Zelensky und Trump sprechen in New York über Energie-Waffenstillstand, Patriot-Lizenzen und Graham-Sanktionen
Am 22. September trafen sich die Präsidenten der Ukraine und der USA, Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump, am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Im Zentrum standen ein gegenseitiger Energie-Waffenstillstand, Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen in der Ukraine und der Verweis auf das neu unterzeichnete Sanktionsgesetz von Senator Lindsey Graham.
Das Wichtigste
- Treffen am 22. September in New York am Rande der 81. UN-Generalversammlung; Selenskyj und Trump sprachen sieben Minuten vor der Presse und anschließend hinter verschlossenen Türen weiter.
- Selenskyj schlug ein gegenseitiges Ende der Angriffe auf Energieinfrastruktur vor, sofern Russland seinerseits die ukrainische Energie-, Heiz- und Wasserversorgung verschont; die US-Seite sagte zu, den Vorschlag an Moskau zu übermitteln.
- Selenskyj bat um Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abwehrraketen in der Ukraine und um ein zusätzliches Winter-Luftabwehrpaket; nach eigenen Angaben erhielt er zu den Winter-Lieferungen keine konkrete Antwort, aber auch keine Absage.
- Trump sagte, der Krieg werde "schneller enden, als die Menschen denken", und signalisierte die Bereitschaft, das neu unterzeichnete "Graham-Gesetz" mit Zöllen von bis zu 100 Prozent gegen Käufer russischer Energieträger notfalls anzuwenden.
- Trump bezeichnete Putin als bereit für ein Treffen zur Beendigung des Krieges; Selenskyj erklärte dagegen, Putin sei weder zu einem Trilateratismus bereit noch bereit, den Krieg zu beenden.
- Am 18./19. September unterzeichnete Trump das Gesetz HR 5334, den "Lindsey O. Graham Act Imposing Sanctions on Russia and Iran 2026"; der Senat hatte am 7. August zugestimmt, das Repräsentantenhaus am 16. September.
Warum es wichtig ist
Das Treffen war das ranghöchste persönliche Gespräch zwischen Selenskyj und Trump seit Beginn der UN-Generalversammlungswoche 2026 und die erste Gelegenheit für substanzielle Beratungen nach Unterzeichnung des neuen Sanktionspakets. Selenskyj verband das Gespräch mit drei konkreten Forderungen: einem gegenseitigen Energie-Waffenstillstand, der Lizenzierung der Patriot-Produktion in der Ukraine und einem zusätzlichen Winter-Luftabwehrpaket. Trump verband sich öffentlich mit einem nahen Kriegsende ("schneller, als die Menschen denken") und setzte die neuen Sanktionsbefugnisse als Druckmittel in Stellung, was die Einsätze für Moskau, Kiew und die europäischen Partner erhöhte. Dass die beiden Staatschefs öffentlich divergierten, ob Putin zu einem trilateralen Treffen bereit sei, signalisiert, dass die diplomatische Spur zwischen Washington und Kiew noch nicht abgestimmt ist.
Was geschehen ist
Am Dienstag, dem 22. September, trafen sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der US-Präsident Donald Trump am Rande der 81. UN-Generalversammlung in New York. Die Delegationen unter Selenskyj umfassten unter anderem den Leiter des Präsidialamts, Kyrylo Budanow, den Chef des Auslandsnachrichtendienstes, Rustem Umerow, Außenminister Andrij Sybiha, den Fraktionsvorsitzenden von "Diener des Volkes", Davyd Arakhamia, und den stellvertretenden Leiter des Präsidialamts, Pawlo Palisa. Auf US-Seite nahmen Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner teil. Der für die Presse zugängliche Teil des Treffens dauerte etwa sieben Minuten, danach wurde hinter verschlossenen Türen weiterverhandelt.
Im Zentrum stand ein gegenseitiger Energie-Waffenstillstand: Selenskyj schlug vor, die Angriffe auf russische Energieinfrastruktur (einschließlich Raffinerien) einzustellen, sofern Russland im Gegenzug die Angriffe auf das ukrainische Energiesystem, Heizung und Wasserversorgung stoppt. Die US-Seite sagte zu, den Vorschlag an Russland weiterzuleiten. Selenskyj erklärte, von den USA sei nicht gefordert worden, dass die Ukraine einseitig ihre Angriffe auf russisches Gebiet einstellt.
