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Witkoff und Kushner erstmals in Kiew: USA-Gesandte treffen Selenskyj und europäische E3-Berater

Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am 5. September Wladimir Putin in Moskau und reisten am 6. September erstmals nach Kiew. In drei Gesprächsrunden mit Präsident Wolodymyr Selenskyj, an deren zweiter Runde nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens teilnahmen, wurden neue Friedensideen, Sicherheitsgarantien und ein Winterhilfspaket erörtert. Beide Seiten vereinbarten weitere Treffen; Selenskyj lud die Gesandten zu einem erneuten Besuch mit seinem Präsidentenflugzeug ein.

Das Wichtigste

  • Witkoff und Kushner trafen Putin am 5. September in Moskau; das Gespräch dauerte laut russischen Medien über drei Stunden.
  • Am 6. September reisten die US-Sondergesandten erstmals nach Kiew und führten dort drei Gesprächsrunden mit Präsident Selenskyj.
  • An der zweiten Runde nahmen nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens (E3) teil.
  • Themen waren Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe, Luftverteidigungslieferungen und ein Winterhilfspaket.
  • Selenskyj und Witkoff bezeichneten die Kiewer Gespräche als „substantiell"; die USA kündigten auf X „substantiellen Fortschritt" an.
  • Einen Tag vor dem Besuch hatte Russland die Start- und Landebahnen der Flughäfen Boryspil und Schulyany beschossen; die US-Delegation reiste daraufhin mit dem Zug an.
  • Ukraine, USA und europäische Partner einigten sich auf ein Folgetreffen; Ort und Datum wurden nicht bekanntgegeben.

Warum es wichtig ist

Es war der erste Besuch der US-Sondergesandten in Kiew seit Beginn der Verhandlungen zur Beendigung des großangelegten Krieges; damit erhielt die Ukraine einen direkten Platz am Tisch, der zuvor fast ausschließlich über Moskau lief. Mit den nationalen Sicherheitsberatern Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens wurde ein westlicher Verhandlungsblock formalisiert, der die Gespräche aus einem rein bilateralen US-Russland-Kanal heraushebt. Ein Durchbruch blieb aus: Russland zeigte nach Einschätzung westlicher Analysten keine Bereitschaft zu Konzessionen, der Kreml nutzte den Besuch für das innenpolitische Bild vor den Dumawahlen am 18.–20. September, und beide Seiten rechnen mit einer Fortsetzung des Krieges durch den Winter, in dem Russland die Angriffe auf das ukrainische Energienetz voraussichtlich verschärfen wird.

Was geschehen ist

Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am 5. September in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen; das Gespräch dauerte nach Angaben russischer Medien über drei Stunden. Am folgenden Tag reisten sie nach Kiew – ihr erster Besuch in der Ukraine seit Beginn der Verhandlungen. Dort führten sie drei Gesprächsrunden mit Präsident Wolodymyr Selenskyj; an der zweiten Runde nahmen nationale Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens teil. Auf der Tagesordnung standen neue amerikanische Friedensideen, Sicherheitsgarantien, wirtschaftliche Unterstützung, Luftverteidigungslieferungen und ein Winterhilfspaket. Beide Seiten, Selenskyj und Witkoff, bezeichneten die Gespräche als „substantiell"; Witkoff sprach auf X von „substantiellem Fortschritt". Am 8. September führte US-Präsident Donald Trump ein Telefongespräch mit Putin. Einen Tag vor dem Kiew-Besuch hatten russische Streitkräfte die Start- und Landebahnen der Flughäfen Boryspil und Schulyany angegriffen. Die amerikanische Delegation reiste daraufhin mit dem Zug an; Selenskyj bot an, dass die Gesandten ihren Flieger beim nächsten Besuch in Polen oder einem anderen Nachbarland lassen und mit dem ukrainischen Präsidentenflugzeug nach Kiew fliegen könnten. Die stellvertretende Leiterin des Präsidialamts, Pawlo Palisa, erläuterte den Gesandten die russischen Pläne für den Donbass: 15-mal verschobene Fristen für das Erreichen der Grenzen des Gebiets Donezk, das politische Ziel einer Einnahme bis Ende 2026 und die Bitte des Militärs um Verschiebung auf den 31. März 2027. An der Sitzung nahmen auch der Generalstabschef Mychajlo Drapatyj, der Leiter des HUR Oleh Iwaschtschenko und der Kommandeur der Luftstreitkräfte Anatolij Krywonoshko teil. Nach den Verhandlungen erklärte Selenskyj, dass er im 20. September mit Trump zusammentreffen wolle. Ukraine, USA und europäische Partner einigten sich auf ein weiteres Treffen; Ort und Datum wurden nicht bekanntgegeben.

