Erste Kyiw-Reise von Trumps Sondergesandten Witkoff und Kushner: Gespräche über Kriegsende und Sicherheitsgarantien
Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen sich am 5. September 2026 in Moskau mit Wladimir Putin und reisten am 6. September erstmals nach Kyiw, wo sie Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens trafen. In drei Gesprächsrunden wurden mögliche Parameter für ein Kriegsende, Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe und ein Winterhilfspaket erörtert. Selenskyj kündigte eine weitere Reise der Gesandten an und bestand auf einer Beteiligung europäischer Partner an allen künftigen Verhandlungsformaten.
Das Wichtigste
- Treffen Witkoffs und Kushners mit Putin am 5. September in Moskau dauerte über drei Stunden.
- Am 6. September reisten die Gesandten erstmals nach Kyiw zu Gesprächen mit Selenskyj.
- Drei Verhandlungsrunden in Kyiw; nationale Sicherheitsberater der E3-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) stießen zur zweiten Runde dazu.
- Themen: Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe, Luftverteidigungslieferungen und Winterhilfspaket.
- Selenskyj und die Gesandten einigten sich auf einen weiteren Besuch in der Ukraine.
- Selenskyj pocht auf Beteiligung europäischer Partner an allen künftigen Verhandlungsformaten.
- Witkoff sprach von "wesentlichen Fortschritten" und einer Grundlage für trilaterale Gespräche; der Kreml erklärte Ort und Termin als verfrüht.
Warum es wichtig ist
Die Kyiw-Reise von Witkoff und Kushner markiert die erste Shuttle-Diplomatie der Trump-Gesandten in die Ukraine seit Beginn der Verhandlungen über ein Kriegsende und signalisiert eine Wiederbelebung der US-Beteiligung. Mit der Einbindung der E3-Sicherheitsberater in der zweiten Verhandlungsrunde wurde ein Präzedenzfall für europäische Mitsprache geschaffen, den Selenskyj für alle künftigen Formate festschreiben will. Die Gespräche über Sicherheitsgarantien, ein Winterhilfspaket und die Ideen der Gesandten, die Selenskyj als „würdig" bezeichnete, ebnen den Weg für ein erwartetes Treffen Selenskyj–Trump in der zweiten Septemberhälfte und mögliche trilaterale Gespräche.
Was geschehen ist
Am 5. September 2026 empfing Wladimir Putin in Moskau über drei Stunden lang die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Am nächsten Morgen reisten die Gesandten mit dem Zug erstmals nach Kyiw, da Russland am Vortag die Startbahnen der Flughäfen Boryspil und Schuliany angegriffen hatte. In Kyiw fanden drei Verhandlungsrunden mit Präsident Wolodymyr Selenskyj statt; zur zweiten Runde stießen nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens hinzu. Auf ukrainischer Seite nahmen unter anderem Kyrylo Budanow, Rustem Umerow, Dawyd Arachamija und Serhij Kyslyzja teil. Die Gespräche behandelten Parameter für ein Kriegsende, Sicherheitsgarantien, wirtschaftliche Unterstützung, Luftverteidigungslieferungen und ein Winterhilfepaket. Selenskyj kündigte an, die Gesandten brächten „mehrere gute, würdige Ideen" mit, die zunächst ausgearbeitet werden müssten, und sicherte sich eine weitere Reise der Amerikaner in die Ukraine zu. Pawlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamts, unterrichtete die Gesandten gemeinsam mit dem Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj, dem HUR-Chef Oleh Iwaschtschenko und dem Luftwaffenkommandeur Anatolij Krywonoshko über die Lage an der Front, insbesondere über 15 Verschiebungen der russischen Fristen für die Einnahme des Gebiets Donezk und die hohen russischen Verluste pro Quadratkilometer. Witkoff erklärte, in Moskau seien „neue Ideen" gehört worden, die in Kyiw weitergegeben wurden, und sprach von „wesentlichen Fortschritten" sowie einer Grundlage für trilaterale Gespräche. Der Kreml erklärte indes, Ort und Termin seien verfrüht. Selenskyj bekräftigte seine Forderung, dass europäische Partner an allen künftigen Verhandlungsformaten beteiligt sein müssten.
