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Ukraine bittet Europa zusätzlich um 27 Milliarden Dollar – EU mit unerwartetem Defizit konfrontiert

Präsident Selenskyj hat europäische Partner darüber informiert, dass die Ukraine bis Jahresende zusätzlich 27 Milliarden US-Dollar zur Deckung eines unerwarteten Verteidigungsdefizits benötigt. Europäische Beamte zeigten sich von der Höhe überrascht und stellen intern die Effizienz der Mittelverwendung in Frage, während Brüssel noch den Finanzierungsbedarf prüft.

Das Wichtigste

  • Präsident Selenskyj erklärte gegenüber europäischen Partnern, die Ukraine benötige bis Ende 2026 zusätzlich 27 Mrd. US-Dollar.
  • Im April 2026 hatte die EU einen Kredit von über 100 Mrd. US-Dollar zugesagt, der über zwei Jahre ausgezahlt wird (Hälfte 2026, Hälfte 2027).
  • Europäische Beamte und Diplomaten zeigten sich von der Größe des Defizits überrascht und hatten es nicht erwartet.
  • Einige europäische Beamte hinterfragen intern, ob die Mittel effizient eingesetzt werden oder ob die ukrainischen Bedarfe zu hoch angesetzt sind.
  • Die Ukraine fordert die Nutzung der über 200 Mrd. US-Dollar an eingefrorenen russischen Staatsvermögen bei Euroclear; Belgien lehnt eine Konfiskation ab.
  • Acht europäische Diplomaten sehen eine beschleunigte Auszahlung des bestehenden EU-Kredits als realistischste schnelle Option, was die Mittel für 2027 verringern würde.
  • Die USA haben ihre finanzielle Unterstützung für die Ukraine reduziert, was die Bedeutung europäischer Finanzierung erhöht.

Warum es wichtig ist

Mitten in einem Kriegsjahr bittet die UkraineVerbündete um zig Milliarden Dollar an ungeplanter Zusatzfinanzierung. Europäische Beamte wurden von der Höhe überrascht und stellen intern die Effizienz der Mittelverwendung infrage – ein bemerkenswerter Vertrauensverlust in einem Moment, in dem Kiew auf Geschlossenheit der Verbündeten angewiesen ist. Da die USA ihre finanzielle Unterstützung reduziert haben, lastet der Druck nun stärker auf europäischen Haushalten. Die Debatte über die Nutzung eingefrorener russischer Vermögen gewinnt gleichzeitig als mögliche Finanzierungsquelle wieder an Fahrt, stößt aber auf belgischen Widerstand.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj informierte europäische Partner darüber, dass die Ukraine bis Ende 2026 zusätzlich 27 Milliarden US-Dollar zur Deckung eines unerwarteten Verteidigungsbudgetdefizits benötigt. Der zusätzliche Bedarf umfasst Waffenbeschaffung, Soldzahlungen und Zahlungen an Familien gefallener Soldaten. Europäische Beamte und Diplomaten zeigten sich von dieser Höhe überrascht – noch zu Jahresbeginn war laut der Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Parlaments, Roksolana Pidlas, nur ein Fehlbetrag von rund 7,5 Milliarden US-Dollar erwartet worden. Pidlas nennt zudem eine abweichende Zahl von 29,5 Milliarden US-Dollar, die sie für das restliche Jahr als nötig erachtet. Selenskyj erklärte, Teile der Ausgaben seien unter dem früheren Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entstanden; Fedorow wies dies zurück und verwies auf Projekte der neuen Ministeriumsleitung. Die Europäische Kommission, vertreten durch Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis, hat nach einem Treffen mit Premierminister Serhij Korezkyj angekündigt, zunächst ein klares Bild der ukrainischen Finanzlage benötigen. Als realistischste schnelle Option gilt acht europäischen Diplomaten zufolge eine beschleunigte Auszahlung des bestehenden EU-Kredits – zulasten der Mittel für 2027. Daneben fordert die Ukraine, die über 200 Milliarden US-Dollar eingefrorener russischer Staatsvermögen bei Euroclear in Brüssel zur Finanzierung zu nutzen.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt die 27-Milliarden-Dollar-Forderung als plötzliches und überraschend großes Defizit in den Vordergrund. Sie betont zugleich das bestehende EU-Kreditvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar und die Möglichkeit, dessen Auszahlung zu beschleunigen. Hervorgehoben wird der ukrainische Appell, eingefrorene russische Vermögen zu nutzen, sowie das Argument von Außenminister Andrij Sybiha, dass Geld jetzt gebraucht werde und nicht als Verhandlungshebel für die Zukunft dienen solle. Im Zentrum steht zudem der innenpolitische Streit um die Verantwortung für das Defizit, insbesondere die öffentliche Auseinandersetzung zwischen Selenskyj und dem früheren Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Internationale Medien berichten vor allem über die Überraschung und die internen Zweifel europäischer Beamter an der Effizienz der Mittelverwendung und daran, ob die ukrainischen Bedarfe möglicherweise zu hoch angegeben wurden. Sie betonen, dass die USA ihre finanzielle Unterstützung gekürzt haben und damit die Last auf europäischen Haushalten wächst. Hervorgehoben wird Belgiens Widerstand gegen eine Konfiskation der eingefrorenen russischen Vermögen mit Verweis auf Präzedenzwirkung und Risiken für die Finanzstabilität. Zugleich verweisen sie auf das diplomatische Risiko: Die Bitte kommt in einem Moment, in dem die Ukraine besonders auf Geschlossenheit der Verbündeten angewiesen ist.

Wo die Berichte auseinandergehen

Die Höhe des Bedarfs wird unterschiedlich angegeben: Selenskyj nennt 27 Mrd. US-Dollar, während die Vorsitzende des Haushaltsausschusses Roksolana Pidlas von 29,5 Mrd. US-Dollar spricht. Uneinigkeit besteht zudem über die Ursache der Einnahmeausfälle: In einer Version führt Pidlas den Verlust etwa der Hälfte der erwarteten Einnahmen auf russische Angriffe auf Industrie und Getreideexportkorridore im vergangenen Monat zurück, in einer anderen auf das gesamte Jahr 2025. Schließlich streiten Selenskyj und der frühere Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow über die Verantwortung: Selenskyj sagt, Teile der Ausgaben stammten aus Fedorows Amtszeit; Fedorow bestreitet, dass ein so großes Defizit unter ihm bestanden habe, und führt die aktuelle Lücke auf Projekte der neuen Ministeriumsleitung zurück.

Hintergrund

Im April 2026 hatte die EU einen Kredit von über 100 Milliarden US-Dollar für die Ukraine vereinbart, der über zwei Jahre ausgezahlt wird – die Hälfte 2026, die Hälfte 2027. Die Ukraine fordert seit Längerem die Nutzung der mehr als 200 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen russischen Staatsvermögen bei Euroclear in Brüssel; Belgien lehnt eine Konfiskation mit Verweis auf Präzedenzwirkung und Risiken für die Finanzstabilität ab. Zu Jahresbeginn 2026 war laut Roksolana Pidlas nur ein Fehlbetrag von rund 7,5 Milliarden US-Dollar erwartet worden. Der frühere Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow ist kürzlich von seinem Posten zurückgetreten und bestreitet, dass das Defizit in dieser Größenordnung unter seiner Führung entstanden sei.