller Website. Als möglichen Ort der Begegnung nennen Quellen Putins Residenz in Waldai. Schröder war nach eigenen Angaben als neues Mitglied des Aufsichtsrats der russischen Globus-Tochter Hyperglobus nach Moskau gereist; das Auswärtige Amt, die deutsche Botschaft in der Ukraine und das Bundesinnenministerium waren vorab nicht informiert worden. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Steffen Mayer "zutiefst empört" und wertete Schröders Verhalten als "absolut amoralisch".

Wo die Berichte auseinandergehen

Die ukrainischen Quellen weichen bei der Datierung der Berichterstattung über Schröders Einladung voneinander ab: Ein Artikel verweist auf eine TASS-Meldung vom 8. Oktober, ein anderer datiert die Feier auf Mittwoch, den 7. Oktober, und die Meldung der russischen Agentur auf Freitag, den 9. Oktober. Zudem ist der Name des SPD-Politikers, der Schröder verteidigte, in den Quellen uneinheitlich wiedergegeben – teils als "Rainer Stegner", teils als "Ralf Stegner".

Hintergrund

Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 deutscher Bundeskanzler und führte die SPD von 1999 bis 2004. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt arbeitete er jahrelang für russische Energiekonzerne, darunter Rosneft (bis 2022 als Aufsichtsratsvorsitzender) und Nord Stream. Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 distanzierte er sich nicht vom Kreml. Im Januar 2026 forderte er die Wiederherstellung der Energiekooperation mit Russland und warnte vor einer Dämonisierung des Landes. Am 9. Mai schlug Putin ihn als europäischen Vermittler in Verhandlungen zur Beendigung des Krieges vor; die Ukraine, Berlin und Brüssel lehnten dies ab. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, Schröder sei ein hochrangiger Lobbyist russischer Staatskonzerne, weshalb Putin ihn als Vermittler wolle. Im Juni 2025 wurde Schröder vor dem Petersburger Wirtschaftsforum in Russland gesehen.