Zweites Thema war die Patriot-Luftabwehr. Selenskyj bat um Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abwehrraketen in der Ukraine und um zusätzliche Interzeptoren für den kommenden Winter; nach seinen Angaben äußerte Trump sich positiv zu Lizenzen, gab aber zu Winterlieferungen keine konkrete Antwort und sagte auch nicht "nein". Der ukrainischen Seite zufolge hat Raytheon (RTX) Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert; die Aufnahme der Produktion würde nach Schätzung Kiews etwa ein bis eineinhalb Jahre dauern.
Drittens verwies Trump auf das kurz zuvor unterzeichnete Sanktionsgesetz HR 5334, den "Lindsey O. Graham Act Imposing Sanposing Sanctions on Russia and Iran 2026", das Zölle von bis zu 100 Prozent auf Käufer russischer Energieträger erlaubt. Trump sagte, er werde das Instrument notfalls anwenden. In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung erklärte Trump, der Krieg werde "schneller enden, als die Menschen denken", und bezeichnete sowohl Selenskyj als auch Putin als bereit, den Krieg zu beenden. Selenskyj widersprach dem in Bezug auf Putin und erklärte, dieser sei weder zu einem trilateralen Treffen noch zur Beendigung des Krieges bereit.
Wo die Berichte auseinandergehen
Zwischen den Wortmeldungen von Trump und Selenskyj zur Bereitschaft Putins für ein trilaterales Treffen klafft eine Lücke: Trump sagte, Putin sei bereit, sich zu treffen und wolle den Krieg beenden; Selenskyj sagte, Putin sei weder zu einem trilateralen Treffen noch zur Beendigung des Krieges bereit. Die Berichte von The Guardian und Reuters vor dem Treffen gingen zudem auseinander, wer beim Gespräch auf einen Energie-Waffenstillstand drängen würde: The Guardian erwartete Druck von Trump auf Selenskyj, Reuters sah Selenskyj als treibende Kraft. Schließlich divergierten Quellen zum genauen Datum, an dem Trump das Graham-Sanktionsgesetz unterzeichnete: 19. September, in der Nacht vom 18. auf den 19. September, beziehungsweise "vergangene Woche" während einer Würdigung des verstorbenen Senators Lindsey Graham.
Hintergrund
Das Treffen fand am Rande der High-Level-Woche der 81. UN-Generalversammlung (22. bis 28. September 2026) in New York statt; die Rede Selenskyjs vor der Versammlung war für den 23. September angesetzt. Am 18./19. September unterzeichnete Trump das Gesetz HR 5334, den "Lindsey O. Graham Act Imposing Sanctions on Russia and Iran 2026", nachdem der Senat am 7. August und das Repräsentantenhaus am 16. September zugestimmt hatten. Mitautor Senator Lindsey Graham war am 11. Juli 2026 gestorben. Das Gesetz erlaubt Zölle von bis zu 100 Prozent auf Länder, die russische Energieträger kaufen, und weitet Sanktionen auf russische Amtsträger, Finanz- und Energieunternehmen, ausländische Zulieferer und die "Schattenflotte" aus. Bereits im September hatte Selenskyj angeboten, Putin am G7-Gipfel in Frankreich zu treffen; Russland zeigte sich damals nicht gesprächsbereit. Ein trilaterales Treffen Selenskyj-Trump-Putin am G20-Gipfel im Dezember in Miami wurde öffentlich ins Spiel gebracht, doch Bloomberg berichtete am 22. September, Putin werde wahrscheinlich fernbleiben; der Kreml hatte das Szenario öffentlich in Frage gestellt. Der französische Präsident Emmanuel Macron erörterte mit Trump am Rande der UN-Generalversammlung ebenfalls eine Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland bei Angriffen auf den Energiesektor. US-Außenminister Marco Rubio sagte bei Fox News, ein "Energie-Waffenstillstand", der weder ukrainische Infrastruktur noch russische Energieträger zum Ziel habe, sei eine "großartige Idee", und zeigte sich besorgt über Angriffe, die "wahrscheinlich unbeabsichtigt" US-gebundene Schiffe und Öllieferungen getroffen hätten. In den Tagen vor dem Treffen hatte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energieanlagen, darunter eine schwere Attacke auf eine Moskauer Raffinerien, intensiviert; Trump hatte Selenskyj am 20. September in einem Telefonat gedrängt, diese Angriffe einzustellen, und verwies auf die globalen Dieselpreise.