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Ukraine bittet europäische Verbündete um zusätzliche 27 Milliarden Dollar bis Jahresende

Präsident Selenskyj hat europäischen Partnern mitgeteilt, dass die Ukraine bis Ende des Jahres weitere 27 Milliarden US-Dollar benötigt. Europäische Beamte zeigten sich von der Höhe des Defizits überrascht und prüfen Umfang, Ursachen und mögliche Finanzierung. Diskutiert werden eine beschleunigte Auszahlung des EU-Kredits und die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte.

Das Wichtigste

  • Präsident Selenskyj erklärte gegenüber europäischen Partnern, die Ukraine benötige bis Jahresende zusätzliche 27 Milliarden US-Dollar.
  • Die EU hatte im April 2026 einen Kredit von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zugesagt, der über zwei Jahre ausgezahlt werden soll.
  • Acht europäische Diplomaten und Beamte sehen eine beschleunigte Auszahlung des EU-Kredits als realistischste kurzfristige Option; die EU-Kommission prüft das Defizits noch.
  • Im belgischen Euroclear-Depot liegen mehr als 200 Milliarden US-Dollar eingefrorener russischer Staatsvermögen; Belgien lehnt eine Konfiskation ab.
  • Die Ukraine wandte sich auch an Großbritannien, Kanada und Japan, um die Finanzierungslücke zu schließen.
  • Die USA haben ihre finanzielle Unterstützung für Kiew gekürzt, was europäische Mittel noch wichtiger macht.
  • Die Ukraine hat noch keine vollständige Aufschlüsselung ihres kurzfristigen Budgetbedarfs veröffentlicht.

Warum es wichtig ist

Die Bitte stellt die europäischen Partner kurzfristig vor eine Finanzierungsfrage in einer Phase, in der die Ukraine auf deren Unterstützung angewiesen ist. Europäische Beamte prüfen, ob das Defizits tatsächliche Finanzierungsengpässe widerspiegelt, erhöhten Bedarf oder überhöhte Anforderungen. Eine beschleunigte Auszahlung des EU-Kredits könnte kurzfristig Geld bringen, würde aber die Mittel im Folgejahr verringern. Da die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte politisch umstritten bleibt, bleibt eine große potenzielle Finanzierungsquelle blockiert.

Was geschehen ist

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat europäischen Partnern mitgeteilt, dass die Ukraine bis Ende des Jahres zusätzliche 27 Milliarden US-Dollar benötigt. Nach Angaben Selenskyjs umfasst der Bedarf Waffenbeschaffungen, Sold für das Militär und Zahlungen an Familien gefallener Soldaten. Europäische Beamte, die zu Jahresbeginn einem EU-Kredit von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zugestimmt hatten, zeigten sich vom Umfang des Defizits überrascht und stellten intern Fragen zur Wirksamkeit der Mittelverwendung und zur Begründetheit der ukrainischen Forderungen. Die EU-Kommission prüft derzeit Größe und Ursachen des Defizits. Acht europäische Diplomaten und Beamte sehen eine beschleunigte Auszahlung des bereits genehmigten EU-Kredits als eine der realistischsten kurzfristigen Optionen – was allerdings weniger Mittel für das Folgejahr bedeuten würde. Die Ukraine hat zudem Großbritannien, Kanada und Japan um Hilfe bei der Deckung der Lücke gebeten und fordert die EU auf, die mehr als 200 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen russischen Staatsvermögen bei Euroclear in Belgien zur Finanzierung heranzuziehen. Eine vollständige Aufschlüsselung des kurzfristigen ukrainischen Budgetbedarfs liegt bislang nicht vor.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt den Umfang des zusätzlichen Finanzbedarfs und den unmittelbaren Druck auf die Verteidigungsausgaben in den Vordergrund. Ukrainische Gesprächspartner werden als Akteure dargestellt, die Mittel von mehreren internationalen Partnern einwerben und zugleich auf die Bedürfnisse von Waffenbeschaffung, Militärpersonal und Familien gefallener Soldaten verweisen. Eingefrorene russische Vermögenswerte werden als potenziell wichtige Quelle rascher Finanzierung präsentiert; zugleich wird die Notwendigkeit betont, gegenüber europäischen Beamten Klarheit über die Finanzierungslücke zu schaffen.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Die internationale Berichterstattung hebt die Überraschung europäischer Beamter über die Höhe des Defizits hervor und thematisiert deren Fragen zur Wirksamkeit der Mittelverwendung und zur Rechtfertigung der Forderung. Europäische Beamte werden als Akteure dargestellt, die Größe und Ursachen der Lücke bewerten und Finanzierungsmöglichkeiten gegen innenpolitische Haushaltsprioritäten abwägen. Besonders betont wird die belgische Opposition gegen eine Konfiskation der eingefrorenen russischen Vermögenswerte als Hemmschuh für deren Nutzung.

Hintergrund

Die EU hatte im April 2026 nach einem politisch schwierigen Prozess einen Kredit von mehr als 100 Milliarden US-Dollar für die Ukraine genehmigt, der über zwei Jahre ausgezahlt werden soll – die Hälfte 2026, der Rest 2027. Im belgischen Euroclear-Depot in Brüssel werden mehr als 200 Milliarden US-Dollar eingefrorener russischer Staatsvermögen verwahrt; Belgien lehnt deren Konfiskation wegen Präzedenzwirkung und Risiken für die Finanzstabilität ab. Ein früherer Plan, diese Vermögenswerte zur Besicherung eines Ukraine-Kredits heranzuziehen, war am Widerstand Belgiens und anderer Länder gescheitert. Die USA haben ihre finanzielle Unterstützung für Kiew gekürzt, was europäische Mittel noch wichtiger macht. Schweden und andere EU-Länder versuchen, die Idee einer Nutzung der eingefrorenen Vermögenswerte ohne Belastung nationaler Haushalte wiederzubeleben. Das ukrainische Finanzministerium schätzt das Budget-Dedefizit des nächsten Jahres auf 16 Milliarden Euro, die Nationalbank beziffert den Bedarf an externer Finanzierung auf 12,7 Milliarden US-Dollar.