Wie ukrainische Quellen darüber berichten

Die ukrainische Berichterstattung stellt den Kiew-Besuch als Beleg für eine gestärkte Verhandlungsposition der Ukraine dar. Im Mittelpunkt steht die Erzählung Selenskyjs, dass Europa nun formell am Tisch sitze und dass es neue, wenn auch noch nicht öffentliche amerikanische Ideen gebe. Stark hervorgehoben wird die Sicherheitslogistik des Besuchs – die russischen Angriffe auf die Startbahnen von Boryspil und Schulyany, die Entscheidung der US-Delegation für den Zug und der alternative Belarus/Gomel-Umweg –, was Russland als die Seite darstellt, die die diplomatische Logistik untergräbt, während die Ukraine professionell vorbereitet war. Ausführlich berichtet wird über Briefings von Militär- und Geheimdienstführung (Palisa, Budanow, Drapatyj, Iwaschtschenko, Krywonoshko) zu russischen Plänen für den Donbass, wobei ukrainische Quellen die russischen Gebietsforderungen als faktische Kapitulationsbedingungen rahmen.

Wie internationale Quellen darüber berichten

Der einzige nicht-ukrainische Artikel (Al Jazeera, Katar, arabisch) überschreibt das Thema als „Washington spricht über trilaterale Verhandlungen zur Beendigung des Krieges, Moskau und Kiew kommentieren" und rahmt es aus der Perspektive der US-geführten Diplomatie statt aus Kiewer oder Moskauer Sicht. Englischsprachige Berichte, die in den ukrainischen Artikeln zitiert werden (Bloomberg, Reuters, Axios, BBC Ukraine, Kyiv Independent, Institute for the Study of War), zeichnen den Russland-Teil deutlich negativer: lange Wartezeiten für die US-Delegation im Kreml, ein mehrstündiges Mittagessen mit Kirill Dmitrijew in einem Moskauer Restaurant, keine erkennbare Mäßigung Putins, und die These, dass die Besuche den Wahlkampagnen Trumps und Putins im Herbst – US-Kongresswahlen am 3. November, russische Dumawahlen am 18.–20. September – dienen.

Wo die Berichte auseinandergehen

Ob der Besuch echten Fortschritt oder vor allem politische Optik brachte, wird unterschiedlich bewertet: US-Gesandter Witkoff verkündete auf X „substantiellen Fortschritt", Selenskyj bezeichnete einige der Ideen als „würdig", während Bloomberg unter Berufung auf Kreml-nahe Quellen bereits vor dem Russland-Termin von „äußerst niedrigen" Erwartungen berichtete und europäische sowie US-Vertreter inzwischen damit rechnen, dass der Krieg ins nächste Jahr andauern wird. Umstritten ist zudem die Reihenfolge der Shuttle-Besuche: Ein ukrainischer Analyst argumentierte, der Erstbesuch in Moskau habe „mehr der Moskauer Seite gespielt", weil er die für die Ukraine wichtige Reihenfolge der Pendeldiplomatie gebrochen habe; Selenskyj hingegen stellte den Kiew-Besuch als Beweis für eine gestärkte ukrainische Verhandlungsposition dar.

Hintergrund

Russland führt seinen großangelegten militärischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit dem 24. Februar 2022. Moskau knüpft ein Ende des Krieges an den Verzicht Kiews auf eine NATO-Mitgliedschaft – eine Forderung, die Kiew als Einmischung in innere Angelegenheiten betrachtet. Die Ukraine lehnt die Abtretung von Gebieten ab, die sie unter hohen Verlusten gehalten hat, und beschreibt russische Gebietsforderungen als Kapitulationsbedingungen. Ein im November vorgelegter 28-Punkte-US-Plan wurde im trilateralen Format weiterbearbeitet, erzielte jedoch keine Einigung in der Gebietsfrage. Russlands politische Führung strebt nach Angaben von Pawlo Palisa die Einnahme des restlichen Donbass bis Ende 2026 an; das russische Militär soll gebeten haben, diese Frist auf den 31. März 2027 zu verschieben – bislang 15 Verschiebungen. Die US-Kongresswahlen am 3. November und die russischen Dumawahlen am 18.–20. September bilden den politischen Zeitrahmen der amerikanischen Initiative.