Finnlands Präsident und Norwegens Ministerpräsident telefonierten mit Putin
Alexander Stubb und Jonas Gahr Støre initiierten am 27. Oktober ein Telefonat mit Wladimir Putin und sprachen mit ihm über den Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie mögliche Verhandlungen. Anschließend teilten sie Wolodymyr Selenskyj mit, nach ihrem Eindruck sei Russland ernsthaft an einer technischen tripartiten Verhandlung in Abu Dhabi interessiert. Die Europäische Kommission sieht dagegen keine besondere Bereitschaft Putins zu Friedensverhandlungen.
Das Wichtigste
- Alexander Stubb und Jonas Gahr Støre führten am 27. Oktober ein 90-minütiges Telefonat mit Wladimir Putin; geplant waren 20 Minuten.
- Die norwegischen und finnischen Spitzenpolitiker handelten als Vertreter ihrer eigenen Länder, nicht des EU.
- Vor dem Telefonat besprachen Stubb und Støre mit Selenskyj die Agenda der geplanten tripartiten Verhandlung in Abu Dhabi.
- Nach eigener Einschätzung von Stubb und Støre ist Russland ernsthaft an der Verhandlung in Abu Dhabi interessiert.
- Kiew will dort erste Deeskalationsschritte in Energie und Seehandel, den Austausch von Gefangenen und ein mögliches Format für ein Treffen auf Leitungsebene besprechen.
- Die Durchführung der technischen Verhandlung in Abu Dhabi hängt nach Angaben Selenskyjs von der Position der USA ab.
- Die Europäische Kommission erkennt keine besondere Bereitschaft Putins zur Teilnahme an Friedensverhandlungen.
Warum es wichtig ist
Das Telefonat eröffnete einen zusätzlichen europäischen Kommunikationskanal über den Krieg in der Ukraine. Zugleich verdeutlichten Putins Forderungen nach Anerkennung der „Realitäten vor Ort“ und nach einer Lösung der vermeintlichen „ersten Ursachen“ des Konflikts, wie wenig Spielraum in zentralen Streitfragen besteht. Die unterschiedlichen Einschätzungen von Stubb und Støre einerseits und der Europäischenischen Kommission andererseits bestimmen, wie glaubhaft die mögliche Resumption tripartiter Verhandlungen in Abu Dhabi einzuschätzen ist.
Was geschehen ist
Präsident Alexander Stubb und Ministerpräsident Jonas Gahr Støre initiierten am 27. Oktober aus eigener Initiative ein Telefonat mit Wladimir Putin. Sie sprachen über den Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Beendigung des Konflikts und die Sicherheit im Baltikum sowie in Nordeuropa. Das Gespräch war als Fortsetzung ihres Treffens in Oslo am 20. Oktober vorgesehen und dauerte 90 Minuten statt der ursprünglich geplanten 20 Minuten. Vorher hatten sie mit Wolodymyr Selenskyj über die Agenda der für Anfang November in Abu Dhabi geplanten technischen Verhandlung zwischen den Teams von Ukraine, den USA und Russland gesprochen. Anschließend berichteten sie Selenskyj, dass ihrer Einschätzung nach Russland die Verhandlung ernsthaft anstrebe.
Putin sprach nach den vorliegenden Berichten vor allem über die „ersten Ursachen“ des Krieges und verlangte, eine Friedensvereinbarung müsse die „Realitäten vor Ort“ berücksichtigen. Nach einer Quelle nahe dem Kreml sowie einer Reuters-Meldung war er nicht zu einem Kompromiss über den Donezker Conflikt bereit. Laut Financial Sources teilte Pутин den norwegischen und finnischen Politikern in der zweiten Hälfte der Unterhaltung mit, dass die Donbass-Region Gegenstand der „Realitäten vor Ort“ sei, und zeigte sich gesprächsweise über die aktuellen Positionen von Kiew und den europäischen Unterstützern verärgert.
Die Europäische Kommission, die vorab über das Telefonat informiert worden war, erklärte dagegen, sie sehe keine besondere Bereitschaft Putins zur Teilnahme an Friedensverhandlungen. Sie mahnte die EU-Staaten zu einer gemeinsamen Position und abgestimmten Mitteilungen gegenüber Moskau. Zudem lagen ihr nach eigener Aussage keine zusätzlichen Informationen über eine mögliche europäische Beteiligung an den Verhandlungen in Abu Dhabi vor.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
In der ukrainischen Darstellung є центральне місце посідає взаємодія України з майбутньою тристоронньою зустріччю в Абу-Дабі. Українська сторона пропонує порядок денний, який передбачає перші деескалаційні кроки в енергетиці та на морі, обмін полоненими й повернення їх додому, гарантії безпеки та обговорення можливого формату зустрічі на рівні лідерів. Територіальні питання розглядаються Києвом як «червона лінія», яку мають обговорювати лише лідери держав, що воюють. Окремо наголошено на залежності від позиції США та на роботі чинного складу переговорної групи.
Wie internationale Quellen darüber berichten
International bewertet wird das Telefonat als zusätzlicher Kontakt zwischen Moskau und europäischen Politikern, die Ukraine unterstützen, zugleich aber als Beleg für die Unveränderlichkeit der russischen Maximalforderungen. Im Mittelpunkt stehen Putins Weigerung zu einem territorialen Kompromiss, die von der EU angebotenen Sicherheitsgarantien, mögliche weitere Sanktionen und die Frage, ob und wie Europa an Verhandlungen teilhaben sollte. Zugleich sorgen die unterschiedlichen Bewertungen der Gesprächsteilnehmer und die ungewöhnliche Initiative zweier nordeuropäischer Regierungen für eine zwiespältige europäische Reaktion.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die zentralen Einschätzungen der Gesprächsergebnisse gehen auseinander: Stubb und Støre waren der Auffassung, dass Russland ernsthaft an der Verhandlung in Abu Dhabi interessiert ist, während die Europäische Kommission keine besondere Bereitschaft Putins erkannte. Auch das Ausmaß der vorherigen Unterrichtung ist uneinheitlich dargestellt. Einige Materialien geben an, dass die norwegischen und finnischen Politiker Ukraine und die USA vorab informierten und die Europäische Kommission vorab wusste; andere berichten, dass die übrigen europäischen Partner nicht vorab informiert wurden und це викликало обурення.
Hintergrund
Die technischen Dreiergespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland waren seit Februar des Vorjahres pausiert; eine Wiederaufnahme war für den Folgemonat vorgesehen. Vor dem Telefonat mit Putin besprachen Stubb und Støre mit Selenskyj die Agenda des geplanten Treffens in Abu Dhabi. Zuvor hatten die USA demilitarisierte Zonen im Donezker Gebiet und auf der Kinburner Halbinsel vorgeschlagen; die Ukraine erklärte sich bereit, entsprechende Kompromisse auf der entsprechenden Führungsebene zu erörtern. Ein zuvor in Brüssel geplantes Treffen mit den USA, EU-Staaten und dem NATO-Generalsekretär wurde auf Bitte der US-Seite wegen der Lage im Nahen Osten verschoben.