Wie ukrainische Quellen darüber berichten
Ukrainische Quellen betonen den dreirundigen, substanziellen Charakter der Kyiw-Gespräche und die Teilnahme der E3-Sicherheitsberater als Präzedenz für europäische Mitsprache. Sie rücken die ausführlichen Briefings von Palisa, Drapatyj, Budanow, Iwaschtschenko und Krywonoshko in den Vordergrund: Russlands wiederholte Verschiebung der Fristen für die Donezek-Einnahme, die hohen Verluste pro Frontkilometer und das Fehlen eines russischen technologischen Durchbruchs bei Jets-Drohnen. Die ukrainischen Medien heben Selenskyjs Aussage hervor, die Gesandten hätten „mehrere gute, würdige Ideen" mitgebracht und eine Folgereise vereinbart – beides werten sie als Stärkung der ukrainischen Verhandlungsposition. Der Wechsel von Flug auf Zug wird auf die russischen Angriffe auf Boryspil und Schuliany zurückgeführt und als Beleg für Moskaus Versuch gewertet, die fehlende Sicherheit in der Ukraine zu demonstrieren.
Wie internationale Quellen darüber berichten
Die einzige nicht-ukrainische Quelle, Al Jazeera Arabic, stellt Washingtons Rahmung möglicher trilateraler Verhandlungen in den Mittelpunkt und berichtet US-geführte Diplomatie mit Äußerungen aus Moskau und Kyiw, ohne die detaillierten ukrainischen Frontbriefings oder die Forderung nach europäischer Beteiligung, die ukrainische Quellen betonen. Internationale Berichte stellen Witkoffs Ankündigung „wesentlicher Fortschritte" auf der Plattform X den Bloomberg-Informationen aus Kreml-nahen Kreisen gegenüber, die von „äußerst niedrigen" Erwartungen in Moskau sprechen, und unterstreichen so die Unsicherheit über die russische Verhandlungsbereitschaft.
Wo die Berichte auseinandergehen
In einer Reuters zugeschriebenen Aussage heißt es, Putin halte es aufgrund von Berichten seiner Kommandeure für möglich, dass russische Streitkräfte das restliche Gebiet Donezk bis „Ende des Jahres" einnehmen – ohne dass das Jahr genannt wird. Das steht im Widerspruch zu seiner ebenfalls berichteten politischen Zielsetzung, den Donbas bis Ende 2026 zu erobern, sowie zur Aussage seiner Militärs, die Frist auf den 31. März 2027 zu verschieben. Der Analyst Oleksandr Kraiew bewertet den Besuch als nachteilig für Kyiw, weil die Gesandten zuerst nach Moskau reisten und damit die für die Ukraine wichtige Shuttle-Reihenfolge durchbrachen; Selenskyj hingegen stellt denselben Besuch als Beweis für eine stärkere ukrainische Verhandlungsposition dar. Pressesprecher Dmitri Peskow erklärte, es sei verfrüht, über Ort und Termin trilateralarer Gespräche zu sprechen und Russland sei über die Kyiw-Kontakte noch nicht informiert; Selenskyj und Witkoff sprachen hingegen von einer „ substanziellen" Runde und einer bereits geschaffenen Grundlage für trilaterale Gespräche mit möglicher zeitnaher Ankündigung.
Hintergrund
Russland führt seit dem 24. Februar 2022 eine großangelegte militärische Offensive gegen die Ukraine. Moskau knüpft ein Ende des Krieges an den Verzicht Kyiws auf eine NATO-Mitgliedschaft – eine Forderung, die Kyiw als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten ablehnt. Im November des Vorjahres hatten die USA einen 28-Punkte-Plan nach Kyiw gebracht, der den Abzug aus dem Donbas, eine Verkleinerung der Armee und den Verzicht auf den NATO-Kurs vorsah; die Arbeit daran wurde trilateral fortgesetzt, ohne dass ein Gebietskonsens erzielt wurde. Witkoff und Kushner waren zuvor am 22. Januar gemeinsam nach Moskau gereist, was das Treffen am 5. September zu ihrer zweiten gemeinsamen Moskau-Reise machte. Nach Angaben von Pawlo Palisa will die russische politische Führung den Donbas bis Ende 2026 einnehmen, während die russischen Militärs nach 15 vorherigen Verschiebungen eine Verschiebung auf den 31. März 2027 beantragt haben. Die russischen Staatsduma-„Wahlen" sind für den 18.–20. September angesetzt, was die US-Gesandten als Auslöser einer angeblich neuen russischen Verhandlungsbereitschaft nannten. In den Kyiw-Gesprächen ging es auch um Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe, Lieferungen zur Luftverteidigung und ein Winterhilfspaket; 67 ukrainische Unternehmen arbeiten an Abfangdrohnen gegen die düsengetriebenen russischen UAVs.