Trump vereinbart russische Diesel-Lieferungen und ein „Energie-Waffenstillstandsabkommen“ – Kritik aus Kiew und von Verbündeten
US-Präsident Donald Trump kündigte am 9. Oktober nach einem Telefonat mit Wladimir Putin an, zwischen 300.000 und 3 Millionen Tonnen russisches Diesel auf den amerikanischen und Weltmarkt zu bringen, und setzte die Sanktionen gegen russische Kraftstoffexporte für sechs Monate aus. Am 11. Oktober verkündete er einen „Energie-Waffenstillstand“ zwischen der Ukraine und Russland, von dem Kiew nach eigenen Angaben überrascht wurde und der nach Angaben des Weißen Hauses nur Angriffe auf Ölraffinerien umfasst. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Lockerung der Sanktionen „offensichtliche Schwäche“; der kanadische Premierminister Mark Carney und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierten das Abkommen als den Bemühungen der Alliierten um Frieden in Europa zuwiderlaufend.
Das Wichtigste
- Am 9. Oktober vereinbarte Trump in einem Telefonat mit Putin zwischen 300.000 und 3 Millionen Tonnen russisches Diesel für den US- und Weltmarkt; die US-Regierung setzte die Sanktionen gegen russische Kraftstoffexporte für sechs Monate aus.
- Der Kreml hob ein im Juli 2026 verhängtes Exportverbot für Diesel vorzeitig auf, das als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien eingeführt worden war.
- Selenskyj bezeichnete die US-Entscheidung am Abend des 9. Oktober als schwach und erklärte später, die Lockerung der Russland-Sanktionen sei eine „offensichtliche Schwäche“, die Russland in die Hände spiele.
- Trump antwortete mit der Aussage, es sei „Zeit für die Ukraine, einen neuen Präsidenten zu wählen“, und warf Selenskyj vor, einen Friedensabschluss nicht zu wollen.
- Am 11. Oktober kündigte Trump über Truth Social einen „Energie-Waffenstillstand“ zwischen Ukraine und Russland an; Kiew sagte, die Ankündigung sei überraschend gekommen, und das Weiße Haus erklärte später, damit seien nur Angriffe auf Ölraffinerien gemeint.
- Der kanadische Premierminister Mark Carney sagte Selenskyj, das US-russische Abkommen widerspreche den Bemühungen der Verbündeten um Frieden und Stabilität in Europa und verschaffe Russland zusätzliche Mittel für den Krieg; die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte, dass ein nur Raffinerien betreffender Waffenstillstand wegen der vielen russischen Anlagen einseitig Russland begünstige.
Warum es wichtig ist
Die Aussetzung der US-Sanktionen gegen russische Kraftstoffexporte entlastet Moskau und bringt Russland nach Einschätzung verbündeter Staaten zusätzliche Einnahmen zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine. Der von Trump verkündete „Energie-Waffenstillstand“ deckt nach Angaben des Weißen Hauses nur Angriffe auf Ölraffinerien ab, was nach Ansicht der EU-Außenbeauftragten Kallas einseitig Russland begünstigt, da das Land über viele, die Ukraine aber nur über eine Raffinerie verfügt. Der öffentliche Schlagabtausch zwischen Trump und Selenskyj sowie die Kritik aus Kanada und der EU haben das Verhältnis zwischen Washington und Kiew belastet und die EU zugleich zur Verabschiedung ihres bislang größten Sanktionspakets gegen Russland veranlasst.
Was geschehen ist
Am 9. Oktober 2026 kündigte US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an, dass Russland zwischen 300.000 und 3 Millionen Tonnen Diesel auf den amerikanischen und den Weltmarkt liefern werde; die US-Regierung erklärte sich bereit, die einschlägigen Sanktionen für sechs Monate auszusetzen. Der Kreml hob ein im Juli 2026 als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien eingeführtes Diesel-Exportverbot vorzeitig auf. Am Abend des 9. Oktober nannte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die US-Entscheidung schwach und wies darauf hin, dass Trump gleichzeitig mit den Ukraine-Gesprächen in Miami mit Putin verhandle; später bezeichnete er die Sanktionslockerung als „offensichtliche Schwäche“, die Russland in die Hände spiele. Trump reagierte mit der Aussage, es sei „Zeit für die Ukraine, einen neuen Präsidenten zu wählen“, und warf Selenskyj vor, einen Friedensschluss nicht zu wollen. Am 11. Oktober verkündete Trump über Truth Social einen sofort beginnenden „Energie-Waffenstillstand“ zwischen der Ukraine und Russland, von dem Kiew nach eigenen Angaben überrascht wurde; das Weiße Haus erklärte später, dass dieser nur Angriffe auf Ölraffinerien betreffe. Noch vor Trumps Post hatte Kiew einen russischen Angriff auf eine Energieanlage in der ukrainischen Hauptstadt mit mehrstündigen Stromausfällen gemeldet. Der kanadische Premierminister Mark Carney sagte Selenskyj, das US-russische Abkommen widerspreche den Bemühungen der Alliierten um Frieden in Europa. Am 12. Oktober billigten die EU-Außenminister in Luxemburg das nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas größte Sanktionspaket in der Geschichte der EU gegen Russland mit 1.646 Eintragungen.
Wo die Berichte auseinandergehen
Die Trump-Regierung begründet die Aussetzung der Russland-Sanktionen mit dem Ziel sinkender Kraftstoffpreise; von CNN zitierte Analysten bezweifeln hingegen, dass die russischen Mengen die weltweiten Dieselpreise spürbar beeinflussen können. US-Finanzminister Scott Bessent warf europäischen Kritikern des Dieselabkommens „Heuchelei“ vor und verwies auf die anhaltende europäische Abhängigkeit von russischen Energieträgern; die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Kanadas Premierminister Mark Carney erklärten dagegen, das Abkommen laufe den Bemühungen der Verbündeten um Frieden und Stabilität in Europa zuwider und verschaffe Russland zusätzliche Mittel. Trump bezeichnete die Vereinbarung vom 11. Oktober als vereinbarten „Energie-Waffenstillstand“; das Weiße Haus erklärte später, sie betreffe nur Angriffe auf Ölraffinerien, und Selenskyj sagte, die Ankündigung sei für ihn neu gewesen und Russland habe den Waffenstillstand bereits verletzt. In der US-Sendung Fox & Friends warf Rachel Campos-Duffy Selenskyj vor, russische Raffinerien absichtlich zu bombardieren, um „den Demokraten zu helfen“, und forderte einen ukrainischen Führungswechsel; ihr Kollege Brian Kilmeade verteidigte die Angriffe auf die russische Kriegsmaschinerie und schrieb die Verantwortung für den Krieg allein Putin zu.
Hintergrund
Im Juli 2026 hatte Russland ein Exportverbot für Diesel verhängt, weil ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien die Versorgung verknappten; dieses Verbot wurde vorzeitig aufgehoben, um Lieferungen in die USA zu ermöglichen. Im September unterzeichnete Trump das Lindsey-Graham-Sanktionsgesetz gegen Russland, dessen wesentliche Bestimmungen am 18. Oktober in Kraft treten sollen und das eine Klausel enthält, die es dem Präsidenten erlaubt, Ausnahmen zuzulassen. Der französische Präsident Emmanuel Macron und US-Außenminister Marco Rubio hatten bereits zuvor im September öffentlich über einen „Energie-Waffenstillstand“ zwischen der Ukraine und Russland gesprochen.